Erziehungswissenschaften und Schäferhunde

Eben in der S-Bahn. Ein Baby schreit herum, es nervt. Die Mutter beugt sich über den Kinderwagen und streichelt dem Jungen über den Kopf. Sie spricht beruhigend auf ihn ein. Er schreit weiter, noch lauter als zuvor. Eine ältere Dame kommt dazu, sie greift nach dem Schnuller, der auf den Boden gefallen war und reicht ihn dem Kind. Sofort wird der Schnuller wieder auf den Boden geworfen. Das Geschrei lässt nicht nach. Die Mutter streichelt, die ältere Dame blickt etwas verzweifelt in den Wagen und auch ein junger Vater kommt hinzu. Er versucht es mit Diskussionen. Das Kind ernst nehmen. „Was ist denn, Kleiner?“, will er wissen. Schreien! „Hast du Hunger? Du hast bestimmt Hunger.“ Schreien! „Was ist das denn?“ (er zeigt auf ein Spielzeugauto). Schreien!

Eingerahmt wird das ganze durch mehrere andere Fahrgäste, die immer ein freundliches Gesicht zeigen, wenn das brüllende Kind in ihre Richtung blickt. Verständnis für das Kind überall, aber leider auch überall sein Geschrei. Niemand kann es beruhigen, doch dann wird es einem Schäferhund zu viel. Er bellte. Nur einmal, laut und aggressiv. Das Kind schweigt und hörte damit auch nicht wieder auf…Jetzt frage ich mich: Muss die Erziehungswissenschaft daraus irgendwelche Lehren ziehen?

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7 Kommentare - “Erziehungswissenschaften und Schäferhunde”

  1. emma Says:

    „Er bellte. Nur einmal, laut und aggressiv. Das Kind schweigt und hörte damit auch nicht wieder auf…Jetzt frage ich mich: Muss die Erziehungswissenschaft daraus irgendwelche Lehren ziehen?“

    hmm, da müssen wohl mehr schäferhunde in s- und u-bahnen präsent und kläffbereit sein…vielleicht kann man die hunde dazu noch schön bunt und fleckig bemalen, und sie zudem pädagogoisch schulen, damit sie sozusagen einfühlsam bellen.
    ob es dann noch wirkung zeigt, das müsste man empirisch mal- in auftrag an eine erzeihungswissenschaftlichen fakultät- untersuchen.

    du scheinst „der“ erziehungswissenschaft ganz schön viel zuzutrauen.

  2. Gideon Böss Says:

    Aber es war doch gerade das nicht-einfühlsame Bellen, das so erfolgreich war.

    Und nein, ich fürchte, von den Erziehungswissenschaftlern sollte man nicht sonderlich viel erwarten. Die Täterliebe dieser Leute ist abstoßend.

    • El Hamster Says:

      Wäre die „Täterliebe“, also die (verfehlte) Einordnung in gesellschaftliche Kategorien (die gerne zitierte „Repression“ der Gesellschaft bspw.), nicht da, sondern individuelles Fehlverhalten, dann würden die SozPäds masiv an Einfluss verlieren, die SozPäds behaupten also Unwahres um ihr Gebiet zu schützen.

  3. heplev Says:

    Meine Oma erzählte immer mal aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltrkiegs. Mein Onkel – damals 3 oder 4 – nörgelte und giftete auf einer Zugfahrt vor sich hin. Oma stieß den Nachbarn an und flüsterte ihm zu: „Schimpfen Sie doch mal.“ Der machte das auch – und schon lief die Reise viel entspannter ab, weil der Junge sich zusammenriss.
    Sollen wir so etwas jetzt als „unpädagogisch“ bezeichnen?


  4. […] – erfolgreich mit „unpädagogischen“ Mitteln. Oh, was würden die Experten giften, wenn das nicht der Hund gewesen […]

  5. Pio Says:

    Ehrlich gesagt finde ich eher erstaunlich das die Leute überhaupt Verständnis haben. Im Kinderhasserland Deutschland ist das schon eine Seltenheit.
    btw, ein Baby schreit auch weiter wenn man es anschimpft(oder bellt), bei Kleinkindern kann das anderes sein.

    • skydumont Says:

      Das „Kinderhasserland“ besteht primär darin keine zu bekommen.
      Ruppig angefasst wurden Kinder seit eh und je, die Kinderliebe ist zB eine zivilisatorische Errungenschaft.
      Insofern ist möglicherweise gerade das „übertolerante“ Verhalten – wie Gideon auch ausführt – eine negative Merkmalsausprägung.


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