Dieter Hildebrandt – originell wie ein Polenwitz

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In was für einem Zustand sich das deutsche Kabarett befindet, merkt man daran, dass Dieter Hildebrandt sein Aushängeschild ist. Wenn Rainer Calmund als größter deutscher Leichtathlet durchgehen würde, würde man sich ja auch große Sorgen um die Goldhoffnungen bei Olympia machen. Nun hat Hildebrandt einen TV-Auftritt bei Maischberger gehabt. Dieser Artikel beschäftigt sich damit und lässt auch keine Gelegenheit aus, diesen weniger unterhaltsamen, als vielmehr anstrengend moralisierenden und selbstgerechten Gesinnungsspaßmacher der Generation HJ als Ausnahme-Kabarettisten zu verklären.

Schließlich hat Hildebrandt bereits zu einer Zeit politisches Kabarett gemacht, als der Humor Heinz Erhardts in Deutschland noch als Nonplusultra galt, politische Satire in dieser Form also noch gar nicht existierte.

Wie bitte? Was heute in Deutschland nicht mehr existiert, sind die originellen (und nicht belehrenden), politischen Satiren der Weimarer Republik. Wer einmal das politische Kabarett der zwanziger und frühen dreißiger mit dem danach vergleicht, merkt schnell, wie weit es heute von der einstigen Größe entfernt ist. Und Heinz Erhardt mit Dieter Hildebrandt zu vergleichen ist völlig unsinnig, weil Erhadt schlicht etwas anderes getan hat, als H.

Einen Hitlersketch wie ihn Schmidt 2005 spielte, hätte Hildebrandt nie gemacht. Es ist schwer so jemanden zu parodieren, wenn man ihn kannte.

Hat Hildebrandt nicht im Verlaufe seiner Zeit beim Scheibenwischer auch die ein oder andere Person parodiert, die er a.) auch kannte, und die b.) im Zweifelsfall nicht so schlimm wie Hilter war?

Und zum Ende der Sendung zelebrierte Hildebrandt noch einmal aufs Genialste seinen langweiligen Zeigefinger-Humor, der immer vor allem Aufklärung und moralische Erziehung ist und nur selten, sehr, sehr selten, ins originelle abdriftet:

Doch er (Harald Schmidt) hatte nicht mit der späten Überraschung Hildebrandts gerechnet. Als dritter Gast kam der polnische Filmemacher Stanislav Krzeminski in die Runde. Er überreichte Schmidt die Übereignungsurkunde und einen Schlüssel für einen Golf aus Polen, zusammengebaut aus „Teilen, die vielleicht nicht immer legal nach Polen gelangt sind“. Eine gallige Anspielung auf die Polenwitze, die Schmidt vor zehn Jahren mit Vorliebe zum Besten gab. Weil er, wie er sagte, entdeckt hätte, dass er den Dialekt gut könne. Ein wenig müde wirkte dieser Erklärungsversuch. Hildebrandt jedenfalls freute sich diebisch über seinen Coup. So etwas kann eben passieren, wenn ein Satiriker auf einen anderen trifft, unabhängig von Generationenfragen.

HiHiHi, ich versteh es nicht. Aber ist wohl ne Generationenfrage…

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3 Kommentare - “Dieter Hildebrandt – originell wie ein Polenwitz”

  1. Herr S. Says:

    also ich schätze D.H. sehr …

  2. פץ Says:

    das beste, das ich von dh kenne, ist seine rolle in dem italienfilm von polt.

  3. Sky Says:

    Moment, Hildebrandt „engagierte“ Stanislav Krzeminski. Der:
    überreichte Schmidt die Übereignungsurkunde und einen Schlüssel für einen Golf aus Polen, zusammengebaut aus „Teilen, die vielleicht nicht immer legal nach Polen gelangt sind“
    ?

    Und dann:
    Hildebrandt jedenfalls freute sich diebisch über seinen Coup.
    ?


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