Wladimir Putin und die Berliner Gaswerke

Berlin soll von einer Freundlichkeitsoffensive heimgesucht werden. Die Hauptstadt ist zu schroff, mindestens im Vergleich zu anderen Großstädten. Deswegen laufen jetzt speziell markierte Polizisten, Straßenreiniger und S- bzw. U-Bahnmitarbeiter herum, die sich zur Freundlichkeit verpflichtet haben.

Dass dieses Projekt zum Scheitern verurteilt ist, merkt man daran, dass die falschen an ihm teilnehmen. Die Mutter aller Unfreundlichkeit liegt nämlich woanders, wie ich gerade entdeckt habe. Nämlich bei dem Gaslieferanten GASAG. Vor einigen Tagen rief ich wegen einer Frage zu meinem Vertrag dort an. Eine Frauenstimme, die zum Leiten eines Gefängnis qualifiziert, blafft in den Hörer.

„Ja?“

Etwas irritiert über die eigenwillige Begrüßung, brauchte ich ein paar Sekunden, um meine Gedanken zu ordnen.

„Was?“, grunzt es wieder aus dem Hörer.

„Also es geht um meine Nachzahlungen, ich wollte mal fragen, ob ich die in Raten zahlen kann.“ Anstatt auf meine Frage zu antworten, erklärt sie:

„Wenn sie die Nachzahlung bislang nicht gezahlt haben, müsste eigentlich bald jemand vor ihrer Tür stehen und das Gas abdrehen.“

Während ich mich noch frage, ob diese sympathische Schreifrau sich einbildet, Putin zu sein und mich dabei in der Rolle der Ukraine sieht, setzt sie nach.

„Da müssen sie jetzt sofort in unsere Geschäftsstelle kommen.“

Weil die Ukraine weiß, zu welchen Sanktionen ein lupenreiner Demokrat fähig ist, signalisiere ich Kooperationsbereitschaft.

„Okay, heute ist Samstag, also dann komme ich direkt am Sonntag vor…“

„Sonntag is nicht!“, schreit sie durch den Hörer.

Ich mache die Putine darauf aufmerksam, dass sie mich vielleicht nicht anschreien sollte. Sie schreit mich an: „Ich schreie sie gar nicht an, ich habe ihnen gerade nur diese Information gegeben. Sonntags werde solche Fragen im Kundenzentrum nicht bearbeitet.“

„Ja, aber das geht vielleicht auch in einem andere To…“

Putine legt auf! Grußlos, einfach so. Jetzt wird sie sicher an Schröder den Auftrag vergeben, bei mir das Gas abzustellen, fürchte ich. Doch auch wenn ich nun bald sehr frieren werde, möchte ich doch wissen, mit welcher charmanten Dame ich da eigentlich gesprochen hatte.

Ich tippe wieder die Servicenummer.

(hier geht es weiter)

Advertisements
Explore posts in the same categories: Nicht kategorisiert

3 Kommentare - “Wladimir Putin und die Berliner Gaswerke”

  1. heplev Says:

    Würde ja gerne „(hier geht es weiter)“ nutzen, aber WELT debatte verlangt auf einmal einen Benutzernamen und ein Passwort.
    Da läuft was schief, das sicherlich repariert wird – irgendwann. Bis dahin wäre es nett, wenn man nicht auf den Umweg angewiesen wäre.

  2. Gideon Böss Says:

    @ heplev

    Danke, ist korrigiert.

  3. Sky Says:

    Wieder schön geschrieben.
    Was mir noch auffällt ist die neue Fresse bei der WELT.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: