Archiv für Februar 2009

Batman ist Jude

Februar 27, 2009

Der Blogger hat seine Heimat verlassen, um im fernen Frankfurt eine Ausstellung zu besuchen. Gemeinsam mit dem Comicexperten Haiko Hörnig (der 2007 schon vorhersagte, dass Captain America nicht für immer von uns gegangen ist) ging es in das Jüdische Museum Frankfurt. „Superman und Golem – Der Comic als Medium jüdischer Erinnerung.“ Eine Sonderausstellung, die zuvor schon in Paris und Amsterdam zu sehen war und nun bis zum 22 März am Main.

Wie es für alle jüdischen Einrichtungen Standard ist, wird man auch in diesem Museum von Sicherheitsangestellten begrüßt. Handy und Gürtel bitte in den Korb legen und einmal durch den Metalldetektor. Ermäßigt kostet die Ausstellung 2 Euro, sonst 3. Direkt das erste Plakat gibt die Zielsetzung vor. Es soll die Leistung jüdischer Comiczeichner und -texter gewürdigt werden. Im Begleittext heißt es: „Auch in den bunten Bildern mit den Sprechblasen finden sich zahlreiche Bezüge zu jüdischen Themen: Superhelden und ihre jüdischen „Väter“, witzige, skurrile und tragische Geschichten, jüdischer Alltag und die Schatten des Holocaust.“Im ersten Raum geht es um erste Comicstrips, die seit den 1910ern in Zeitungen erschienen. Mehrere wurden auf einen kleinen Bildschirm projiziert. Witzig waren sie nicht, nicht einmal die witzigen. Im nächsten Raum wird behauptet, dass erst durch den Holocaust jüdische Themen den Weg ins Comic gefunden hätte. So sei einer der Fantastischen Vier jüdischer Abstammung. Ob das aber wirklich eine Reaktion auf den Nationalsozialismus war oder einfach Zufall, weil der Erfinder dieser Superhelden Jude ist, bleibt offen. Da wäre ein O-Ton nicht schlecht gewesen. Nur bei einer bekannten Comicfigur besteht ein direkter Zusammenhang mit der Verfolgung durch die Nazis. Magneto, ein Mutant aus X-Men, ist Holocaustüberlebender.

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Rückblick auf die Oscars09

Februar 26, 2009

Die Oscars09 sind vergeben. Mir hat nicht gefallen, dass dieser Bombay-Film so viele Preise bekommen hat. Überhaupt gewinnen immer mehr gesellschaftskritische und politische Stoffe, während die fantasievollen Werke eher an Boden verlieren. Dabei interessieren mich Geschichten, wie die des immer jünger werdenden Brad Pitt mehr, als die Milieubeschreibung eines Slums. Was daran liegt, dass ich im Kino staunen will und unterhalten werden möchte.

Aber es ist eigentlich auch egal, ob nun Slumdog Millionär oder Der seltsame Fall des Benjamin Button gewinnt, denn der beste Film des letzten Jahres wurde sträflich vernachlässigt. Dark Knight hätte in der Kategorie ‚bester Film‘ gewinnen müssen (und war nicht einmal nominiert). Wer noch weiter ernst genommen werden will, muss spätestens nach diesem Meisterwerk zu Kenntnis nehmen, dass Comics hohe Kunst sein können. Dark Knight gelang es spielend, zwei Dinge zu verbinden, die man in Deutschland für unvereinbar hält. Einerseits zu unterhalten und andererseits dennoch tiefsinnig zu sein (Tiefsinn der nicht unterhält, ist zumeist langweilig und Made in Germany). Dass es im Kampf gegen einen unberechenbaren Feind unmöglich ist, immer ‚gut‘ zu bleiben und wie schnell man in Situationen gerät, die die eigene moralische Legitimität zerstören, wird in diesem Film eindrucksvoller dargestellt, als in so manchem wortreichen Essay zu diesem Thema. Außerdem wird die unangenehme Frage aufgeworfen, ob es für die Menschen nicht manchmal besser ist, wenn man ihnen die Wahrheit vorenthält, weil sie mit der Lüge besser leben können. Eigentlich hätte Dark Knight gewinnen müssen. Schade, dass Comicverfilmungen immer noch das Image haben, billig und primitiv zu sein.Nun gut, zumindest hat der großartige Heath Ledger für seine Darstellung des Joker den Oscar für die beste männliche Nebenrolle bekommen.

Zum Glück gewann der Baader-Meinhof Komplex keinen Oscar. Nicht nur, weil er keinen verdient hat, sondern auch, weil sonst die Filmförderung Deutschland (noch immer die effektivste Maßnahme gegen Kreativität) bis in das Jahr 2035 keine Gelder mehr an Projekte geben würde, die nicht die ganz großen Themen behandeln: Nazideutschland, RAF-Terror, DDR-Diktatur.

Als tragisch muss gewertet werden, dass Penelope Cruz einen Oscar gewonnen hat. Denn den erhielt sie für ihre Leistung in einem Woody Allen Film und zu Woody Allen muss man wissen, dass er früher großartige Werke veröffentlichte und mittlerweile – seit Anything Else – nur noch Müll fabriziert. Leider wird ihn dieser Erfolg weiter darin motivieren, nur noch langweilige Filmchen abzuliefern.

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„I’m Wolverin!“

Februar 23, 2009

Das Beste an den Oscars09 kam direkt am Anfang. Die Vorstellung der nominierten Filme durch Hugh Jackman.

Karneval ist…seltsam

Februar 21, 2009

Meine Meinung über den Karneval habe ich schon hier verbreitet und nun sei dem noch eine persönliche Erinnerung angefügt:

Vor ein paar Jahren kam ich sogar in die Situation, über eine Karnevalssitzung zu berichten. Die Veranstaltung begann um 20.11 Uhr, was schon ziemlich originell war. Ich hoffte, dass sich das nur noch dadurch steigern lässt, dass dieser ganze Spuk um 23.11 Uhr aufhört. Tat er aber nicht. Es folgte ein platter Auftritt auf den anderen. Kalauer, die man seit Grundschultagen nicht mehr gehört hatte, wurden hier frenetisch gefeiert. „Besser arm dran, als Arm ab“. Zwischendurch tanzten die immer gleichen vier Frauen herum, mal anmutig und mal total chaotisch. Ich erkannte keinen Unterschied.

Als das Publikum kurzzeitig in seiner Lachdisziplin nachzulassen drohte, wurden mehrere Männer auf die Bühne geschickt. In Frauenkleidern! Männer als Frauen. Der Saal tobt. „Was ist eine lachende Schokolade? Ein Scherzkeks!“ Jetzt folgt der Auftritt vom Heinz. In Windeln und mit einem großen Schnuller. Applaus ohne Ende. Tätä tätä tätä. Der Heinz wird nachher eine besondere Auszeichnung bekommen. Das Keyboard spinnt, gibt den Geist auf. Überhaupt gibt im Verlauf der Zeit – denn die Veranstaltung endete leider nicht um 23.11 Uhr, und auch nicht um 01.11 Uhr oder 03.11 Uhr, nein um kurz nach 04.11 Uhr – sehr vieles den Geist auf. Immer mal wieder ist sekundenlang kein Licht da. Erstes Murren. Der Ältestenrat greift mit harter Hand durch. „Kaum klappt was nicht, bist du, Werner, der erste, der das Maul aufreißt! Dann hau doch ab!“ Ein Teil des Publikums applaudiert, ein andere hält zu Werner. Der erhebt sich und verschwindet. Mitsamt seinen Anhängern. Die Clownsnasenquote sinkt um 38%.

Kurz danach gibt das Keyboard endgültig auf. Wütend treibt es nun auch dessen Besitzer aus der Halle. Das Musikinstrument unter den Arm geklemmt, brüllt er noch mehrere Schimpfworte, dann ist die Musik weg. Kein Applaus. So ging das Treiben im halbdunkeln weiter. Es hatte etwas gespenstisches. Wie auf einem untergehenden Schiff.

Am nächsten Tag schrieb ich einen relativ freundlichen Artikel darüber. Natürlich konnte ich nicht ganz unerwähnt lassen, dass wir zeitweise im Dunkeln saßen und ein nicht unerheblicher Teil des Publikums unter Protest den Saal verließ. Vor allem aber betonte ich, dass die Männer in Frauenkleidern ein großer Erfolg waren.

Es half alles nichts, die Zeitungsredaktion wurde nach erscheinen des Artikels von empörten Karnevalisten so lange telefonisch belästigt, bis auch der Verein selber eine Darstellung der Veranstaltung veröffentlichen durfte. Wer kann der Redaktion dieses Einknicken verdenken, Fanatiker sind ja zu allem fähig. Und so war wiederum einen Tag später zu lesen, dass es wieder einmal ein rauschendes Fest zu feiern gab, alle fröhlich und ausgelassen waren und man sich schon auf die nächste Fastnacht freut.

Statt „Deutsches Ding“ nun „Du bist Deutschland“

Februar 21, 2009

Eigentlich wollte ich heute meinen Beitrag zur Serie Mein Deutsches Ding leisten, aber da mir das nötige Fotomaterial fehlt und eine Erinnerung kein Ding ist, muss ich das verschieben. Dafür brachte mich das aber dazu, mich zu fragen, was eigentlich aus Du bist Deutschland geworden ist. Dieser fröhlich-verklemmten Übung in aufgesetztem Patriotismus, die es nicht zynisch fand, ausgerechnet mit Albert Einstein zu werben, dem zu Lebzeiten sehr deutlich gesagt wurde: Du bist nicht Deutschland!

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Die taz kann seine Leserschaft beruhigen

Februar 21, 2009

Dass Netanjahu gleich wieder in den Gazastreifen einmarschieren wird, um der Hamas den Garaus zu machen, muss man indes nicht befürchten.

Cinestar kann es einfach

Februar 19, 2009

Es ist sicher eine hohe Kunst, in zwei Sätzen einen Film so vorzustellen, dass die Leute davon überzeugt sind, diesen Film unbedingt sehen zu müssen. Eine noch höhere Kunst ist es nur noch, das Gegenteil zu erreichen. Cinestar macht vor, wie es geht:


Bride Wars – Beste Feindinnen
Seit ihrer Kindheit halten Liv (Kate Hudson) und Emma (Anne Hathaway) in guten wie in schlechten Tagen zusammen wie Pech und Schwefel.