Archiv für Mai 2009

Unter Studenten…der Geschlechterforschung (Erinnerungen an mein Studium I*)

Mai 29, 2009

„Wir werden in diesem Semester über gesellschaftliche Geschlechterrollen und hegemoniale Diskurskonjunkturen sprechen“, erklärt die Dozentin. Dann setzt sie sich nicht etwa auf einen Stuhl, sondern auf den Tisch. Eine ganz moderne Frau. So beginnt meine Vorlesung zum Thema Gender Studies bzw. Geschlechterforschung. Der Saal ist überfüllt, aber nicht etwa, weil die Dozentin (nennen wir sie Frau Müller) den Ruf hat, besonders unterhaltsam zu sein, sondern weil es Pflichtveranstaltungen gibt, die man besuchen muss, wenn man die Universität als Soziologe verlassen will.

Weil der Kurs von den Erziehungswissenschaftlern angeboten wird, habe ich Exotenstatus. Zirka 90% der Anwesenden sind Frauen. „Warum heißt es ‚das‘ Mädchen?“, wirft die Dozentin eine Frage in die überfüllte Runde. Keine Antwort. „Weil es sich dabei um die Reduzierung des Mädchens zu einem Gebrauchsgegenstand handelt, der männlichen Machtansprüchen zu genügen hat“, löst sie selber auf. Wieder keine Reaktion. Das muss erst einmal verarbeitet werden. Mehrere Frauen nicken nachdenklich. So haben sie das bislang noch nicht gesehen. Damit ist der Ton für die kommenden Sitzungen vorgegeben. Das ist also Geschlechterforschung.

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Patrioten, es gibt sie doch noch!

Mai 28, 2009

Und ich hatte schon gedacht, dass ich der Einzige bin, der sich über 60 Jahre Demokratie, Frieden und Freiheit freut…aber jetzt weiß ich, dass ich einfach nur zur falschen Zeit Bahn fahre.

Deutsches Kino – US-Kino (Unterschiede)

Mai 28, 2009

Kann es sein, dass sich deutsche und amerikanische Filme vor allem dadurch unterscheiden, dass die Deutschen es lieben, (soziale) Abstürze zu inszenieren, während die Amerikaner den genau umgekehrten Weg einschlagen und (soziale) Aufstiege favorisieren? In deutschen Filmen zerbrechen ja immer die Lebensträume oder jemand hat Krebs, während in amerikanischen Filmen ein Underdog endlich seinen Traum erfüllen kann und sogar die schönste Frau für sich gewinnt.

Amnesty und die Stasi

Mai 28, 2009

Amnesty International weiß: Nicht Diktaturen und religiöser Wahn gefährden die Menschenrechte, sondern der Kapitalismus (bzw. seine Krise).

Stasi-Spitzel wussten, dass ein Leben im Westen einfach schöner ist.

Frühling für Hitler im Berliner Admiralspalast

Mai 25, 2009

Kann man, darf man, muss man, soll man? Es gibt nicht viele Nazitraditionen, die die Deutschen noch in Ehren halten. Dass man über Hitler nicht lachen darf, ist eine davon. Wobei es da jetzt erste Risse gibt. Noch vor zwei Jahren lieferte Dani Levy eine pädagogisch-peinliche Komödie ab, in der jeder Witz durch ein Netz aus Erklärungen und Klarstellungen abgesichert war. Nicht dass da jemand am Ende noch was falsch versteht. Nach dem Abspann folgte auch noch eine Interviewreihe, in der junge Leute über das Dritte Reich befragt wurden. Dramatische Wissenslücken taten sich auf und so ging man nachdenklich aus dem Kino nach Hause. So sind sie, die deutschen Nazikomödien, sie bringen einen zum Grübeln, nicht zum Lachen.

Zum Glück gibt es aber Mel Brooks, der vor vielen Jahrzehnten schon eine Musical-Parodie auf Hitler, die Nazis, Deutschland und den Broadway schrieb. Es wurde das erfolgreichste Musical aller Zeiten und läuft jetzt (nach einer eher mauen Warmlaufphase in Wien) im Berliner Admiralspalast . Zwei Broadway-Produzenten versuchen den ultimativen Flop zu landen, weil sie bemerkt haben, dass man so richtig reich werden kann. Sie machen sich auf die Suche nach dem schlechtesten Drehbuch, dem schlechtesten Regisseur und den schlechtesten Schauspielern.

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60 Jahre BRD und 5 Jahre Blue Man Group

Mai 23, 2009

Bundesrepublik-Fanmeile vor dem Brandenburger Tor. Nach dem Besuch der Blue Man Group (nicht so gut wie erhofft, eigentlich sogar ziemlich langweilig), ging es noch kurz zum runden Geburtstag der BRD. Auf der Straße des 17.Juni stellten sich in Zelten die Ministerien vor. Deutschland dürfte weltweit das einzige Land sein, in dem eine solche Feier praktisch ohne Nationalfahnen und -symbolen auskommt. Man musste schon sehr lange suchen, ehe man auf schwarz-rot-gold traf…Und dann gab es da noch ein unerwartetes, aber sehr nettes Treffen. Ich lief zum Israel-Stand und während ich mir einen Einkaufswagenschip griff, sprach mich die eine Hälfte des großen Spirit of Entebbe-Gespanns an. Ja, die Welt ist klein und weil im Hintergrund Otto seine Witze erzählte, dauerte mein Geburtstagsbesuch nicht zu lange.

Roger Willemsen ist Germanys Next Topmodel

Mai 22, 2009

Verständlich ist es allemal, dass Roger Willemsen sich über Heidi Klum auslässt. Sie hat ja was ihm fehlt, nämlich eine erfolgreiche Show. Außerdem wissen die Zuschauer etwas mit ihrem Namen anzufangen, was auf R.W. ebenfalls nicht zutrifft. Der zieht dafür aber mit dem alten SPD-Funktionär Dieter Hildebrandt (Minister für sozialliberales Schmunzeln und Schenkelklopfen) durch die Gegend und ist dabei so witzig, wie es ein germanischer Denker eben ist. Also gar nicht.

Was ihm an Lockerheit fehlt, meint er durch oberlehrerhaftes Auftreten ausgleichen zu können, durch komplexe Wortkonstruktionen und den formvollendeten Gebrauch der deutschen Grammatik. Heidi Klum hingegen genügt der Wortschatz der ersten Lesefibel (Tine mag Toni, Toni mag Tine)  und ist trotzdem beliebter als er. Bei so viel Ungerechtigkeit wird dann natürlich auch ein ewiger Klassensprecher irgendwann mal wütend und holt (verbal) seinen verpassten Amoklauf nach. Sechs Sorten Scheiße will er deswegen aus der Moderatorin herausprügeln. Man merkt, der Mann versteht es, mit der Sprache umzugehen, deswegen erhält er ja auch einen Sprachpreis .

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