Das gute Gewissen wird in Ramallah verteidigt

250px-jpf-netanya.jpgVor einiger Zeit haben mehrere israelkritische Akademiker ein Manifest geschrieben, in dem sie auf eine Neuordnung des Verhältnisses zu Israel drängen. Für vier von ihnen hat sich das jetzt richtig gelohnt, denn sie durften eine Reise machen. Nach Netanja. Dort erklärten sie, dass sie ja gar nicht die Unterstützung Israels in Frage stellen, sondern nur die blinde Unterstützung. Was auch immer das heißen mag. Der Holocaust dürfe nicht länger dazu missbraucht werden, über all die zionistischen Verbrechen zu schweigen, finden sie. Es müsse möglich sein, nun endlich auch über die israelischen Vernichtungskriege zu sprechen, über die Massaker an den Palästinensern und darüber, ob nun der Gazastreifen oder doch das Westjordanland das Warschauer Getto von heute ist.
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Leider gehen die Wissenschaftler nicht der Frage nach, warum Israel in Deutschland eigentlich keine Feinde, sondern nur Freunde hat. Und warum viele dieser Freunde ihre Hauptaufgabe darin sehen, die Feinde Israels zu unterstützen, zu verharmlosen und als Verhandlungspartner vorzuschlagen? Keiner von denen hat je gefordert, “dass es möglich sein muss, Israel zu loben.” Es geht immer nur um die Notwendigkeit von Kritik. Und warum diese Freunde Israels ständig über die besondere deutsche Verantwortung reden, die die Palästinenser mit einbezieht, ist auch bizarr.
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Wobei sich vor allem die Frage aufdrängt, warum diese besondere deutsche Verantwortung (die so aussagelos ist, dass man damit alles Rechtfertigen kann) eigentlich eine Verantwortung für die Palästinenser beinhaltet. Wie steht es denn um die besondere Verantwortung gegenüber all den Völkern, die von den Nazis gequält wurden. Man hört selten von der besonderen Verantwortung für Ungarn. Während die Deutschen mehr als sechs Millionen Polen ermordeten, logierte irgendein Mufti von Jerusalem als Ehrengast Hitlers in Berlin. Warum also diese akademischen Geistesgrößen gerade gegenüber den Palästinensern ein schlechtes Gewissen haben, bleibt ihr schmutziges Geheimnis.
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Und zu guter letzt noch ein paar Worte zu der Verbindung, die solche Gestalten zwischen dem Holocaust und der Unterstützung Israels ziehen. Wie moralisch bankrot muss man sein, dieses Verbrechen als (einzigen) Grund dafür zu sehen, dass Israel unterstütz wird? Mir persönlich – völlig frei von einem Doktor-, oder Professorentitel – fallen spontan unzählige andere ein, und der Holocaust wäre für mich beispielsweise keiner; wenn Israel eine Diktatur wäre, wäre es eine Diktatur, und die würde auch durch einen Verweis auf die Judenvernichtung nicht besser werden.Fangen wir also mal mit den Punkten an, die gerade für diese Campus-Gespenster interessant sein sollten. Etwa die Freiheit der Wissenschaft, freie Presse, eine unabhängige Justiz. Daneben würden mir noch einfallen: Pornos, Festivals, Schwule, Clubs, “Konsumterror” und schlechte Fernsehserien…alles halt, was es in der freien Welt gibt. Und warum ich etwas anderes als Verachtung für Leuten übrig haben sollte, die diese Werte verraten, ist mir noch nicht ganz klar.
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4 Kommentare - “Das gute Gewissen wird in Ramallah verteidigt”

  1. פץ Says:

    „Aber es muß auch mal möglich sein, Israel zu loben!“ wird mein neuer Wahlspruch….

  2. Gideon Böss Says:

    Ich hatte hin und her überlegt, ob ich den Artikel auch direkt so nennen soll und ich kann mit gutem Gewissen zugeben, mich dabei falsch entschieden zu haben 🙂


  3. […] “german professors: no more preferential treatment for israel” (ynetnews.com) “das gute gewissen wird in ramallah verteidigt” (der […]


  4. […] von denen hat je gefordert, “dass es möglich sein muss, Israel zu loben.” Gideon Böss, 19.02.08 über die immer auf Kritik bestehenden deutschen „Freunde […]


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