Deutsche Streitkultur

Mit den Taliban reden. Mit der Hamas reden. Mit Sarrazin nicht reden.

Es hat wohl was mit der Entfernung zum Problem zu tun, wie gesprächsbereit deutsche Politiker sind. Kaum zu glauben, dass Westerwelle zwar ganz lässig erklärt, dass man doch auch mit Gotteskriegern reden kann, aber dann bei Sarrazin völlig durchdreht.

Advertisements
Explore posts in the same categories: Nicht kategorisiert

8 Kommentare - “Deutsche Streitkultur”

  1. Rika Says:

    Ein kleiner Vergleich:
    Wenn ich im Zoo von Hannover durch die dicke Glasscheibe ein freundliches Gespräch mit dem Tiger führe, gehe ich keinerlei Risiko ein.
    Mit einem Tiger in freier Wildbahn das Gespräch zu suchen, würde aber massive suizidale Tendenzen benötigen…

    Da redet es ich eben doch viel entspannter mit dem gefährlichen Zeitgenossen hinter Glas und Riegel – oder eben aus der sicheren Distanz von vielen tausend Kilometern…

    Ein Sarrazin in Australien würde hier nicht mal eine winzige Mitteilung in einer Szenezeitung hervorrufen, geschweige denn die Kanzlerin zu einem dringenden Appell an Herrn Weber via ARD veranlassen.

  2. Webbaer Says:

    Sarrazin hat jedenfalls die Unterstützung beträchtlicher Teile des Volkes, vermutlich die Mehrheit unterstützt seine Thesen – die zudem inhaltlich idT nichts Neues darstellen; nur die Präsentation ist komprimierter als bisher üblich.

    MFG
    Wb

  3. califax Says:

    Sarrazin hat erstens nicht genügend Leute umgebracht und sich zweitens nicht als aufrechten Kämpfer wider den westlichen Imperialismus bezeichnet.
    Wieso sollte man also mit ihm reden?

  4. Jens Says:

    Der Vergleich hinkt: Sarrazin ist kein Tiger (und schon gar kein Ahmadinedschad), sondern ledigich jemand, der ein (Sach-)Buch veröffentlicht hat. Die hysterischen Reaktionen darauf, sowohl aus Politik als auch aus gefühlten 99% der „Medien“, stehen in keinem Verhältnis zum Anlass (selbst wenn Sarrazin in allem unrecht hätte). Der Mann wird jetzt zur Unperson gemacht. Spätestens seit dem Schauspiel um seine Abberufung kann kein Zweifel mehr bestehen: wir haben einen neuen Faschismus in Deutschland. Und es ist genau der, den Hannah Arendt vorhersagte: er kam nicht und sagte: „Ich bin der neue Faschismus“, sondern „Ich bin der Antifaschismus“.

  5. Webbaer Says:

    Und es ist genau der, den Hannah Arendt vorhersagte: er kam nicht und sagte: „Ich bin der neue Faschismus“, sondern „Ich bin der Antifaschismus“

    Sehr schön angemerkt!

    Gemeint war aber wohl das Zitat von Ignazio Silone – „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ -, aber in D ist in der Tat eine merkwürdige Vorform des Faschismus deutlich geworden. Insbesondere das Auftreten der deutschen Bundeskanzlerin, die erst die Bundesbank zur Entlassung Sarrazins aufforderte um dann der „unabhängigen Entscheidung“ Respekt zu zollen oder der sich wie folgt hat interviewen lassende Wulff – „Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann“ – könnten die Vorhut eines verbrecherischen Regimes sein.

    Aktuell fordert die Merkel eine „Integrationsdebatte ohne Tabus“ – verlogener gehts kaum noch.

    MFG
    Wb

  6. Rika Says:

    @ Jens:
    „Der Vergleich hinkt: Sarrazin ist kein Tiger (und schon gar kein Ahmadinedschad), sondern ledigich jemand, der e …“

    Abgesehen davon, dass jeder Vergleich hinkt – ist ja eben nur ein Vergleich – bezog ich mich auf Taliban und Hamas „im Vergleich“ zu Sarrazin.
    Und Sarrazin ist wahrlich nicht der Tiger, ich dachte mehr an dir Herren BinLaden, Ahmadinedschad, Nasrallah, Mahmud al Sahar von der Hamas mit denen unsere Politiker so gerne reden… wollen 😉 aber nicht können, weil die Herren hinter der „Glasscheibe“ der sicheren Entfernung nur herzhaft gähnen, wenn jemand wie Herr Westerwelle an ihre gute Seele und ihre friedfertige Haltung als „gemäßigte“ Islamisten appelliert…


    @ Webbaer: volle Zustimmung!

  7. Jens Says:

    @Rika
    Ok, war ein Mißverständnis meinerseits.
    @Webbaer
    Genau das meinte ich. Mal sehen, wie Wulff sich jetzt unter zunehmendem öffentlichen Druck verhalten wird. Selbst wenn er nun für Sarrazin entscheiden sollte, wird der Eindruck bleiben, dass ursprünglich das Bundeskanzleramt, der Bundespräsident und die Bundesbank den gemeinsamen Versuch unternahmen, einen Mißliebigen loszuwerden. Ab diesem Zeitpunkt dürfte auch dem Letzten klargeworden sein, wie der Laden Bundesrepublik läuft.
    PS.: Danke für die Berichtigung. Bei mir war das Zitat unter Hannah Arendt abgespeichert.

  8. Chewey Says:

    Sehr bedenkenswerte Ausführungen hier.
    Um die Belastbarkeit einer Aussage wie „Vorstufe des Faschismus“ weiter zu ergründen, wäre das Verhalten der 3. Gewalt, der Jurikative, sehr interessant gewesen. Ein Rausschmiss wäre juristisch kaum haltbar gewesen, und ein offen „politisches“ Urteil hätte die o.g. These so deutlich untermauert, dass man es mit der Angst bekommen könnte.
    Aber leider wird es nun keinen Prozess geben, weil man sich ja bekanntermaßen „einvernehmlich“ geeinigt hat.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: