Garten Eden vs. Behördenparkplatz

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Ein interessanter Artikel über die Unterschiede in der politischen Kultur der USA und Deutschland.

Über die amerikanische Demokratie schrieb Tocqueville: „Das Volk beherrscht die politische Welt Amerikas wie Gott das Universum. Das Volk ist Anfang und Ende aller Dinge.“

Wer die Vorwahlen zu den im November stattfindenden Präsidentschaftswahlen beobachtet, kann sich der Faszination kaum entziehen. Welche Vielfalt der Programme und Personen! Der schrullige Konservative, der die CIA abschaffen will, der tapfere Vietnam-Veteran, der Unternehmer, der Verbraucheranwalt, die ehemalige First Lady und, nicht zu vergessen, der schwarze Senator Barack Obama, der die Herzen der Jugend verzaubert.

Gestern, auf dem Flug nach Deutschland, nahm ich eine Tageszeitung zur Hand. Und ein Name stach mir ins Auge, den ich über Monate verdrängt hatte: Kurt Beck.

Der deutsche Barack Obama heißt in gewisser Weise Kurt Beck. Was wie eine absurde Polemik klingt, ist nichts als die Wahrheit. Denn wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, ist Beck der Kandidat, mit dem die deutsche Sozialdemokratie in die Feldschlacht zieht.

Ohne TV-Duell. Ohne Bürgergespräch. Ohne Gegenkandidat. Ohne wirkliche Wahl. Es ist, als habe sich Tocqevilles demokratischer Garten Eden in einen Behördenparkplatz verwandelt.

Kurt Beck nominiert Kurt Beck, das ist die deutsche Wirklichkeit. Selbstkrönung nannte man das bei Kaisern. Im Parteiendeutsch heißt es verschämt: Der Vorsitzende hat das Recht des ersten Zugriffs.

(ganzer Text)

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2 Kommentare - “Garten Eden vs. Behördenparkplatz”

  1. Mario Says:

    Wirklich interessant der Vergleich. Aber die USA hat ja auch nicht so ein verwirrendes Parteien System wie Deutschland. Dort gibts nur die Republikaner oder Demokraten und dann gibt es nur noch die Unterscheidungen der Ansichten der einzelnen Kandidaten. Ich wäre aber durchaus dafür, dass in Deutschland mehr Medienpräsenz von den Kandidaten gefordert wird. Man wählt zwar die Partei in DE aber trotzdem auch den Kandidaten.

  2. Gideon Böss Says:

    Dort gibts nur die Republikaner oder Demokraten und dann gibt es nur noch die Unterscheidungen der Ansichten der einzelnen Kandidaten.

    Wobei das so nicht stimmt. In den USA gibt es eine Vielzahl von Parteien, auch einige, die in Deutschland gar nicht erlaubt werden würde, wie etwa die American Nazi Party…Es ist nur eben so, dass im Prinzip fast nur Demokraten/Republikaner gewählt werden.

    Es gibt eine Simpsons Folge, in der zwei Außerirdische die Macht in den USA übernehmen wollen und dafür die Präsidentschaftskandidaten der beiden großen Parteien entführen. Als die Amerikaner merken, dass die vermeintlichen Kandidaten in Wirklichkeit Außerirdische sind, wird darüber nachgedacht, einen unabhängigen Kandidaten zu wählen. Die Außerirdischen höhnen dazu: „Na gut, wenn ihr eure Stimme wirklich verschwenden wollt.“


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