Guten Rutsch ins neue Jahr

Verfasst Dezember 31, 2010 von Gideon Böss
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Allen Lesern wünsche ich einen guten Start in ein erfolgreiches und schönes Jahr 2011!

Peter Ramsauer, Retter der deutschen Sprache

Verfasst Dezember 31, 2010 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Verkehrsminister Ramsauer greift gegen das Englische durch. Wo er ist, da gibt es Klapprechner und keine Laptops. Gut zu wissen, dass er zumindest im Sprachenkrieg Erfolge vorweisen kann, wo doch gleichzeitig die Deutsche Bahn dem Winter nur so lange stand hielt, bis der Winter kam. Und was für Erfolge. „Tausende Zuschriften und Anrufe“ habe es aus der Bevölkerung gegeben, erklärt er und kommunistische “100 Prozent Zustimmung“. Jetzt will er, dass der Klapprechner Schule macht. Seine Ministerkollegen hat er schon angesprochen und auch der Rest des Landes soll seinem Beispiel folgen.

Was mich angeht, finde ich dieses Sprachen-Gejammer überflüssig. (Zumal man sich einmal entscheiden muss, was nun genau in Zukunft passieren soll. Wenn die Deutschen nämlich tatsächlich kurz vor dem Aussterben sind, braucht es ihre Sprache ohnehin nicht mehr.) Natürlich ist der Einsatz von Anglizismen oft peinlich und genau aus diesem Grund gibt es schon eine unüberschaubare Anzahl an Büchern, welche die skurrilsten Beispiele dieser Mode dokumentieren. Aber gleichzeitig sind eben nicht nur das Christentum, das Judentum und der Islam Teil Deutschlands, sondern auch das Englische. Dem muss natürlich auch Rechnung getragen werden. Jüngere Menschen verwenden diese Sprache ganz selbstverständlich, weil es die Sprache ihrer Freizeit ist. Internet, Computer, Musik und Film, all dies ist eng mit den USA verbunden und dort wird eben nicht Deutsch gesprochen, gesungen und programmiert.

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“Frauen und Kinder zuerst”

Verfasst Dezember 13, 2010 von Gideon Böss
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Ich bin mit der Straßenbahn durch den Stadtteil Prenzlauer Berg gefahren. Jenen Ort also, an dem man weder einen Friseur, noch eine Kneipe oder ein Blumengeschäft finden wird, wenn man nicht die Krampfironie berücksichtigt, die die prenzelbergischen Ladenbesitzer auszeichnet. Die lassen sich dann Wortschöpfungen- und verdrehungen einfallen, die sich so lesen: Notaufnahme, Dressfaktor, oder Frauen und Kinder zuerst. Wer Männer-Unterwäsche sucht, findet sie im Superschlüpfer, hinter Heimzucht verstecken sich Designerklamotten, Wo die Zitronen blühen verkauft Schmuck, Zu mir oder zu dir ist eine Bar und handgemachte Kuscheltiere findet man bei Glaube und Wahrheit. Niemals könnte es hier einen Tante-Emma-Laden geben, das müsste dann schon mindestens ein Onkel-Manfred-Laden sein. Da ich auch auf dem Prenzelberg wohne und dazu gehören will, möchte ich übrigens ein Beerdigungsinstitut eröffnen. Einen, hihi, pfiffigen Namen habe ich schon: Ich bin dann mal weg.

Aber nicht alles ist hier so locker, so doppeldeutig und spaßig. Das wurde mir klar, als an einer Haltestelle in der besonders gründlich ironisierten Kastanienallee vier Kinder mitsamt Betreuerin einstiegen. Genau genommen stieg noch eine weitere Frau ein. Die Mutter eines Jungen, dem seine Mutter sichtlich unangenehm war.

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Schmidt sells. Sex too.

Verfasst Dezember 10, 2010 von Gideon Böss
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„Ich habe diesen Mann oral befriedigt und ich war dreizehn Jahre alt.“

Im wesentlichen sind in diesem Satz alle Elemente enthalten, die es braucht, um aktuell als Autorin durchzustarten. Junge, attraktive Frauen, die wegen psychischer Probleme oder aus Geldnot alles mit sich machen lassen und zugleich stabil genug sind, dies dann in Büchern festzuhalten. Nana Schweitzer, der diese prägnante Zusammenfassung ihres Buches Schmetterlingspuppe gelang, springt nun auch auf diesen Zug auf, beziehungsweise in dieses Bett hinein.

Sehr beliebt sind dabei die Bekenntnisse von Studentinnen, die nach Vorlesungsende zur Hure werden. Die haben dann Titel wie Mein teures Studium: Studentin, 19 Jahre, Nebenjob: Prostituierte oder Und nach dem Studium ins Bordell: Bekenntnisse einer Kunststudentin. Aber wer kauft das alles eigentlich? Gibt es einen bestimmten Leser-Typ, der Kleinstadtschlampe („So hurt sie sich durch ihre Kleinstadt“) oder das Ghetto-Sex-Tagebuch besorgt? Bei Science-Fiction-Literatur sind es ja meistens jüngere Männer, bei Büchern von Hera Lind leicht verblühte Damen und wenn es um verliebte Vampire geht, kaufen Schülerinnen die Regale leer. Aber wer kauft diese Sexbeichten? Immer und immer wieder?

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Konstantin Wecker, der singende Kopfbahnhof

Verfasst Dezember 5, 2010 von Gideon Böss
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Zufällig habe ich vor ein paar Tagen Konstantin Wecker im Fernsehen gesehen. Es ging um Stuttgart 21 und er sang irgendetwas, was er schon seit Jahrzehnten singt und mir fiel plötzlich auf, dass er die perfekte Symbolfigur für den S21-Widerstand ist. Wecker verändert sich nicht, er bleibt immer gleich. Man kann ihn ein paar Jahre aus den Augen verlieren und ihn dann zufällig in einem TV-Bericht über Hartz IV-Demonstrationen, Atomkraft-Proteste oder Friedensmärsche sehen und schon ist wieder alles wie früher. Er deckt auf, er weiß, was die eigentlichen Motive hinter den offiziellen Motiven sind. Mauscheleien, Skrupellosigkeit, Schmiergeld und ergaunerte Aufsichtsratsposten. Danach singt er seine Lieder, die jeder kennt, weil sie sich nie ändern, denn wo der Konstantin ist, da ist Stillstand. Die Welt ist heute eine andere als vor dreißig Jahren, Konstantin Wecker ist der alte geblieben. Er ist ein Ruhepol in rasanten Zeiten, der zu Mensch gewordene Kopfbahnhof.

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Zweierlei (Wikileak)-Maß

Verfasst Dezember 3, 2010 von Gideon Böss
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Der FDP-„Maulwurf“ hat doch im wesentlichen die Idee hinter Wikileak verinnerlicht: Daten an Dritte verraten. Wie kann also jemand, der Assang feiert, gleichzeitig das Verhalten dieses Datenhändlers kritisieren?

Wikileak enthüllt: Deutschland feiert Datenmissbrauch

Verfasst November 29, 2010 von Gideon Böss
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Der Datenschutz ist den Deutschen gar nicht so heilig, wie es immer den Anschein hat. Zwar werden Google und Facebook mit überspannter Wachsamkeit beobachtet, auf dass sie niemals Daten an den Teufel bzw. „die Wirtschaft“ verkaufen, doch gleichzeitig wird der Staat als Verbündeter gesehen, obwohl dieser doch zweifellos die größte Krake von allen ist. Dass CDs mit gestohlenen Daten aus der Schweiz ganz offiziell von der Regierung eingekauft werden, finden die meisten Deutschen super. Weil auf der CD schließlich die Namen und Adressen von Steuersündern drauf sind. Böse Daten haben keine Rechte.

Das jüngste Beispiel für das seltsam gespaltene Verhältnis zum Datenschutz heißt Wikileak. Dort werden nun unzählige Informationen online gestellt, die US-Botschafter und Diplomaten über ihre jeweiligen Einsatzländer und dortigen Politiker in eine Datenbank eingespeichert haben. Es sind offene Worte, wie man sie wählt, wenn man unter sich ist. Das ist der Job von Botschaftern.

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