Theaterkunst vs. Lokomotivenindustrie

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Eben habe ich ein paar Minuten lang die Dankesrede irgendeines Theatermanns auf 3Sat gesehen, die mit der begeistert aufgenommenen Feststellung endete:

Wenn wir nichts riskieren dürfen, haben wir keine Kunst mehr, sondern Unterhaltungsindustrie.

Es ging um die kleinen Theaterbühnen, denen er Mut machte, etwas zu riskieren, andere Wege zu gehen und dabei auch das Scheitern in kauf zu nehmen, denn wer nichts riskiert, siehe oben… Es ist immer wieder erstaunlich, mit was für einer Arroganz solche Säulen der Kultur ausgestattet sind. Nicht nur kommt aus dem Theaterbereich gar nichts innovatives mehr, seitdem irgendjemand vor Jahren auf die Revolution verfiel, Hamlet doch einfach mal mit Anzug und Aktentasche auf die Bühne zu bringen. All die anderen Regie-Genies nahmen das dann zum Anlass ebenfalls innovativ sein zu wollen, und so sah man über Jahre hinweg nur noch Klassiker in Maßanzug. Diese Abgrenzung und Abwertung der „Unterhaltungsindustrie“ (was auch immer da alles drunter fällt) ist aber nur konsequent. Man kann wohl sagen, dass im Theater heute nicht mehr viel los ist, ein bisschen Kapitalismuskritik ist dabei, und solange Peymann noch hoch subventioniert langweilen darf auch Verständnis für die RAF-Mörder, aber sonst ist doch vor allem viel Leerlauf und Routine. Innovationen und neue Ideen kommen aus der Unterhaltungsindustrie. In den USA liefen in den letzten Jahren reihenweiße Projekte an, die das Fernsehen in neue Dimensionen beförderte, während am Theater Hamlet weiterhin mit Aktentasche über die Bühne jammert.

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Und wie ist das mit dem Risiko, wenn der Staat einem Geld für die Realisierung eines völlig uninspirierten Mist gibt, der nur deswegen als Kunst durchgeht, weil er am Theater von selbstgerechten, unkreativen Leuten als Kunst angepriesen wird, die sich immer lautstark von der „Unterhaltungsindustrie“ abgrenzen. Dabei müsste doch der Feind „Langweile“ heißen, denn gegen die müsste in der Theaterszene mal wirklich was unternommen werden. Aber es sei diesen seltsamen Gestalten gegönnt; als die Lokomotive kam, fanden das die Kutscher auch nicht so toll. Diese verdammte Lokomotivenindustrie.

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One Comment - “Theaterkunst vs. Lokomotivenindustrie”

  1. Hamster Says:

    Kunst kommt eigentlich von Können (so wie bspw. auch Gerechtigkeit von Richtigkeit) irgendwie hat sich die Bedeutung verschoben und die Linken versuchen Kunst zu bestimmen. Zum Glück gibt es noch den Markt, der uns allerdings die Machenschaften staatlich gesponsorter „Künstler“ nicht ersparen kann.


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