Fußball und Pädagogen

Ich bin Provokationskünstler, habe darum das Buch von Thilo Sarrazin nicht gelesen. Dafür aber eine Podiumsdiskussion von ihm besucht, in der Berliner Urania. Und ich stimme Benjamin von Stuckrad-Barre zu, der Sarrazins Gesprächsstil treffend als „Fußnoten-Rhetorik“ bezeichnete.

Auf jeden Fall gibt es seit „Deutschland schafft sich ab“ diverse Überlegungen, wie es denn nun weitergehen soll mit der Integration. Zwei der aktuellen Hoffnungsträger dürften die Erwartungen enttäuschen.

Das wäre zum einen König Fußball, der plötzlich für ein bessere Miteinander sorgen soll. Deswegen belästigt Angela Merkel den armen Mesut Özil sogar in der Umkleidekabine. (Es sollte natürlich zur deutschen Leitkultur gehören, dass Frauen nicht einfach in die Männerumkleidekabine eindringen dürfen und umgekehrt. Da waren wir schon einmal weiter.) Dieser Überfall war vor allem deswegen überflüssig, weil der Fußball keine integrierende Kraft besitzt. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Jeder Bundesligaspieltag wird von Großaufgeboten der Polizei begleitet. Man beschimpft gegnerische Fans, Spieler und Trainer und wenn die eigene Mannschaft schlecht spielt, die gleich mit. Schwule sind ein Reizthema und Hurensohn ein Argument. Das ist okay so, gehört wohl zum Fußball dazu. Aber was für eine Art von Integration soll dadurch erreicht werden? Sicherlich gibt es viele tolle Bilder von Fanverbrüderungen, wo sich einer mit rotem Schal und einer mit gelben Schal in den Armen liegen und gemeinsam feiern. Weiter verbreitet sind dann aber doch die Schmähgesänge auf die gegnerischen Anhänger, das muss man nicht überbewerten, aber es trennt eben doch in zwei verschiedene Gruppen. Und dann gibt es auch noch Fans, die Wayne Rooney Morddrohungen schicken, weil er den Verein wechseln will. Als Integrator taugt dieser Sport nicht, er kann Spaß machen, mehr sollte man von ihm nicht erwarten.

Und neben dem Fußball wird auch immer wieder auf die Arbeit der Pädagogen hingewiesen, der angeblich eine Schlüsselrolle zukommt. Ich hoffe sehr, dass das nicht stimmt. Pädagogikstudenten bzw. Erziehungswissenschaftler fallen an den Universitäten dadurch auf, dass sie Computerspiele – vor allem die mit Waffen – und das Internet für natürliche Feinde des Menschen halten, die wissen, dass McDonalds Suchtstoffe in das Essen mischt und beim Thema Genitalverstümmelung bei Mädchen ganz tolerant feststellen, dass es Kulturimperialismus wäre, dagegen vorzugehen. (Erfahrungswerte aus zwei verschiedenen Universitäten liegen diesen Beschreibungen zugrunde.)

Vermutlich wäre ein dritter Weg, jenseits von Fußball und den Pädagogen, sinnvoll. Nur welcher? Am besten fragen wir mal Mesut Özil, vielleicht weiß er ja weiter.

(zuerst hier erschienen)

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