Die schönsten Sagen des klassischen Altertums II

So, ein weiterer Teil meiner Zusammenfassung der schönsten Sagen des klassischen Altertums. Es ist jetzt sehr viel auf sehr wenigen Seiten passiert. Was genau?

Da ist zuerst einmal der Sohn des Sonnengottes Helios, der zum Lenken des Sonnenwagens völlig untalentiert ist und darum die Erde in Brand setzt. Direkt danach verliebt sich Zeus in die Jungfrau Europa und weil seine Gattin (und Schwester) Hera da natürlich eifersüchtig ist, denkt er sich eine List aus. Verwandelt in einen Ochsen schwimmt er mit der Frau durch das Meer, wobei der Menschenräuber zumindest noch Gentleman genug ist, dass er „so geschickt die Wellen“ durchschnitt, „daß kein Tropfen seine geliebte Braut benetzte“. Nachdem Zeus die völlig verängstigte Frau entjungfert hat, haut er ab und lässt sie alleine in der Fremde zurück. Nachdem ihr dann von einer Göttin verkündet wird, wer ihr Liebhaber war und dass nach ihr der Kontinent benannt wird, auf den sie verschleppt wurde, überlässt man sie offenbar ihrem Schicksal.

Anstatt zu erfahren, was aus der armen Europa wird, geht es mit Perseus weiter, der in einen Kasten gesteckt und zu Wasser gelassen wird, damit er vom König nicht ermordet wird. Als er in dem Alter ist, in dem antike Griechen besonders gerne Monster töten, geht er hin und tötet die Medusa. Aus deren Rumpf entspringen dann noch rasch ein geflügeltes Pferd, der Pegasus, und der Riese Chrysaor. Dann fliegt Perseus (er kann dank einem Hilfsmittel fliegen) umher und entdeckt eine Jungfrau, die Andromeda, an eine Meeresklippe gekettet. Während das Seeungeheuer schon aus den Fluten hinaufspringt, um sie zu verspeisen, macht der kluge Mann den Eltern der Jungfrau ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Wobei er trotz des Zeitdrucks noch so locker bleibt, sich in aller Ausführlichkeit vorzustellen. „Ich bin Perseus, der Sprößling des Zeus und der Danae. Ich habe die Gorgone besiegt, wunderbare Flügel tragen mich durch die Luft. Selbst wenn die Jungfrau frei wäre und zu wählen hätte, wär ich kein verächtlicher Eidam! Jetzt werb ich um sie mit der Erbieten, sie zu retten. Nehmt ihr meine Bedingung an?“ Die Eltern – ein Königspaar – hat ihn nicht nur nicht unterbrochen, sondern wirft ihm als Mitgift noch ihr gesamtes Reich nach. Er töten dann also das Ungeheur und mit dem Kopf der Medusa verwandelt er noch diverse Leute in Stein, richtet noch ein gewaltiges Blutbad an, lebte aber alles in allem sehr glücklich mit seiner neuen Frau zusammen.

Über Ikarus muss man nicht viele Worte verlieren. Jeder weiß, dass er zu nah an die Sonne flog und darum das Wachs seines Fluggeräts schmolz und er in den Tod stürzte. Sehr tragisch ist das vor allem für seinen Vater Dädalus gewesen, einen genialen Erfinder, der seinen Sohn mit den Flügeln versorgt hatte. Wobei der wiederum auch schon einmal einen besonders talentierten Schüler umbrachte aus Angst, dass der ihm seinen Ruhm streitig macht. Er erholte sich vom Unfalltod seines Sohnes nicht mehr und lebte als gebrochener Mann in Sizilien.

Unter die Kategorie, selber schuld, fällt hingegen das Schicksal des Tantalus. Er wurde von den Göttern geliebt wie kein anderer Mensch (wobei ich den Verdacht habe, dass ich das schon über andere Menschen zuvor gelesen habe…) und trotzdem kam er auf die Idee, die Götter zu beklauen. Es mag zwar für den Normalsterblichen eher lächerlich klingen, dass er am Ende für das verbergen eines goldenen Hundes bestraft wurde, aber in Anbetracht der Härte der Strafe gerät das in den Hintergrund. Er muss in der Hölle in einem Teich stehen, in dem das Wasser versickert, wenn er sich durstig hinunter beugt und auch die Äpfel und Birnen, die an Ästen über ihm hängen, ziehen sich zurück, sobald er nach ihnen greift. Außerdem soll er noch dazu durch besondere Todesangst gefoltert werden, ausgelöst durch einen Felsen, der immerzu auf ihn herabstürzen könnte. Vermutlich wäre Tantalus froh, wenn der Felsen seinen Leiden ein Ende setzt. Und alles wegen einem lächerlichen goldenen Hund…

Das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Tantalus und Peleops darf als sehr schwierig bezeichnet werden, anders ist folgende Formulierung nicht zu verstehen. „So schwer Tantalus sich an den Göttern versündigt hatte, so frommt ehrte sie Peleops, sein Sohn.“ Er gewinnt in einem manipulierten Wettkampf gegen einen alternden König (die Götter machen den Pferdegespann des Alten in voller Fahrt kaputt). Danach setzen sie auch überflüssigerweise dessen Palast in Brand und Peleops holt sich die Tochter des Königs, der den Unfall nicht überlebt hat.

Besonders brutal ist die Geschichte der Niobe. Sie hat vierzehn Kinder, je sieben Jungs und sieben Mädchen und neigt dazu, sich über die geringere Kinderzahl anderer lustig zu machen. Ihr neustes Spottobjekt ist Leto, die zufällig mit dem notorischen Fremdgeher Zeus (gerade noch mit Europa zugange) zwei Kinder zeugte. Die heißen Artemis und Apollon und weil die beiden sehen, wie sehr das Gerede der Niobe ihre Mutter verletzt, entschließen sie sich, einfach mal alle vierzehn Kinder zu ermorden.

Ja, und dann gibt es da natürlich noch Sisyphus, der wegen seiner Überheblichkeit von den Göttern in die Hölle verbannt wurde, wo er – wie bekannt – einen Stein immerzu auf den Gipfel rollen muss, nur damit der ihm kurz vor dem Ziel entgleitet und zurück ins Tal stürzt. Ob der ebenfalls verfluchte Tantalus seinen Leidensgenossen aus dem Teich heraus sehen kann, wie er immer wieder den Berg hinaufkeucht, ist nicht bekannt, auch nicht, ob Sisyphus Strafe ebenfalls im Zusammenhang mit einem goldenen Hund steht.

Zumindest hatte sein Sohn mehr Glück. Er bekam von den Göttern das Flügelroß Pegasus, bestand einige Abenteuer und fand eine wunderbare Frau. Scheinbar grundlos reißt aber im Alter die Glückssträhne. Sein Sohn fiel in einem Krieg und die Tochter – wie so viele andere von Zeus geschwängert und dadurch Mutter des Helden Sarpedon – wurde von Artemis erschossen. Also von der, die kurz zuvor mit ihrem Bruder zusammen das Blutbad unter den Kindern der Niobe anrichtete. Die Niobe (um das nachzutragen) verwandelte sich nach dieser Tragödie, in deren Verlauf sich auch ihr Mann das Leben nahm, übrigens in eine Statue aus Stein. „Nichts lebte an Niobe als die Tränen, die ihr unaufhörlich aus den Augen rannen.“ Und die tröstliche Moral dieses Massakers lautet:

Furchtbar ist die Rache der Götter, ihr Menschen!

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3 Kommentare - “Die schönsten Sagen des klassischen Altertums II”

  1. zeus Says:

    Zeus würde sich niemals in einen Ochsen verwandeln.

  2. Gideon Böss Says:

    @ zeus

    Tut mir Leid, Zeus, ich wollte Dich nicht kränken. Ochsen sind natürlich unter Deinem Niveau. Vielleicht besänftigt Dich, was das Buch über Dich sagt:

    „Er verwandelte sich und wurde ein Stier. Aber was für ein Stier! Nicht, wie er auf gemeiner Wiese geht oder, unters Joch gebeugt, den schwer beladenen Wagen zieht – nein, groß, herrlich von Gestalt, mit schwellenden Muskeln am Halse und vollen Wampen am Bug.““

  3. Haiko Says:

    Zeus ist auch gerne mal ein Schwan, wenn ich mich recht entsinne!


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