Langeweile mit Levy

Der schlechteste Film, den ich dieses Jahr im Kino gesehen habe, hieß „Das Leben ist zu lang“. Ein Film von Dani Levy. Levy war schon zuvor zweimal für den jeweils schlechtesten Film verantwortlich. Seine Hitler-Satire „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ konzentrierte sich so sehr darauf, pädagogisch korrekt zu sein, dass sie sich für jeden ihrer wenigen Witze sofort entschuldigte. Es war eine Qual, diese auf Film gebannte Feigheit und Harmlosigkeit durchzustehen und nach dem Abspann folgte dann auch noch eine Interviewreihe mit Kindern und Jugendlichen, die gravierende Wissenslücken bezüglich Nazizeit und Hitler offenbarte. So sind sie, die guten Komödien, sie lassen einen nachdenklich und mit ernstem Gesicht das Lichtspielhaus verlassen. Noch bevor sich Levy an Hitler versuchte, feierte er aber mit „Alles auf Zucker“ seinen größten Erfolg. Natürlich war auch dieser Film langweilig, natürlich fehlten ihm Schlagfertigkeit, Mut und Tempo und wenn Levy darin die Geschichte der Familie Müller-Schmidt erzählt hätte, wäre er völlig zurecht nie in die Kinos gekommen. Aber die Familie hieß nicht Müller-Schmidt, denn es war eine jüdische Familie (Mischpoke!) und das reichte völlig aus, um das deutsche Publikum jubeln zu lassen. Zum Preis eines Kinotickets zeigen, wie normal wieder alles ist. Wiedergutlachung leisten.

Dabei wäre es doch gerade ein Zeichen von Normalität, wenn Dani Levy keine Filmförderung bekommen würde und zwar mit der überzeugenden Begründung, dass diese an talentierte Regisseure und Drehbuchautoren gehen sollte (wobei sie ohnehin abgeschafft gehört). Aber offenbar leistet man sich gerne etwas Ausgefallenes und leider hat ausgerechnet Levy die jüdische Nische besetzt. Und er weiß, was man von ihm will und deswegen heißt es bei ihm dann nicht „meine Beine“, sondern „meine jüdischen Beine“. Mission erfüllt, Signalwort erfolgreich eingebaut. Er dreht keine jüdischen Filme, sondern arbeitet Klischees ab, mehr kann er nicht. Weil er aber ein jüdische Regisseur ist, wird er dann auch hin und wieder mit den Coen-Brüdern verglichen, was geradezu bizarr ist, weil ihn von diesem genialen Brüderpaar in etwa so viel trennt, wie die Mimikrysemitin Dr. Edith Lutz von einer Versöhnung mit der Realität.

Und obwohl er nun erneut mit einen atemberaubend unoriginellen Film Kinoleinwände blockieren durfte, ist er schon wieder mit weiteren Projekten beschäftigt, gesponsort von diversen Filmförderungen, und in einem oder zwei Jahren kommt er zurück. Dabei ist Dani Levys Humor nicht jüdisch, sondern einfach nur langweilig. Nicht die Coen-Brüder sind seine Kragenweite, sondern Til Schweiger und seine Keinohrhasen.

(zuerst hier erschienen)

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2 Kommentare - “Langeweile mit Levy”

  1. Hansjörg Müller Says:

    Lieber Herr Böss,

    ein wunderbarer und treffender Kommentar! Und überhaupt ein sehr interessantes Blog. Übrigens schreibe ich auch für die „Achse des Guten“, eine Übersicht über meine Veröffentlichungen gibt’s unter thukydidesblog.wordpress.com (falls Sie’s interessiert…) Beste Grüße,
    Hansjörg Müller

  2. Gideon Böss Says:

    Lieber Hansjörg Müller,

    besten Dank für das Lob und auch für den Link auf ihr Blog. Den Text „Papstkritiker sind Langweiler“ kannte ich schon. Mich nervt dieser eingebildete Heldenmut auch. Von mir aus kann man den Papst ja gerne kritisieren, aber dann doch bitte die rechtsstaatliche Realität nicht ganz aus dem Auge verlieren.

    Beste Grüße,

    Gideon Böss


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