Archiv für März 2008

anmelden/beantragen/Tempelhof/abstimmen

März 31, 2008

dsc00062.jpg

Ich verfolge die Diskussion rund um den Flughafen Tempelhof recht emotionslos. Eigentlich ist es mir ziemlich egal, ob er in Betrieb bleibt oder nicht. Doch so langsam rückt die Entscheidung näher, und heute lag folgendes Schreiben in meinem Briefkasten:

Sie sind in das Abstimmungsverzeichnis eingetragen und können im nebenstehend angegebenen Abstimmungslokal abstimmen. (…) Wenn Sie in einem anderen Abstimmungslokal im Bezirk oder durch Briefwahl abstimmen wollen, benötigen sie einen Abstimmungsschein. Abstimmungsscheinanträge usw…

Ja, ja, Behördendeutsch ist immer wieder ein Genuss. Aber noch kann ich nicht am 27.April meine Stimme abgeben. Zuvor muss noch der Antrag auf Erteilung eines Abstimmungsscheines angefordert werden. Wenn ich mir diese Mühe machen werde, werde ich aber wohl für den Erhalt stimmen. Nicht weil mir Tempelhof etwas bedeutet und auch nicht, weil ich die lächerliche Plakatkampagne der Befürworter überzeugend fand (490.000 t Lebensmittel retteten die Berliner. Ein Gang zum Bürgeramt rettet Tempelhof!), sondern weil ich die Plakatkampagne der Tempelhof-Gegner für noch viel erbärmlicher halte. Mit Parolen wie: Flughafen für Superreiche, wir lassen uns nicht auf den Arm nehmen oder Ick zahl doch nicht für´n VIP-Flughafen. Dieses ranschmeißen an erhoffte Neidinstinkte find ich dann doch unangenehm. Ich hab so grundsätzlich nix gegen reiche Menschen und wenn die Gegner mir keine sinnvolleren Argumente bieten können, stimme ich für den Erhalt…Aber kann auch sein, dass ich an dem Tag was besseres zu tun haben werde, als darüber abzustimmen. Kann sogar sehr gut sein.

Wird alles immer schlimmer…sagt der Mann von der Bushaltestelle

März 30, 2008

0803304.jpg

(mein Wettbewerbsbeitrag zur Weltwirtschaftskrise) 

15 Minuten Ruhm

März 29, 2008

Ich habe mir den lang angekündigten Islam-Film dieses holländischen Politikers nicht angeguckt. Es hat mich nicht interessiert. Aber zwei Dinge sind mir in der Berichterstattungen um ihn aufgefallen. 1.) Es ist etwas bizarr, dass viele Kritiker des Films betonen, dass der Islam nicht gewalttätige ist, während sie gleichzeitig hoffen, dass die Veröffentlichung keine gewaltsamen Ausschreitungen zur Folge hat. 2.) Immer wieder wird spekuliert, wie wohl die Reaktionen der Menschen in Riad, Kairo und Damaskus bzw. der islamischen Welt sein werden…Warum sollte das relevant sein? Es gibt in dem Sinne auch keine „Reaktion“ der Moslems aus Saudi-Arabien, Ägypten und Syrien. Die Menschen dort kennen keine Meinungs-, und Pressefreiheit. Was es gibt, ist die Meinung des herrschenden Diktators, und dessen Empfindlichkeiten sollten für niemanden von Bedeutung sein.

Ostermarsch 2008 bzw. Der Arbeiter-und-U-Bahn-Fahrerstaat

März 26, 2008

images-5.jpegWarum sie immer sofort auffallen, ist schwer zu sagen. Es liegt nicht an einem einzelnen Merkmal, denn sie sind eigentlich weder zu laut, noch zu groß, noch zu aggressiv, es muss etwas anderes sein. Vielleicht sind es die paranoid-verstörten Blicke, mit denen sie die Gegend ruhelos nach imaginären Agenten absuchen oder es ist ihre mimisch-intellektuelle Unzurechnungsfähigkeit, die jedem auffällt, der in ein solches Gesicht blickt. Sei es, wie es ist, fest steht: Wenn man einem kleinstklugen Verschwörungstheoretiker gegenüber steht, weiß man einfach, dass man einem kleinstklugen Verschwörungstheoretiker gegenüber steht.

Und wenn die Ostermarschierer auseinander gehen, ist die Chance groß, solche Wesen zu treffen. Etwa am Zoologischen Garten, etwa am vergangenen Montag, etwa an der U-9. Genauer gesagt handelte es sich dabei sogar um zwei: um ein Paar, das sich (trotz denen da oben) gefunden hat. Vereint im Glauben daran, dass es der Sinn des Lebens ist, offizielle Abschlussberichte als Vertuschungsversuche zu bezeichnen.

Er, gedrungene, fast kugelhafte Gestalt, eingepackt in eine dunkelblaue Jacke. Das Haupthaar ist schon verstorben, der Gang entschlossen unentschlossen. Sie, einen halben Kopf größer als er, in der Hand eine eingerollte Fahne. Dunkelblaue Jacke. Beide tragen „Peace“-Buttons, auf denen „Ostermarsch“ steht.

Die U-Bahn fährt ein, sie setzen sich. Der Waggon ist fast leer, es ist still. Der Ostermann erklärt seiner Frau: „Jetzt haben wir sechs Minuten auf die Bahn warten müssen. In der DDR ist die in einem durch gefahren. Da musste man nicht warten. Aber hier, in dem kapitalistischen System…“ Mehr muss er nicht sagen, die Systemkritik ist erschöpfend genug. Ein zustimmendes „Ja.“ Man versteht sich. Kurzes schweigen. Es wird dem Arbeiter-und U-Bahn-Fahrerstaat nachgetrauert. Dann holen die Ängste der Gegenwart die beiden ein. Die Frau spricht es aus: „In Kuba wollen sie das jetzt auch haben. Demokratie.“, „Ja, ja,“, seufzt es zurück, „die Jugend will da demokratische Zustände. Weiß man ja auch, was das bedeutet. Wer das wirklich will, wer davon profitiert.“ Die Fahne donnert auf den Boden. Ohnmächtiger Zorn derer, die von der Realität verraten wurden.

„Guten Tag, ich verkaufe die Obdachlosenzeitung…“, ruft es jetzt durch den Waggon. Der Ostermann zögert keine Sekunde, springt auf und bedrängt den überraschten Obdachlosen mit seinen Ratschlägen. „Pass gut auf dich auf, die ziehen dich sonst hier raus. Die ziehen dich hier raus, wenn du nicht aufpasst. Die kennen da nichts.“ Irritiert dreht der Verkäufer ab. Zufrieden kehrt der Unbeugsame zurück. „Da muss man aufpassen, gerade solche Leute haben sie im Visier.“, erklärt er. „Das stimmt, schlimm, die Polizei.“, kommt es wenig überraschend zurück. „Hast du die schon mal gesehen, in ihren Rüstungen?“, macht er weiter. „Da, die haben Protektoren an den Beinen und die Arme sind geschützt, sind auch Protektoren dran. Sogar auf den Handschuhen Protektoren. Und Helme.“

Osterfrau: Da ist es kein Wunder, wenn die sich trauen, immer die Demonstranten zu provozieren.

Ostermann: Die haben Rüstungen und wir, wir dürfen uns nicht verteidigen.

Osterfrau: Wir, also das Volk darf sich nicht verteidigen. Ich dachte, jeder ist hier gleich. Wenn die sich bewaffnen dürfen, warum dürfen wir das dann nicht. Damit man sich gegen die verteidigen kann.

Ostermann: Aber die Rüstungen haben eine Schwachstelle.

Geschickt lässt er einige Sekunden vergehen, um dann zu lösen.

Ostermann: Wenn man mit einem Speer zusticht, durchstößt der die Rüstung.

(als er das erklärte, musste ganz in der Nähe jemand lachen.)

Unsere gemeinsame Reise endete an der nächsten Haltestelle. Aber wenn 2009 auf einem Ostermarsch zwei verwirrte Gestalten aus der mittlerweile doch recht überschaubaren Menschenmenge gezogen werden, weil sie wiederholt versucht haben, Polizisten aufzuspießen, werd ich an die beiden denken.

Kirchen fordern: An Ostern darf nur Jesus gefoltert werden

März 23, 2008

180px-cannstatt_prozession_02.jpgWie oft bringt RTL Presseerklärungen heraus, in denen Reformen innerhalb der katholischen Kirche angemahnt werden? Selten. Wie oft kritisiert die katholische Kirche das Programm von RTL? Oft. Was darauf schließen lässt, dass der Papst das Privatfernsehen interessanter findet, als dass Privatfernsehen den Papst.

Das TV-Programm wäre zu gewalttätig, kritisiert Reinhard Marx, ein Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz. Er findet, dass es mit der Osterbotschaft nicht in Einklang zu bringen ist, wenn Actionfilme wie Stirb langsam ausgestrahlt werden. Und da fragt man sich schon, warum eigentlich. Zum einen könnte dieser Filmtitel der offizielle Slogan zur prominentesten Kreuzigung aller Zeiten sein, und zum anderen sind sowohl Highlander, als auch King Kong die reinste Kuschelpädagogig im Vergleich zu dem, was Marx und Co. zu Ostern feiern. Da wird eine Folterung glorifiziert, da werden Nägel durch Hände getrieben, da wird ausgepeitscht, gemordet und erniedrigt… Wie hat es Ostern eigentlich geschafft, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Feiertage nicht indiziert zu werden?

Mein neuer Freund

März 21, 2008

images-31.jpegGerade habe ich bemerkt, dass auf YouTube alle Folgen von Christian Ulmens genialer Serie „Mein neuer Freund“ vorhanden sind. Die hier ist z.B. sehr cool (aber Alexander von Eich ist natürlich noch besser), es gibt jedoch auch welche, bei denen überwiegt das Mitleid mit den Kandidaten.

Wenn wir Hunger sehen, ernähren wir sie. Nicht um Einfluss zu gewinnen, sondern weil sie hungrig sind

März 21, 2008
images-1.jpegEin sehr interessanter Artikel aus der Weltwoche (hier gefunden). Alle, die vor Jahren schon mit der Suche nach dem Bösen aufhörten, weil es ja Georg W. Bush gibt und alle, die auf Friedensdemos Saddam vergeblich zu retten suchten und ihr dümmliches „Kein Blut für Öl“ noch nie gegen Chinas Öl-Deals mit dem Sudan (Sudan? Kenn ich nicht.) richteten, müssen jetzt entweder sehr tapfer sein oder lesen besser gar nicht weiter. Los gehts: Um die Bodenschätze Afrikas ist ein Machtkampf entbrannt. Das Schicksal der Bevölkerung spielt für die Grossmächte kaum eine Rolle. Einzige Ausnahme: die USA. Kein Staatschef hat mehr für Afrika getan als der gern gehasste US-Präsident George W. Bush. Ein Reisebericht. (der Rest)