Ulm

Erneut verbringe ich ein Wochenende in Ulm. Ulm ist seltsam. Wenn die Menschen hier sprechen, klingt das, als ob jemand mit einem Maschinengewehr um sich ballert. Es klingt hart und unangenehm. Zum Glück sprechen sie nicht so viel. Es sei denn, sie sind auf dem Sportgelände des SSV Ulm, aber da sind sie besoffen und das Gebrüll von Besoffenen ist über alle Mentalitätsgrenzen hinweg gleich abstoßend. Da sind sie dann sogar für Besucher von normalen Menschen nicht zu unterscheiden. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle schreiben, dass sie zwar mürrisch wirken, aber eigentlich harmlos sind, doch da hatte ich die Straße noch nicht überquert, auf deren anderen Seite ein Mann (so zirka vierzig Jahre alt) mit seinem Fahrrad auf mich zu kam. Er klingelte und blickte mich mit irritierend wirren Augen an. „Ich kenn dich. Woher kenn ich dich?“

„Ich kenn dich nicht.“

„Nimmst du Drogen?“

„Nein.“

Plötzlich wurde er sehr zornig und beschimpfte mich offenbar (ich verstehe diesen Dialekt hier nicht sehr gut), während er wieder in die Pedalen trat und die Straße hinunter rollte.

Ja, und eben besuchte ich das Ulmer Münster und weil da gerade ein Gottesdienst lief, habe ich mich ein paar Minuten dazu gesetzt (immerhin war ich auch auf der Trauerfeier für den Papst Johannes Paul II damals im Mainzer Dom!). Als ich das Gotteshaus wieder verließ, fiel mir im Eingangsbereich eine Gedenktafel auf. Die Ulmer Division gedenkt auf dieser den Gefallenen zwischen 1939 – 1945. Die Opfer der Nazis haben keine Tafel bekommen. Jeder hat halt seine Prioritäten.

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