Archiv für November 2009

Selbstbestimmtes Lernen

November 25, 2009

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„Speziesismus Mensch-Tier-Beziehung“, „Strickworkshop“, „Skatturnier.“ Das alternative Veranstaltungsverzeichnis der Universität Potsdam…

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No-Jews-Areas

November 25, 2009

Linke Gruppe machen sich (mal wieder) um den Antisemitismus verdient. Zum Beispiel in Hamburg.

Integration, Islam, Studien und Umfragen

November 22, 2009

In regelmäßigen Abständen werden Umfragen veröffentlicht, die feststellen, wie wohl, unwohl, angenommen oder abgelehnt sich Moslems in Deutschland fühlen. Über die Ergebnisse wird dann in der Öffentlichkeit solange diskutiert, bis die nächste Studie da ist, die interpretiert und gedeutet werden will. Deutschland bekommt dabei immer die Hauptschuld am „Scheitern“ angelastet. Dabei wird fast immer die wichtigste Frage übersehen, nämlich die, ob es objektive Gründe gibt, die speziell die Integration dieser einen Gruppe verhindert. Dazu kann man festhalten: Deutsche Moslems sind keinen Schikanen ausgesetzt, sie genießen Religionsfreiheit, dürfen wählen, sich frei bewegen, ihre Meinung sagen und müssen keine spezielle Kleidung tragen. Sie werden behandelt wie alle anderen auch. Mehr gibt die liberale Demokratie nicht her, der Rest ist, was du draus machst.

Auch wenn man es wegen dieser automatischen Gleichsetzung von Migrant = Moslem schnell vergessen kann, gibt es noch andere Einwanderergruppen, die hier irgendwie ankommen müssen. Ob sie es schaffen, wird kaum thematisiert, das findet außerhalb der interessierten Öffentlichkeit und ohne Studien und Umfragen statt. Vielleicht will man es auch nicht zu genau wissen, denn bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sie es alle schaffen. Was dann zur Frage führt, warum das Integrationsproblem eigentlich Integrationsproblem genannt wird, ganz so, als würde dieses Problem Vietnamesen ebenso betreffen wie Moslems. Was dann wieder die Frage aufwirft, was es für spezielle Gründe gibt, die es ausgerechnet den Moslems so schwer machen, sich zu integrieren. Die Antworten könnten unfreundlich sein und wer will schon so über Minderheiten klartexten? Also bleibt es eben im Vagen.

Doch es wird noch merkwürdiger. Nicht einmal die Behauptung, dass die Moslems es in Deutschland schwerer als andere haben, stimmt ja. Für die Exil-Iraner stimmt das nicht. Für gebildete Türken stimmt das nicht. Man kann sogar sagen, dass es nur für die stimmt, in deren Familien man die Werte des Mittelalters hochhält. Wer aus Prinzip ungebildet bleibt, aggressiv gegen die eigene Familie und nach außen ist, seine Intoleranz und Frauenfeindlichkeit für den Ausdruck einer moralischen Überlegenheit hält, dem verweigert man aus gutem Grund Lehrstelle und Arbeitsplatz.

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Der Kapitalist Karl Marx und der Bildungsstreik

November 19, 2009

Es ist wieder Bildungsstreik. Die Studenten-Demonstrationen zeichnen sich dadurch aus, dass zirka 98 Prozent der Teilnehmer nicht erklären können, welche Änderungen es konkret geben soll. Die Diskussionen, die ich an der Universität noch mitbekommen habe (vor einem halben Jahr), liefen immer so ab, dass die Protestler eine Sammlung an Phrasen in den Raum warfen, die ganz gut und griffig klangen, mehr aber auch nicht. Wer halt nur Parolen wie „Bildung ist keine Ware“ auswendig lernt, aber nicht weiß, was das genau bedeuten soll, steht einfach schlecht da, wenn genauer nachgefragt wird.

Mir waren die seltsamen Gestalten immer unsympathisch, die sich bei solchen Diskussionen zu Wortführern berufen fühlten. Zumal es diesen Studententyp vor allem in zwei Varianten gibt. Da ist zum einen der faule und immer leicht aus der Realität gelehnte Kerl mit langen Haaren, der das alles auch irgendwie nicht okay findet, wie das so abgeht mit Leistungsdruck und so. Durch besondere Lernbereitschaft zeichnet er sich nicht aus und ist schon aus Eigennutz dafür, dass jeder an der Uni in Ruhe gelassen wird. Wenn es nach ihm geht, wird er in den Hörsälen sein Leben verbringen und irgendwann vor der Mensa begraben. Hier ruht in Frieden Malte, er wurde 142 Semster alt.

Der sozialistisch zugedröhnte Student ist die andere, nervigere Variante. Er wirft mit Marx-Zitaten um sich und fragt pathologisch, ob unsere Gesellschaft wirklich besser als dies und das ist. So von wegen Ausbeutung und Kapital. Natürlich ist sie es nicht, stellt er immer wieder fest. Wenn man mehr als nur ein Seminar mit einem solchen Gesellschaftskritiker besuchen muss, stellt man fest, dass seine gesammelten Marx-Weisheiten ziemlich überschaubar sind. Drei, vier Sprüche sind es, mehr nicht. Der Leistungs- und Verwertungsdruck der Gesellschaft verhindert offenbar, dass man sich mit Marx gründlicher als auf dem Niveau von Kalendersprüchen beschäftigt.

Kein Wunder, dass man solche Studenten leicht in Verlegenheit bringen kann. Ich erklärte in Diskussionen immer, dass mir Karl Marx deswegen suspekt ist, weil er ein Globalisierungsfanatiker war, der die Zerstörung nationaler Industrien forderte (was er tat). Ein Kapitalist der heuschreckenhaftesten Art. Nie erhielt ich darauf eine konkrete Antwort, die meine Kritik entkräftet hätte. Stattdessen wurde mit anderen Beispielen aus seinem Werk gekontert, die seinen „Anhängern“ besser gefielen. Aber so ist es eben mit Religionen, jeder streicht sich die Stellen der heiligen Schriften an, die ihn besonders ansprechen.

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Depressionen sind Depressionen

November 16, 2009

Die öffentliche Trauer ist seit Sonntag beendet – als Robert Enke das letzte Mal sein Stadion verlassen hat. Erst jetzt beginnt das, was viele in der vorigen Woche das „Vermächtnis“ von Robert Enke genannt haben: die Aufgabe, im Alltag die Toleranz für Schwächen aufzubringen, die Enke gebraucht hätte.

(zufällig ausgewählt, es gibt viele andere Artikel mit der selben „Moral.“)

Schade, die Leute, die jetzt lautstark fordern, dass über Depressionen endlich gesprochen werden muss, tun gleichzeitig alles, um eben diese Diskussion gegen die Wand zu fahren. Enke ist nicht am Leistungsdruck zerbrochen, auch nicht an unserer angeblichen Ellenbogengesellschaft, auch nicht am Spitzensport und auch an sonst keinen äußeren Umständen. Er ist an einer Krankheit gestorben, die Depression heißt. Depressionen haben ihn umgebracht und sonst nichts. Das ist ja das schreckliche an dieser lebensgefährlichen Krankheit, dass sie so enden kann.

Zwei Artikel aus einer Woche

November 8, 2009

Hier habe ich etwas über eine Lesung geschrieben, die einfach ekelhaft war und hier etwas über Greenpeace, einen Verein, den ich nicht sonderlich toll finde…

Ein Stasicamp für Brandenburg

November 3, 2009

Irgendwie ist es peinlich. Berlin gilt weltweit als Symbol für Freiheit und den erfolgreichen Kampf gegen die Unterdrückung. Alle kennen die Sätze „Ich bin ein Berliner“ und „Mr. Gorbatschow, open this gate! Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“ Die Bilder der fallenden Mauer gingen um die Welt, ebenso die der jubelnden Menschen. Feuerwerk und Fahnenmeer. Ein deutsches Herbstmärchen. Die verhasste SED, die so viel Terror über die Ostdeutschen brachte, lag am Boden. Die Freiheit hatte triumphiert.

Und jetzt, 20 Jahre später treffen Bush, Gorbatschow und Kohl wieder zusammen. Treten gemeinsam in Berlin auf. Was für eine Stadt ist es heute? Die SED regiert jetzt in beiden Teilen, sie bekommt bei den Bundestagswahlen in manchen Bezirken über 20 Prozent der Stimmen. Das ist es, was peinlich ist. Eine Stadt, in der die umbenannte SED immer noch ein hohes Ansehen genießt, taugt nicht zum Symbol für Freiheit, sie hat ein Problem mit der Freiheit. Die Entnazifizierung hat gut geklappt, die NSDAP hat sich nicht unter dem Namen „Die Rechte“ in die liberale Demokratie gerettet und selbst wenn sie es getan hätte, würde sie bei den Wahlen irgendwo zwischen der Partei für spirituelle Politik und der MLPD landen. Ähnliches hat sich in Bezug auf die DDR nicht wiederholt. Zum einen hätte die Trennung von einer menschenverachtenden Ideologie in diesem Fall freiwillig passieren müssen, denn niemand zwang die Mitläufer und Täter des Arbeiter-und-Bauern-Staates dazu, sich anzusehen, was sie für Verbrechen begangen haben.

Zum anderen bestand im Westen kein Interesse daran, eben diese Verbrechen zu thematisieren. Große Gerichtsprozesse blieben aus und wer heute die traurige Wahrheit ausspricht, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, begeht selbst ein Unrecht, nämlich gegenüber der mysteriösen DDR-Biografie von Millionen Deutschen.

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