Archiv für September 2010

Unter Linken, der Film

September 27, 2010

Gestern Abend habe ich den Film „Unter Linken“ gesehen, der auf dem Buch „Unter Linken“ basiert, das ich nicht gelesen habe. Mein Eindruck war: zu nett, der Jan Fleischhauer. Leider.

Die Gespräche mit linken A-Promis hörten immer die entscheidende Frage zu früh auf. Anstatt noch weiter nachzusetzen und den Gegenüber wirklich in Erklärungsnot zu bringen, beließ Fleischhauer es dabei. Besonders schade war das bei Dieter Hildebrandt, dem uralten Vorsitzenden der Verdi-Gewerkschaft Humor und Kabarett. Zuerst behauptete er, dass er sich schon immer über die Linke lustig gemacht hätte und dann fiel ihm kein einziger passender Witz ein. Es dauerte lange, ehe er sich doch an einen einzigen erinnerte. Warum fragt man dann nicht noch einmal nach, ob dieser Mann tatsächlich ein langes Leben lang Witze über die Linke gerissen hat, wenn ihm nur mit Müh und Not ein einziger einfällt?

Am interessantesten waren die Szenen, in denen Aktivisten selbst zu Wort kamen. In der Grünen Jugend besetzt eine Nachwuchsvollblutdemokratin den Posten der Umerzieherin. Sie macht sich ausschließlich Gedanken darüber, wie man die Sprache von allem Schmutz säubern kann. Geschlechter sind so ein Schmutzfaktor. Eine grüne Welt ist eine geschlechtsneutrale Welt, eine Welt ohne „man“ und ohne Vergewaltiger (denn das heißt künftig VergewaltigerInnen). Wobei menschInnen dem lahmen Durchschnitt gleich mehrere Schritte voraus ist. Die Diktatur der zwei Geschlechter soll fallen. Weil es auch Leute gibt, die weder das eine noch das andere sein wollen, muss die Sprache noch weiter verändert werden. Aus dem Vergewaltiger, der schon heute eigentlich VergewaltigerInnen heißt, wird morgen der Vergewaltiger_innen, was durch den tiefen Strich und das kleine i auch die ganzen Leute anspricht, die längst nicht mehr in den Schablonen Mann/Frau denken. Wann die Grüne Jugend Mario Barth, den Verbreiter eines durch und durch reaktionären Geschlechterbildes, hinrichten lässt, fragte Jan Fleischhauer leider nicht nach.

Interessant waren auch die seltsamen Lesben, die auf die Frage, weshalb die Schwulen denn ein Problem damit haben, dass das Mahnmal für die verfolgten und ermordeten Homosexuellen neben einem Video küssender Männer auch eines von küssenden Frauen zeigen soll, antworteten, dass die Schwulen auch Männer sind und niemand vergessen darf, dass wir in einem Patriarchat leben! „Das erklärt alles“, na dann. Dass es schlicht keine Verfolgung von Lesben durch die Nazis gab und deswegen die Schwulen die Forderung einer „Öffnung des Mahnmals“ auch für lesbische Opfer (der am Ende nachgegeben wurde) suspekt fanden, wäre wohl eine zu einfache, eine zu patriarchale Erklärung gewesen. Naja, auch Phantomtote sind Tote. Irgendwie.

Die Szene von einer linken Demonstration in Kreuzberg spülte dann noch zwei im besten Sinne des Wortes sehr dumme Typen vor die Kamera. Einen ältere Trottel, der einen CDU-Mann empört beschimpft, weil der es wagt, Werbung für seine Partei zu machen und einen anderen (nicht weniger dämlichen, dafür aber deutlich jüngeren) Kerl, der einem CDUler revolutionär Wasser über den Kopf schüttet und dann zur Polizei flieht, als Fleischhauer wissen will, warum er das getan hat.

Ströbele kommt auch vor. Anschauen kann man sich den Film schon. Aber besser hätte er sein können. Viel besser.

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Was bedeutet Globalisierung?

September 9, 2010

Globalisierung bedeutet, dass ich in Deutschland ein Buch vebrennen kann und man sich in Pakistan darüber aufregen wird.

Deutschland schafft sich ab

September 4, 2010

Da wurde jetzt eine Woche lang so viel dummes Zeug rund um Sarrazin geschrieben und geredet und trotzdem hat noch keiner verlangt, dass „Deutschland schafft sich ab“ nur in einer kommentierten Ausgabe verkauft werden darf (wenn überhaupt). Ich bin enttäuscht.