Thomas L. Friedman: Mc Donald`s-Theorie und Dell-Theorie

Sobald ein Land wirtschaftlich so weit entwickelt ist, daß es über eine ausreichend große Mittelschicht verfügt, um eine Kette von Mc-Donald`s-Restaurants zu unterhalten, wird es zu einem McDonald`s Land und Menschen in einem McDonald`s Land führen nicht gerne Kriege, sondern stellen sich  lieber nach Big Macs an. Mit dieser Zuspitzung wollte ich veranschaulichen, daß sich Länder, die in das Geflecht globaler Handelsbeziehungen eintreten und in denen der Lebensstandard (symbolisiert durch die Existenz von McDonald`s-Restaurants) steigt, keine Kriege mehr leisten können – egal, ob sie gewinnen oder verlieren.

Diese Theorie hat in der Folge der Realität ziemlich gut standgehalten. Da es inzwischen praktisch überall – außer in den schlimmsten Schurkenstaaten wie Nordkorea und Iran – McDonald`s-Filialen gibt, schien mir aber eine Aktualisierung der Theorie für die flache Welt geboten. In diesem Sinne – und auch dieses Mal ist die Formulierung als Bonmot gedacht – möchte ich jetzt mit der Dell-Theorie der Konfliktvermeidung aufwarten. Im Kern lautet sie, daß in der flachen Welt die Entstehung und Ausbreitung globaler Wertschöpfungsketten, in denen Produkte just in time – zielgerichtet genau zum Termin der Lieferung der Kunden – produziert werden, die geopolitische Abenteuerlust noch stärker zügeln als der allgemeine Anstieg des Lebensstandards, den McDonald`s symbolisiert.

Die Dell-Theorie besagt: Keine zwei Länder, die in dieselbe weltumspannende Wertschöpfungskette integriert sind, werden jemals Krieg gegeneinander führen. Warum? Weil Menschen, die in solche globalen Prozesse integriert sind, keine Kriege führen wollen. Sie wollen ihre Waren und Dienstleistungen liefern, just in time, und den steigenden Lebensstandard genießen, der damit einhergeht.

Advertisements
Explore posts in the same categories: Nicht kategorisiert

2 Kommentare - “Thomas L. Friedman: Mc Donald`s-Theorie und Dell-Theorie”

  1. Sky Says:

    Sehr interessante Betrachtung, äh, weiter so!

    • muratvözil Says:

      Sehr schön von Thomas Risse-Kappen abgeschrieben…

      Vom Ost-West-Konflikt zur internationalen Unübersichtlichkeit,in: Der Bürger im Staat 45/1995 Heft 1, Seite 3


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: