Bildungsfernes Berlin

Bildungsferne Schichten ist nicht nur eine schreckliche Wortschöpfung, sondern auch eine, die man in einer Stadt, die arm und sexy ist und sich dabei vor allem etwas auf die Armut einbildet, nicht ignorieren kann. Wie eigentlich alle diese sonderbaren Begriffe, zu denen z.B auch der Migrationshintergrund gehört, dient er dazu, die Schuld für Schulversagen oder eine Karriere als Serientäter auf die Gesellschaft abzuwälzen. Es darf nicht sein, dass jemand versagt und dafür selber verantwortlich ist (Banker sind die Ausnahme von der Regel).

Wenn also ein Junge in der Schule kein Land sieht, wird gerne auf die bildungsferne Schicht hingewiesen, aus der er kommt. Und in der Tat wird es für ein Kind nicht leichter, wenn die Familie keinen Wert auf Bildung legt. Nur sollte dann der Fokus auch auf dem Versagen der Familie liegen und nicht auf dem Versagen der Gesellschaft. Man kann schließlich niemanden zu seinem Leseglück, Opernabend oder Museumsbesuch zwingen. Zumal auch nicht klar ist, ab wann sich jemand eigentlich im Zustand der Bildungsferne befindet und ab wann nicht mehr. Reicht es, täglich die Tagesschau zu sehen, um sich aus der Bildungsferne zu befreien? Und überhaupt: Wer sind denn die bildungsnahen Schichten und wie werden die Leute genannt, die noch einmal ein bisschen näher dran sind?

(hier geht es weiter)

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3 Kommentare - “Bildungsfernes Berlin”

  1. david Says:

    Bei mir stellen sich bei „bildungsfern“ eigentlich ganz gut die passenden Assoziationen ein. Deshalb will ich mit dieses Adjektiv merken und gerne öfters verwenden. Es ist die Sorte von Wort, die rein subjetiv, willkürlich und amtlich klingt, aber durch einen wortgewaltigen Anstrich die Nuance einer wissenschaftlich-objektiven, autoritären Feststellung bekommt.
    Wunderbar. Don’t we all love the germanski language?

  2. DrB Says:

    „Es darf nicht sein, dass jemand versagt und dafür selber verantwortlich ist (Banker sind die Ausnahme von der Regel).“

    LOL!

    Ansonsten, so bildungsfern ist die Gesellschaft nicht, heutzutage sind die meisten Informationen im Internet verfügbar (Bombenbau, aber auch _sehr_ viel Nützliches).
    Man muss eben wollen, es geht heute nicht ums Können oder Dürfen.

    Die Beschwichtigungsrhetorik dient natürlich dem „sozialen Frieden“ (dem Mob), erreichen tut man damit wohl nichts.

    Dennoch – es hat ja alles seinen Sinn – irgendwelche sozialen Mechanismen greifen hier, die (möglicherweise) noch nicht erforscht sind. Ansonsten müsste man annehmen, dass die heutige deutsche Gesellschaft den Drang hat sich selbst abzuschaffen, was ich nicht glaube.

  3. DrB Says:

    Und wenn ich dann wieder lese, wie einer der vernünftiger erscheinenden WELT-Kommentatoren sowas raushaut,
    „Hier den Markt sich selber zu überlassen (entnehme ich Ihren Gedanken zwischen den Zeilen ????, bitte korrigieren Sie mich wenn ich hier falsch liege) stellt für mich eine Fehlallokation der Ressourcen, sprich des gesellschaftlichen Humankapitals dar)“
    , dann nimmt mein Mitleid mit dem WELT-Blogger Böss, der „der weg muss“, weiter zu. LOL


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