Archiv für April 2010

Zwei Kruzifix-Reformvorschläge

April 27, 2010

Was hat ein Kruzifix eigentlich in der Schule verloren? Haben wir dafür nicht Kirchen? Eine junge CDU-Ministerin wurde von ihrer Partei gerade dafür getadelt, dass sie die Trennung von Staat und Kirche einforderte, wozu auch gehört, dass christliche Symbole nicht in staatlichen Einrichtungen zu hängen haben.

Warum sollte der Staat auch die Werbefläche für eine einzelne Religion sein? In einem Land, in dem es schon als unseriös – weil parteiisch – gilt, wenn Zeitungen Wahlempfehlungen aussprechen, überrascht so viel Einseitigkeit. Die bloße Tatsache, dass momentan die Mehrheit der Deutschen auf dem Taufschein noch christlich ist und deswegen Jesus gewisse Privilegien genießt, ist kein gutes Argument. Es ist nicht anzunehmen, dass Kruzifix-Retter wie Christian Wulff damit einverstanden wären, morgen die christliche Symbolik abzuhängen und durch z.B. hinduistische zu ersetzen, sollten die Deutschen über Nacht plötzlich zu dieser Religion überlaufen.

Es gibt keine überzeugenden Argumente für Kruzifixe in Schulen. Weil dieser aktuelle Zustand nicht tragbar ist, hier zwei Reformvorschläge von mir.

Reform 1: Wir machen unsere Schulwände zu Heiligenwänden. Auf denen ist jeder willkommen, der von irgendwem als Gott, Prophet o.ä. verehrt wird. Da darf Jesus dann neben Mohammed, Buddha, Krishna und dem fliegenden Spaghettimonster hängen und jeder Schüler, der sein göttliches Vorbild vermisst, muss es nur mitbringen, dann wird es hinzugefügt. Wäre das nicht ein toller Beweis für Multikulti und Toleranz? Um die Atheisten und Agnostiker nicht zu diskriminieren, müsste es zusätzlich erlaubt sein, die Wände mit Postern von Popstars, Schauspielern, dem eigenen Fahrrad oder Urlaubsfotos zu behängen. Alles, was für den Einzelnen einen emotionalen Wert hat, hat ein Anrecht darauf, dass alle anderen damit belästigt werden. Warum sollte Wulff sein Kruzifix aufhängen dürfen, aber die Susi Mustermann nicht ebenso das Foto ihres Pferdes, das ihr so viel bedeutet?

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Die GEZ-Gelder wären bei Sky besser aufgehoben

April 21, 2010

ARD wird 60 Jahre alt und weil es sonst niemand macht, feiert sich der GEZ-Sender einfach selbst. Das soll er machen und sich danach in den Vorruhestand verabschieden. Die deutsche Medienlandschaft würde davon profitieren, wenn die öffentlich-rechtlichen Zwillinge ARD und ZDF abgeschafft würden.

Von mir aus können sie auch bestehen bleiben, aber bitte als Wettbewerber, die sich durch Leistung und nicht durch Zwangsmaßnahmen auf dem Markt behaupten. Das GEZ-System gehört aus vielen Gründen abgeschafft. Nicht der unwichtigste ist dabei, dass ein System schlicht falsch sein muss, das Aushängeschilder der Mittelmäßigkeit wie Anne Will, Andrea Kiewel oder Reinhold Beckmann sehr reich macht.

Es gibt schlicht kein Argument, das für die GEZ-Gebühren sprechen würde. Wenn es fehlen würde, müssten sich ARD und ZDF im Wettbewerb mit anderen Privatsendern behaupten. Momentan nehmen sie an diesem Wettbewerb nur insofern teil, als dass sie ihn verzerren. Man darf davon ausgehen, dass die deutsche Fernsehlandschaft auch deswegen so ideenlos ist, weil sie von einer milliardenschweren Behörde dominiert wird, die alle Kreativität erdrückt.

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Pädagogen und Computer

April 17, 2010

Der Beruf des Pessimisten gehört zu den ältesten der Welt, schon Platon wusste, dass früher alles besser war. In dieser Tradition steht auch die Erziehungswissenschaft.

Aktuell beweist das Wolfgang Bergmann in einem Interview mit dem Spiegel. Darin erklärt er, dass es der heutigen Jugend gar nicht gut geht, weswegen sie sich in Computerspielwelten und das Internet flüchtet, was natürlich sehr bedenklich sei. Mit dieser negativen Bewertung der Rolle des Computers liegt Bergmann voll im pädagogischen Mainstream. Die deutsche Erziehungswissenschaft ist leider geprägt von einem Misstrauen gegenüber neuen Medien.

Ich habe während meines Studiums regelmäßig in Seminaren erlebt, wie sich ausgerechnet die Erziehungswissenschaftler am lautesten von diesen Neuerungen distanzierten. Für sie stand fest, dass Kinder nicht vor den Computer gehören Kulturpessimismus, Fortschritts- und Technikfeindlichkeit sind die drei Säulen, auf denen unsere Erziehungswissenschaft steht. Nicht der Erzieher hat sich der Lebenswirklichkeit der Kinder anzupassen, sondern die Kinder dem Weltbild des Erziehers.

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Numerus clausus I und II

April 11, 2010

Ich habe hier gefordert, dass der Numerus clausus abgeschafft wird und hier auf die Gegenargumente geantwortet, die im Kommentabereich geäußert wurden.

Antifaschistische KZ-Mode

April 4, 2010

Irre, dieser Satz:

„Mehr als 5000 werden es bis zum Nachmittag, was für ein buntes Bild: weiße und grüne Fahnen, alle Schattierungen von rot; blaue und gelbe Transparente, Deutsche, Türken, Kirchenmänner, Kindergärten, Schulkinder in KZ-Kleidung, Vertreter aller großen Parteien.“

Mit diesen Worten wurde in „Der Westen“ die Gegendemonstration beschrieben, die eine Kundgebung von NPD und pro NRW vor einer Moschee in Duisburg-Marxloh erfolgreich verhinderte. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Sondern um das bunte Bild, zu dem auch gehörte, dass Demonstranten in KZ-Kleidung auftreten. Ist diese Verkleidung jetzt also im Kommen? Werden die Supermärkte in der nächsten Faschingssaison KZ-Sets mit abwaschbarem Zahlen-Tattoo für den Oberarm und schickem Judenstern im Angebot haben? Für die gute Sache? Aber vor allem: Was hat das alles mit dem Islam zu tun?

Am wenigsten werden das die überzüchteten Junior-Antirassisten wissen, die in Duisburg-Marxloh ihre ganze Geschichtsblindheit zur Schau gestellt haben. Wobei sie damit nur in die Tat umsetzten, was längst im Gange ist. Die Postmodernisierung des Holocaust. Das Motto dabei lautet: Holocaust ist, was dich ärgert. Während die einen noch verbissen an der Singularität dieses Verbrechens festhalten, haben die „nie wieder“-Deutschen längst Fakten geschaffen. Alles, was gegen den aktuellen Antirassismus-Knigge verstößt*, ist irgendwie Auschwitz. Deswegen gibt es auch keine Juden mehr, sondern nur Menschen, die schlecht behandelt werden und die man deswegen Juden nennt. Nur so ist zu verstehen, warum die Moslems immer wieder als die neuen Juden bezeichnet werden, obwohl es die alten Juden noch immer gibt.

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Besuch der Reichstagskuppel

April 2, 2010

Vor ein paar Tagen entschloss ich mich zur Bewanderung der Reichstagskuppel. Wie immer warteten viele Leute darauf, eingelassen zu werden. Meistens Touristen. Es ging schleppend voran, weil es für alle Besucher nur einen einzigen Metalldetektor gibt.

Die Kuppeldach-Interessierten stehen dabei unter dem Generalverdacht, Ausländer sein zu müssen, denn wer nicht gerade in Dirndl und Lederhose aufkreuzt, erhält alle Auskünfte erst einmal in englischer Sprache. Nach dieser ersten Sicherheitsüberprüfung folgte die zweite und wesentlich härtere. Ein als Fahrstuhlführer getarnter Elitepolizist mit dem Schwerpunkt psychologische Kriegsführung, schnauzte dabei die Russen, Portugiesen, Engländer und Deutschen ohne Berlinhintergund an. „Seid ihr festgetackert oder was? Los, los, los, rein jetzt, ich will hochfahren!“

Terroristen machen Fehler, wenn sie unter Stress gesetzt werden. Das wissen die israelischen Polizisten am Flughafen in Tel Aviv, das weiß auch der Fahrstuhlführer im Bundestag. Und der Erfolg gibt den Profis recht. Hier wie dort.

Die gläserne Kuppel selbst sieht chic aus. Weil Berlin weder mit Gebirgen, Wäldern oder mächtigen Flüssen aufwarten kann, sondern nur mit sich selbst, empfiehlt es sich überdies, bei Nacht die Aussicht von hier oben zu genießen. Die Lichter einer Großstadt sind doch immer wieder ein toller Anblick. Ich griff mir einen Art Walkman, der auf Schritt und Tritt sein Faktenwissen über alles Mögliche kundtat.

Die Kuppel ist nicht geschlossen, verriet er, weswegen bei Regen das Wasser in einen Trichter fällt, der wiederum für die Energiegewinnung im Parlament (mit-)verantwortlich ist. Überhaupt ist der Bundestag der in Stein gemeißelte Beweis dafür, wie sehr die Grüne-Bewegung in Deutschland triumphiert hat. Ob Wind, Regen oder Sonnenschein, nichts bleibt verschont, alles wird in erneuerbare Energie umgewandelt. Als ich dann hinunter in den Plenarsaal blickte, erklärte mir mein Walkman plötzlich, dass es sich hierbei um das Herz der Demokratie handelt. Ich würde zwar sagen, dass der Bürger das Herz der Demokratie ist, aber da kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Kurz darauf brachte mich der SEK-Fahrstuhlführer wieder hinunter. Bevor man den Bundestag aber verlassen kann, verbringt der Ex-Besucher noch ein paar Minuten in einem Zwischenraum. Eine Glastür trennt ihn vom Innenleben und eine Glastür trennt ihn von der Außenwelt. Still geht es zu, in diesen Momenten. Ein Polizist steht ganz vorne und versucht, seine nicht zu imposante Körpergröße durch umso mehr Breitschultrigkeit auszugleichen. Er steht da und schweigt. Auch alle anderen Leute, die hier zwischen die zwei Glastüren geraten sind, schweigen.

Dann öffnete sich der Ausgang. Der Polizist steht auf der obersten Stufe der Treppen zum Reichstag und ich frage ihn, welchen Zweck dieses Warten denn erfüllt. „Für die Sicherheit“, merkt er nicht zu freundlich an. „Ja, und welchen Nutzen hat das? „Das ist der Bundestag, da muss man aufpassen. „Aber warum muss man zwei Minuten in diesem Zwischenraum stehen?“„Das sind Vorschriften für die Sicherheit. “Viel mehr bekam ich von ihm nicht zu hören. Er wusste es nicht besser und schien da auch noch nie drüber nachgedacht zu haben. Eine Vorschrift ist eben eine Vorschrift. Dann musste dieser kritische Geist auch schon wieder die drei Schritte zurück eilen. Der nächste Stoß an Menschen hatte dort mit ihm nun zwei Minuten Lebenszeit zu teilen.

(der Text ist als erstes hier erschienen)

Den Friedensnobelpreis für Google!

April 2, 2010

Google ist nicht bereit, die chinesische Internetzensur zu akzeptieren. Deswegen zieht sich das Unternehmen aus diesem riesigen Markt zurück. Gleichzeitig wird versucht, über Umleitungen den Chinesen den Zugang zum freien Internet zu ermöglichen. Deutsche Firmen sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Es ist gut, dass Google sich für diesen Schritt entschieden hat. Warum auch sollte den Wünschen einer Diktatur entsprochen werden? Die chinesische Regierung, die ein Milliardenvolk unterdrückt, hat kein Recht darauf, den Menschen eine selektiv-paranoide Weltsicht vorzuschreiben.

(von hier)