Religionen im Dialog. Warum?

Gerade jetzt rund um Allerheiligen betonen wieder viele Geistliche die Bedeutung des interreligiösen Dialogs. Ehrlich gesagt verstehe ich den tieferen Sinn dieser Gespräche nicht so wirklich. Das Ganze scheint eigentlich ein Widerspruch in sich zu sein. Über was soll denn Konsens hergestellt werden? Darüber, dass die Anhänger der einen Religion die Anhänger der anderen Religionen nicht unterdrücken oder gar ermorden? Dafür haben wir Gesetze. Das wäre also ein Fall für das Strafrecht und nicht für deeskalierende Pfarrer-Rabbiner-Gespräche. Und die Erkenntnis, dass „wir doch alle an den gleichen Gott glauben“ mag stimmen oder auch nicht, aber ist in jedem Fall auch nur Stoff für eine einzige Sitzung. Danach ist dieser Punkt ja geklärt.

Im Grunde wirken solche Dialoge ein bisschen so, als ob Cola und Pepsi sich treffen und danach verkünden, dass beide Limonadenhersteller fast nichts trennt. Weder im Geschmack, noch im Preis. Es würde sich dann die Frage stellen, weswegen sie sich nicht zu einer Firma zusammen schließen.

Und genau an diesem Widerspruch kranken interreligiöse Dialoge doch. Sie wären okay, wenn sie Fusions-, oder Übernahmegespräche wären. Man versucht die eigene Religion als die attraktivere hinzustellen. Da könnte beispielsweise der Papst mit einer Verkürzung der Höllenqualen für all jene Sünder werben, die bis zum 30.11. „wechseln“. Die Moslems sollten es mit der BILD-Seite-1-Girl-Taktik versuchen und von diversen Mädchen berichten, die (im Paradies) nur darauf warten, dir jeden Wunsch zu erfüllen und so weiter. Ich habe das Gefühl, dass dies der Natur des Religionen viel eher entspricht, als sich gegenseitig die Großartigkeit des anderen zu bestätigen. Denn trotz alledem gilt doch: Alle Religionen sind gleich, nur meine ist gleicher.

Wobei ich auch nichts gegen diese Treffen habe. Es gibt sicherlich unsinnigere Gründe, sich an einen Tisch zu setzen, aber es wundert mich eben doch, was sich die Teilnehmer davon versprechen.  Christentum und Islam sind schließlich zwei Konkurrenten auf dem Glaubensmarkt. Beide erfolgreich und beide bestrebt, ihre Marktanteile zu erhöhen. Wenn es nach ihnen gehen würde, gäbe es außer ihnen nichts anderes auf der Welt. Keiner würde einem orientierungslosen Heiden raten, doch besser dem anderen Verein beizutreten (etwas anders liegt der Fall bei den Juden, die seit Jahrtausenden einen Anwerbestop haben).

Aus diesen Gründen habe ich den Eindruck, dass der interreligiöse Dialog eine skurrile Veranstaltung ist. Sie scheint nötig zu sein, um das den Religionen eigene Überlegenheitsgefühl gegenüber den anderen zu entschärfen. Der Dialog soll also die Folge von etwas abschwächen, was die Religion selbst produziert und was deren Grundlage darstellt.

Das wäre zumindest die einzige sinnvolle Erklärung, die ich finden kann. Dass man es interreligiöser Dialog nennt und nicht interreligiöses Antigewaltseminar, hat dann wohl ein guter PR-Berater empfohlen.

(zuerst hier erschienen)

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3 Kommentare - “Religionen im Dialog. Warum?”

  1. heplev Says:

    „sich gegenseitig die Großartigkeit des anderen zu bestätigen“ – das mag für den Dialog zwischen Kirchen und jüdischen Organisationen gelten. Für den „Dialog“ zwischen Muslimen und anderen gilt es nicht. Da machen die Verbandsmuslime sehr klar, was für sie „Dialog“ ist – einseitige Feststellung der Dominanz des Islam.

  2. Gideon Böss Says:

    „Da machen die Verbandsmuslime sehr klar, was für sie “Dialog” ist – einseitige Feststellung der Dominanz des Islam.“

    Wobei das zumindest ehrlich ist. Da sind die anderen selbst schuld, wenn sie noch weiter dialogen.

  3. Berthold Schulte Says:

    Beide Seiten sind fundamentalistisch und haben die Aufklärung von Immanuel Kant nicht gelesen oder wenn doch, dann nicht verstanden. Der Islam ist nur missionarischer und dominanter, während wir uns in Deutschland hinter der politischen Korrektheit verschanzen, marschieren die Islamisten nach ihren Regeln munter voran.


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