Generation der Deppen, die Bücher über ihre Generation „Generation Doof“ nennen

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Es gab einmal ein Volk der Dichter und Denker, dieses Volk hielt Goethe in Ehren, wusste wann und wo Mozart geboren wurde und spielte nicht nur Klavier und Geige, sondern interessierte sich auch für die Philosophie der alten Griechen. Dieses Volk gibt es nicht mehr, es ist verschwunden, niemand weiß wohin und warum. Zurückgelassen hat es uns nur zwei angenehm arrogante Gestalten, die nun in ihrem Buch Generation Doof ebenso gnadenlos wie unoriginell mit der Dummheit derer abrechnen, die gerade stramm auf die 30 zu gehen. Stefan Bonner und Anne Weiss erklären, dass die Dummen an die Hand genommen werden müssen, und man nicht über sie lachen solle. Immerhin seien ja selbst sie beide nicht ganz frei von Bildungslücken, wie der Stefan zugibt:

Ich muss gestehen, dass wir beide uns gegenseitig immer wieder an die Hand nehmen müssen. Neulich haben wir gegrübelt, wo Bad Pyrmont liegt. Ich vermutete es in Brandenburg, Anne tippte auf Österreich. Wir haben dann festgestellt, dass es in Niedersachsen liegt.

Das ist ja süß, da wussten sie nicht wo Bad Pyrmont liegt. Und man bekommt so richtig Lust, mit diesen Spaßkanonen mal einen Abend zu verbringen. Wobei jetzt natürlich die Frage interessant ist, ob man eigentlich erst durch den exzessiven Genuss der Werke von Bastian Apostroph Sick so wird, oder man einfach schon als Langweiler geboren sein muss.

Ihre Definition für die Generation Doof liest sich so.

Zudem sollte man eine gute Realitätseinschätzung haben und wissen, dass man gewisse Dinge einfach nicht kann. Das ist menschlich und völlig normal. Alles andere als normal ist es jedoch, wenn jemand Megastar werden will, der offensichtlich unfähig ist. Wer das nicht selbst merkt, gehört zur „Generation Doof“. Die anderen entscheiden sich am Ende doch gegen eine Superstarkarriere und machen die Banklehre.

Mit anderen Worten: kein Risiko, keine Alleingänge, keine Neugier. Warum es schlecht sein sollte, dass Menschen ehrgeizige Ziele haben, bleibt das Geheimnis der Autoren. Mir ist jedenfalls ein Mensch sympathischer, der das Ziel hat, Superstar zu werden und damit scheitert, als einer, der immer nur werden wollte, was der Vater schon ist. (Wobei DSDS eh ein Extrembeispiel und darum unbrauchbar ist.)

Überhaupt scheinen die beiden Kritiker der Generation Doof so ihre Probleme damit zu haben, dass wir heute so viele Freiheiten haben, wie keine Generation zuvor. Sie klingen eher wie die Generation Flakhelfer, wenn sie permanent über die Jugend nörgeln, die so viele Albernheiten macht und darum zu nix richtigem mehr zu gebrauchen sei. Das Leben soll ja nicht zu viel Spaß machen. Kritisch sehen es die Sittenwächter, dass die Generation Doof ihre Dummheit lustig und toll findet. Zumindest was das Betrifft, kann man sie aber beruhigen. Solches findet niemand lustig:

Da sie nicht von gestern war, hatte Evita für Dieter als Beweis ihres Talents ein Zeugnis mitgebracht, das sie als „staatlich geprüfte Musikerin“ auswies. „Ich habe Ähnlichkeit mit Madonna von der Stimmfarbe“, sagte sie und stimmte La Isla Bonita an. Auf der schönen Insel wurde dank ihrer genialen Intonation Milch zu Butter, Wein zu Essig und Glas zu Scherben. Anlass für Dieter, Evita ein neues Zeugnis auszustellen: Ausdruck, Töne treffen und Performance – sechs. Durchgefallen. (Textprobe Generation Doof)

Dieter-Evita, da merkt man schon, das ist ein ganz anderes Humorlevel, da kichert es dann nur noch von Friedrich Schiller an aufwärts. Aber das Ganze ist ja eigentlich gar nicht zum Lachen, denn es steht viel zu viel auf dem Spiel. Die stolze deutsche Kultur nämlich, die heute im wesentlichen nur noch von Stefan und Anne hochgehalten wird, die Beethovens Fünfte noch kennen und sich gegenseitig Hölderlin Gedichte vortragen, während um sie herum die Unkultur tobt, die alles unter einem Matsch aus Klingeltönen, grässlichen Musiktiteln und Dieter Bohlen begräbt, bis es dann schließlich heißt: Über allen Gipfeln ist Doof.

Aber noch ist nicht alles verloren. Es kann tatsächlich passieren, dass die nächste Generation noch dümmer wird. Wir hoffen jedoch auf eine Pendelbewegung, wie es sie in der Geschichte immer wieder gab.

Das wird man sehen, und wenn sich die Pendel-Theorie bestätigen sollte, dürften in den Haushalten Bonner und Weiss wahre Genies heranwachsen. Aber bis dahin bleibt ihnen nur, den Abstieg Deutschlands vom Thron der Kultur zu beweinen, ihre Seelen mit dem ein oder anderen Gedicht Eduard Mörikes zu streicheln und sich darüber zu ärgern, dass es heute Dinge wie Playstation, I-Pod und Internet gibt.

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14 Kommentare - “Generation der Deppen, die Bücher über ihre Generation „Generation Doof“ nennen”

  1. Johannes Says:

    Mal wieder ganze meiner Meinung. Hier noch eine kleine aber feine Fußnote:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/generation-kerner/

    Gruß,

    Johannes

  2. Sky Says:

    Gemessen am verfügbaren Wissen ist die heutige Generation mit ihrem Wissen die döfste.
    Doofheit ist ein spannendes Thema, es fängt schon mit der Wortbedeutung an, die kaum jemand kennt und auch die Frage nach dem Komparativ und Superlativ ist spannend.
    „Doof“ sagt man seit ca. 1970.

  3. Gideon Böss Says:

    Der Witz ist doch, dass vielleicht noch nie in der Geschichte, die jüngsten Generationen der Gesellschaft das Bild der Welt und wie wir leben, so stark (zum besseren) verändert haben. Man schaue sich nur mal die Computer-, Internetbranche an. Da wimmelt es von Millionären/Milliardären die irgendwo zwischen 18 und 28 sind. Als Google online ging, waren die beiden Gründer gerade 25.

    Und da die heutige Generation innerhalb von Sekunden Zugang zu beinahe allen Informationen hat, die es gibt, fällt es mir schwer, diese für die dümmste zu halten. Zumal ich skeptisch bin, ob früher wirklich alles besser, bzw. kulturinteressierter war.

  4. Sky Says:

    Das von mir genannte Kriterium war natürlich selbst doof.
    Klar, das Internet hat alles geändert, trotzdem etwas enttäuschend, was so alles hochkommt. Zum Glück habe ich ja dieses und einige andere Web-Biotope. 😉

  5. Sky Says:

    Was mir noch einfällt ist, dass Verständigkeit nicht gemessen werden kann, all diese IQ-Tests sind Humbug. Doofheit dagegen kann gemessen und damit auch verwaltet werden.

  6. Gideon Böss Says:

    Die IQ-Tests sind kein Humbug, denn wer sich für viel Geld Bücher wie „So steigere ich meinen IQ in 24 Stunden“ oder „In jedem steckt ein kleiner Einstein“ kauft, ist wohl Doof. Von daher kann man über diese IQ-Tests tatsächlich etwas Aussagen, auch wenn das nicht ganz im Sinne der Erfinder sein dürfte.

  7. Sky Says:

    Die völlige oder teilweise Abwesenheit von Doofheit gilt richtigerweise als Verständigkeit oder Klugheit oder Weisheit oder Schlauheit, insofern zäumen die Buchschreiber das Pferd schon richtig herum auf.
    Irgendwo las ich noch, dass die Autoren bei Kerner (oder einer vglb. Sendung) waren und ihr Buch vorstellten, abschliessend stellte „Kerner“ dann noch eine Frage und die Antwort lautete sinngemäss: Das wissen wir nicht, denn wir gehören auch nur zu der im Buch beschriebenen Generation, wir sind auch doof.

  8. anne Says:

    deinem artikel merkt man an, dass du das buch nicht gelesen hast…

  9. Sky Says:

    Sollte man das Buch denn lesen?
    Ich bestells mir ggf. …

  10. ansara Says:

    Hmmm… ich will ja nicht komplett pingelig erscheinen, aber das Wort „doof“ gab es schon weit (weit weit weit…) vor 1970 im deutschen Sprachgebrauch. Als Küstenanrainer ist mir die Herleitung klar, wie der Begriff allerdings in südlichere Gefilde „gewandert“ ist, weiss ich leider auch nicht. ansara (Generation Nierentisch…) grüßt!

  11. Klaus Says:

    @ anne

    Deinem Kommentar merkt man an, dass du dieses Buch geschrieben hast.

  12. ansara Says:

    Hallo Klaus! Schön, dass mein Co-Autor sich auch hier herumtreibt….ansara grüßt!

  13. Perry Says:

    Unsere ach so gebildeten Großeltern und Urgroßeltern waren vielleicht gebildeter als die Menschen meiner Generation aber den Nationalsozialisten sind sie jubelnd hintergelaufen. Zweiter Weltkrieg, Holocaust, Diskriminierung, Rassismus, Ausgrenzung und das fehlen von Solidarität und Engagement gegen all Dies – das ist für mich die „Generation Klug“

    Nee nee, dann schon lieber doof.

  14. Sky Says:

    „…das Wort “doof” gab es schon weit (weit weit weit…) vor 1970 im deutschen Sprachgebrauch.“

    Nicht im Hochdeutschen, junger Freund!
    Übrigens ist der Gebrauch des Worts „doof“ auch heute noch vielen peinlich, in den Siebzigern wars ein Kinder- und Jugendwort.


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