Depressionen sind Depressionen

Die öffentliche Trauer ist seit Sonntag beendet – als Robert Enke das letzte Mal sein Stadion verlassen hat. Erst jetzt beginnt das, was viele in der vorigen Woche das „Vermächtnis“ von Robert Enke genannt haben: die Aufgabe, im Alltag die Toleranz für Schwächen aufzubringen, die Enke gebraucht hätte.

(zufällig ausgewählt, es gibt viele andere Artikel mit der selben „Moral.“)

Schade, die Leute, die jetzt lautstark fordern, dass über Depressionen endlich gesprochen werden muss, tun gleichzeitig alles, um eben diese Diskussion gegen die Wand zu fahren. Enke ist nicht am Leistungsdruck zerbrochen, auch nicht an unserer angeblichen Ellenbogengesellschaft, auch nicht am Spitzensport und auch an sonst keinen äußeren Umständen. Er ist an einer Krankheit gestorben, die Depression heißt. Depressionen haben ihn umgebracht und sonst nichts. Das ist ja das schreckliche an dieser lebensgefährlichen Krankheit, dass sie so enden kann.

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10 Kommentare - “Depressionen sind Depressionen”

  1. mettskillz Says:

    Stellt sich die Frage, wodurch diese Krankheit ausgelöst wird…

    • webbaer Says:

      Das ist weitgehend unverstanden, Prävention bisher nicht vorhanden.
      Ist vermutlich eine Zivilisationskrankheit, viele Menschen fühlen sich in komplexen Systemen nicht so wohl…
      Was einen depressiv stimmt, LOL, aber so isses halt: Schon die reflexartigen Betrachtungen (Was können wir, also ganz konkret wir, als Menschen, jetzt tun? Was hat die Krankheit ausgelöst?) machen den wenig Hartgesottenen ein wenig depressiv, LOL.

      Eventuell sollte die Gesellschaft das Sanguinikertum fördern, hier gibt es erkennbare Mängel: Die Leute mehr machen lassen, nicht immer „hinterfragen“ und Probleme suchen und (pol. unliebsame Meinungen und deren Träger) ausgrenzen.
      Ist aber nur ein Verdacht.

  2. Roman Says:

    So kann nur jemand schreiben, der nie depressiv war. Aus meiner eigenen leidvollen Erfahrung weiss ich, dass Einsamkeit und negative Lebenserfahrungen eine Depression auslösen oder fördern können.
    Auch der falsche Umgang mit negativen Lebenssituationen kann zu Depressionen führen, daher gibt es ja die Verhaltenstherapie.
    Ein Teil der Veranlagung liegt in den Genen, aber sie muss nicht ausbrechen, wenn die Lebenssituation gut ist.
    Bei Robert Enke war auch der Tod seiner Tochter ein Verstärker seiner Depression und sein Perfektionismus.

  3. Gideon Böss Says:

    @ Roman

    Ja, und weiter? Wenn einen die Einsamkeit depressiv macht, ist man nicht mehr einsam, sondern depressiv. Und von dem Moment an, ist die Situation eine völlig andere. Dann hat man es mit einem schwer kranken Menschen zu tun, dem hoffentlich rechtzeitig geholfen werden kann.

  4. webbaer Says:

    Depressionen sind eine grausame Krankheit, vgl. auch dieses Vid ( http://www.ted.com/talks/stephen_petranek_counts_down_to_armageddon.html ).
    Diese Krankheit ist weit verbreitet, ist dadurch symptomatisch, dass eine biochemisch bedingte Unzufriedenheit gehegt wird, und ist hat nichts – wie der werte Autor ganz richtig anmerkt – mit mangelnder Toleranz anderer oder Leistungsdruck zu tun.
    Es gibt Menschen, die einfach unglücklich sind, sehr oft grundlos. Zivilisation macht halt nicht glücklich.
    MFG, WB

  5. luc Says:

    Zur Ätiologie einer Depression und vieler anderer Psychiatrischen sowie psychosomatischen erkrankungen gehören eindeutig äußere Einflüsse! Hätten Sie besser recherchiert…
    Was soll das gerede über Klimawandel und Umweltschutz? erderwärmung ist eine krankheit. erderwärmung bringt die erde irgendwann um. sonst nichts. (?)
    das entspricht wohl in etwa ihrer logik.

  6. Gideon Böss Says:

    @ luc

    wenn einsamkeit jemanden depressiv macht, ist er nicht mehr einsam, sondern depressiv.

    und ob „das“ meiner logik entspricht, weiß ich nicht, ich habe ihr seltsames beispiel ehrlich gesagt nicht verstanden.

  7. luc Says:

    „Enke ist nicht am Leistungsdruck zerbrochen, auch nicht an unserer angeblichen Ellenbogengesellschaft, auch nicht am Spitzensport und auch an sonst keinen äußeren Umständen. Er ist an einer Krankheit gestorben, die Depression heißt. Depressionen haben ihn umgebracht und sonst nichts. Das ist ja das schreckliche an dieser lebensgefährlichen Krankheit, dass sie so enden kann.“

    dann sehr platt: wenn rauchen bei jemandem lungenkrebs auslöst, stirbt er am krebs. sie sehen hier trotz der eindeutigen ätiologie offenbar keinen bezug mehr zum rauchen, denn dieser patient hatte ja krebs, wozu prävention, wozu gegen das rauchen vorgehen. Viele erkrankungen, auch psychiatrischer art sind mit durch gesellschaftliche probleme bedingten umständen assoziiert (was nun beim rauchenden lungenkrebspatienten nicht beispielhaft zutrifft). warum sind sie dann der meinung, man müsste das problem nicht in seinen wurzeln angehen? natürlich sind psychische erkrankungen multifaktoriell und es gibt auch endogene depressionen. aber dieses ist nun einmal ein wichtiger ansatzpunkt. warum trennen sie das so?

  8. Webbaer Says:

    Das in der Öffentlichkeit oft gepflegte Bild, nämlich dass Depressionen eine entsprechende Ursache, einen nachvollziehbaren Grund in der Realität haben [1], ist nun einmal falsch.

    Solange die Depression nicht wissenschaftlich nachgewiesen auf äussere Einflüsse zurückzuführen ist, man weiss zurzeit zu wenig und Multifaktorialität kann immer behauptet werden, wird dadurch aber nicht besser belegbar, solange weiss man eben nicht viel – ausser, dass ganz sicher (auch) endogene Gründe vorliegen.

    Ihr Beispiel mit dem Lungenkrebs ist insofern gut, als es schlecht ist, und Ihrer Argumentation selbst den Boden entzieht. Denn Rauchen schädigt nachgewiesenermassen u.a. auch die Lunge.

    Und zuletzt: Es ist nicht behauptet worden, dass diese schreckliche Krankheit nicht radikal bekämpft werden soll. [2]

    [1] „Unser System macht krank.“ ist hier die These bestimmter Gruppen.
    [2] „Trennen“ sollte man allgemeiner Überzeugung, was nicht messbar zusammengehört. Selbstverständlich bemüht man sich den Ursachen der Depression nachzuspüren, aber i.p. Prävention geht zurzeit nicht viel.

    PS: Enkes angebliches „Vermächtnis“, das hier mit „die Aufgabe, im Alltag die Toleranz für Schwächen aufzubringen, die Enke gebraucht hätte“ zitiert wird, ist schrecklicher Stuss. Darum ging es offensichtlich bei GBs kleiner Beobachtung.

  9. Gideon Böss Says:

    @ Webbaer

    „PS: Enkes angebliches „Vermächtnis“, das hier mit „die Aufgabe, im Alltag die Toleranz für Schwächen aufzubringen, die Enke gebraucht hätte“ zitiert wird, ist schrecklicher Stuss. Darum ging es offensichtlich bei GBs kleiner Beobachtung.“

    Genau so ist es. Wer Depressionen zu Indikatoren für den Zustand der Gesellschaft machen will, hat keine Ahnung von dieser Krankheit und kann sie demnach auch nicht erfolgreich behandeln. Darauf hinaus läuft aber dieses ganze Gerede mit Leistungsdruck usw…


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