Archiv für August 2008

Gibt es palästinensische Selbstkritik (und wenn ja, wo?)

August 29, 2008

Es gibt zwei Dinge im Internet, auf die man sich verlasen kann. Erstens: Auf Pornoseiten wird man sehr schnell auf nackte Haut stoßen. Zweitens: Auf Pro-Palästinaseiten sehr schnell auf verzweifelte Frauen und weinende Kinder.

Warum ist bei den Freunden Palästinas eigentlich eine so große Begeisterung für Leid, Tod und Tränen vorhanden? Diese masochistische Freude an Artikeln und Bildern, die sich mit Vertreibungen und vermeintlichen Demütigungen beschäftigen, kann schon ein wenig irritieren.

Ich habe jetzt (Stand: 29.August) auf Google den Begriff Palästina eingegeben und als erstes begrüßt die Generaldelegation Palästinas in der Bundesrepublik Deutschland mit der Top-News: Tägliche Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten . Und von 54 Artikeln, die in der Kategorie Beiträge zu finden sind und sich mit den Schikanen beschäftigen, mit denen sich die Palästinenser konfrontiert sehen, gehen zwar einige auf das Schicksal der Gazaianer ein, aber die beschäftigen sich ausnahmslos mit israelischen Schikanen, keiner mit dem Hamas-Terror.

Als nächstes gibt es Palaestinaonline. Dort heißen Bildergalerien Das Leiden eines Volkes! oder Palästinensische Kinder Opfer der Besatzungsmacht – Eine Präsentation und sind mit der Warnung versehen: Vorsicht: Bitte Kinder fern halten! Wieder fehlen die Fotos von Hinrichtungen und der Folter politischer Gegnern, die in den Palästinensergebieten regelmäßig vorkommen. Dafür viele israelische Soldaten, die mit Gewehren auf Kinder, Frauen und alte Männer zielen, sie bedrohen und erniedrigen. Es sind sehr viele Fotos, manche können davon eben nicht genug bekommen.

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Nichts, aber davon eine ganze Menge

August 28, 2008

Auf der DVA-Verlagsseite habe ich folgende Bewertung eines aktuellen Buchs gelesen, die irgendwie etwas irritiert:

Ein Roman, der sich wegliest wie nichts – und mindestens siebenmal so lange nachwirkt.

Wie lange wirkt nichts eigentlich nach? Und wie lange wirkt siebenmal nichts nach?

Es sind immer fünf Minuten… (zwischen Berliner Hauptbahnhof und Flughafen Tegel)

August 27, 2008

Heute morgen musste ich zum Flughafen Tegel fahren, um eine Buchung ändern zu lassen. Mit dem TXL Bus dauert es ab Hauptbahnhof zirka 30 Minuten. Zeit genug, um neben einem Verwandten der Panzerknacker-Familie Platz nehmen zu können. Der Mann trug karierte graue Hose zu grünem T-Shirt mit schwarzen Streifen und dürfte irgendetwas Ü40 sein. Sehr eigenwillige Mode. Sehr auffallende Mode. Die Haare versteckten sich unter einer schwarzen Mütze, auf der eine Harley-Davidson dem amerikanischen Horizont entgegeneilt. Im Gesicht hatte sich ein Sechstagebart breit gemacht.

Der Mann telefonierte und es ging darum, wie dumm der Jens ist und zu einer Postmitarbeiterin fällt ihm ein: „Die hab ich mir vorgeknöpft und die Meinung gesagt, ganz deutlich und ins Gesicht, die war danach so klein mit Hut! Das musste aber sein, denn so geht das nicht. Aber du kennst das ja.“ Dann legte er mit einer Durchhalte-Parole, die ich für ausgestorben hielt, auf: „Wird schon, Unkraut vergeht nicht“

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Palästinensischer Humor

August 26, 2008

Palästinenser aus dem Gazastreifen haben offenbar verschiedene E-Mails und Videoclips erstellt, in denen sie den entführten Soldaten Gilad Schalit zum Gespött machen. In einem Fall wurde ein Telefonat zwischen dem Israeli und seiner Mutter gefälscht – den Clip haben sich bereits Tausende Palästinenser auf ihre Handys geladen. (Quelle)

Das klingt schon sehr lustig und ist ja auch sympathisch, worüber man im Gazastreifen so lachen kann, aber  noch lustiger ist eigentlich, dass die Gazaianer so ziemlich die einzigen Menschen der Welt sind, die trotz permanenter humanitärer Katastrophe Handys besitzen, während nur die wenigsten vom Hungertod bedrohten Afrikaner mobil erreichbar sind.

Fuchsbau heute mal politisch

August 25, 2008

(immer wenn ich so etwas lese, habe ich Lust, den hier zu gucken)

Staatsbesuch bei der arabischen Bundeswehr

August 23, 2008

Tag der Offenen Tür der Bundesregierung Berlin, 23. Und 24. August 2008

Weil ich Panzer sehen wollte, bin ich heute zum Bendlerblock gelaufen, wo die Bundeswehr sich präsentiert. Am Eingang wurden Personalausweise überprüft und man musste alles abgeben, was als Waffe genutzt werden könnte: Messer, spitze Gegenstände, Pfefferspray und natürlich Plastikflaschen. Kaum auf dem Gelände angekommen, versprach eine Durchsage: „Heute Mittag werden Models für sie tanzen und die neuen Bundeswehruniformen präsentieren. Wir haben einige Soldatinnen und Soldaten dafür gewinnen können, bei dieser Show mitzumachen .“ Das klang gut, die Bundeswehr nicht nur in Afghanistan, sondern auch auf dem Laufsteg.

Ein ganzes Zeltdorf wartete auf Besucher. „Wollen Sie eine Sprache lernen?“, wollte eine Frau wissen. „Welche?“, „Arabisch.“, „Ich hab eine halbe Stunde, reicht das?“, „Zumindest werden Sie einige Grundlagen können. Der Kurs beginnt in einer Stunde.“, „Ich überleg es mir.“ Wir trennten uns und sie schenkte mir einen Glückskeks.

Dann verschwand ich in einem Zelt, auf dem Bundeswehr-Fuhrpark stand. Hier konnte in Geschicklichkeitsspielen geprüft werden, ob so ein Job in Frage kommt. Nachdem ich meinen ferngesteuerten LKW dreimal aus der Kurve schleuderte, gab ich entnervt auf und auch von den Mitarbeitern versuchter danach keiner, mich zu verpflichten. Aus lauter Enttäuschung versagte ich dann auch völlig beim Versuch, mit dem Miniatur-Gabelstapler eine Last zu transportieren.

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Free taz

August 23, 2008

In der taz schreiben Korrespondenten darüber, was die Spiele in Peking in ihren jeweiligen Ländern für Reaktionen hervorrufen. Aus den USA heißt es:

Anerkennung mischt sich mit Angst, Überheblichkeit mit Unsicherheit. Und über allem steht die Systemfrage. „Bei uns ist das Züchten von Athleten eben kein Staatsziel“, verteidigen sich Sportfunktionäre. In vielen Zeitungsberichten schwingt oberlehrerhaft mit, dass „bei uns“ der Sport privatwirtschaftlich gefördert wird, aber in einem „freien Land“ niemand Dreijährige auf den Stufenbarren zwingt und nur „kommunistische Diktatoren“ Erwachsene in abgeriegelten Camps auf Gold drillen.

Mit den Spielen haben die Amerikaner mehr über China erfahren als je zuvor. Sie wissen jetzt, dass es Tibet, Umweltprobleme, Zensur, Einreiseverbot gibt. „Aber ich glaube, in der Wahrnehmung überwiegen nicht neue Informationen, sondern alte Stereotype“, meint Politologin Laurie Dundon.

Ich frage mich jetzt nur, warum es oberlehrerhaft ist, auf diesen nicht ganz unbedeutenden Unterschied hinzuweisen. Und solche Sätze braucht die taz-Leserschaft wohl einfach: Sie wissen jetzt, dass es Tibet, Umweltprobleme, Zensur, Einreiseverbot gibt.

Dass es in den USA seit vielen Jahren eine sehr aktive Free-Tibet Bewegung gibt und zwar nicht erst, seitdem die ersten taz-WGs zögerlich ihre Palästinenserfahne gegen die von Tibet austauschten, soll dabei niemanden stören.