Meine Meinung zu ‚Brüno‘

Nicht einmal Brüno kann dem Nahen-Osten Frieden bringen. Dabei hat er sogar ein Lied gesungen und darin die Eintracht zwischen Juden und Hindus beschworen. Später legt er sich dann ein schwarzes Baby zu und tingelt damit durch Talkshows. Außerdem zieht er mit Jägern umher. Er spricht auch mit Pfarrern, die Schwule heilen. Einmal ist er in der Kaserne, dann auf einer Swinger-Party. Er rennt durch Jerusalem und fährt in Amerika Moped. Gesungen wird auch. Und Sex gehabt, mit einem Verstorbenen. Es gibt Castings und einmal spricht er mit Paula Abdul.

Brüno macht ziemlich viel in den nicht einmal 90 Minuten, die seine Dokumentation dauert. Und es ist unterhaltsam und witzig und leider weit von der Genialität Borats entfernt. Während Borat sich noch darauf verlassen konnte, dass seine Gesprächspartner ihm Respekt zollen, da er eben aus einer anderen Kultur kommt und man ja nicht werten will, ist Brüno einfach nur ein Freak, der sofort als Freak erkennbar ist und dann eben auch als Freak behandelt wird. Hinzu kommt noch, dass Borat zu normalen Leuten gegangen ist, während Brüno zu den Borats der Gesellschaft geht. Und dass ein Borat absurde Meinungen hat, weiß man schon, bevor er den Mund aufmacht.

Natürlich ist immer wieder erstaunlich, mit welcher dummen Ignoranz sich Leute hinstellen und Schwule “bekehren“ wollen, aber es ist nicht überraschend, dass sie es wollen, denn das ist ihr Job als Schwulenbekehrer. Und wenn man zu ihnen geht, werden sie über ihren Job sprechen. Auch bei vielen anderen Personen aus dem Film ist es eben so, dass sie primitiv oder dumm sind. Aber dass es viele dumme Leute im Showgeschäft gibt, ist eigentlich kein Geheimnis. In dem Sinne war Borat wesentlich unterhaltsamer, weil überraschender, Brüno überrascht nicht, sondern macht in einem erwartbaren Rahmen witzige Dinge. Und das ist auch sehr kurzweilig und an vielen Stellen großartige Unterhaltung, aber es werden eben die Grenzen des bekannten Humors nicht überschritten und neu festgelegt.

Das war bei Borat anders, da hatte man das Gefühl, dass es eine solche Mischung noch nie gab. Die gibt es aber heute und Brüno hat elegant und mit vielen gelungen Witzen die Messlatte gerissen, die Borat gelegt hat. Das ist nicht schlimm, denn der Film ist absolut sehenswert, aber man sollte es halt wissen.

(der Artikel steht auch hier)

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4 Kommentare - “Meine Meinung zu ‚Brüno‘”


  1. „he is the george clooney of middle earth“

  2. Abu Zibby Says:

    80 Minuten Brüno ist schon etwas viel, das hat als Sidekick bei Ali G besser funktioniert. Funktioniert auf DVD besser als auf der Leinwand. Und es gibt noch eine Meta-Ebene, die ziemlich witzig ist: Deutsche Reporter im Ausland. Das ist hin und wieder genauso ‚arschwitziges‘ Herrenmenschengehabe wie bei Brüno. Muss man mal gesehen haben.

  3. Adrian Says:

    Den Anspruchslosen und Unkritischen gefällt der Film bestimmt ganz gut. Ähem…

  4. George Says:

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich auf „idiotischen“ und primitiven Humor abfahre… Doch Brüno finde ich einfach nur abartig. Ich hatte mich auf etwas Borat-Ähnliches eingestellt am Anfang des Filmes, doch das einzige was die ganze Zeit gezeigt wurde waren Geschlechtsteile oder Sex-Orgien. Mich stöhren solche Szenen eigentlich nicht, doch ich finde es völlig übertrieben an der Anzahl in Brüno. Ich empfehle den Film nicht weiter, da ich finde dass es zu viele „Augenzumach“-Szenen als Lacher gibt.


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