Der Herr ist kein Hirte, aber Hitchens ein toller Autor

51lkhhz6jfl_aa240_.jpgIch lese gerade Christopher Hitchens Buch Der Herr ist kein Hirte. Und ich kann es nur jedem empfehlen. In einigen Tagen werde ich noch einmal ausführlicher darauf eingehen. Bis dahin nur ein typischer Hitchens Absatz:

Trotzdem bleiben vier Einwände gegen den religiösen Glauben bestehen. Er stellt die Ursprünge der Menschheit und des Universums völlig falsch dar, er verbindet infolge dieses Irrtums ein Höchstmaß an Unterwürfigkeit mit einem Höchstmaß an Solipsismus, er ist Folge und Ursache einer gefährlichen sexuellen Repression, und er fußt letzen Endes auf Wunschdenken. Ich glaube, es ist nicht arrogant, wenn ich behaupte, dass ich diese vier Einwände entdeckte, ehe ich in den Stimmbruch kam.

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22 Kommentare - “Der Herr ist kein Hirte, aber Hitchens ein toller Autor”

  1. Hamster Says:

    „Ich glaube, es ist nicht arrogant, wenn ich behaupte, dass ich diese vier Einwände entdeckte, ehe ich in den Stimmbruch kam.“

    LOL, „Solipsismus“ verstehe ich auch nach dem Stimmbruch noch nicht und …

    „Ich glaube, es ist nicht arrogant, wenn ich behaupte, dass ich diese vier Einwände entdeckte, ehe ich in den Stimmbruch kam.“

    Arroganz würde ich so oder so ähnlich definieren: gepflegte Selbstüberhöhung (mit meist fatalen sozialen Folgen 😉 ).

  2. Gideon Böss Says:

    Was aber viel wichtiger ist, ist, dass er mit seiner Feststellung richtig liegt.

  3. Hamster Says:

    Klar, Hitchens ist schon OK. Allerdings hat das Christentum heutzutage nur noch wenig mit der Ablehnung der Evolutionslehre, geschichtlicher Verfälschung, Ablehnung der Wissenschaftlichkeit und Repression zu tun. An dieser Stelle also eine Warnung vor dem Atheismus, der eine Ersatzreligion darzustellt. (Die Bärtigen haben allerdings fast das Potential selbst El Hamster zum Atheismus zu bekehren. 😉 )

  4. Haiko Says:

    @Hamster: In wie fern ist Atheismus eine Ersatzreligion? Kann es sein, dass das eher eine Art leere Phrase ist die ausschliesslich von religiösen Menschen benutzt wird?

  5. Gideon Böss Says:

    @Hamster

    Ich kann mich Haiko nur anschließen. Und wie kann bitte eine Religion nicht antiwissenschaftlich eingestellt sein, wenn sie ihren Reiz immer mal wieder durch Wunder „beweisen“ muss? Es gibt keine antiwissenschaftliche und antiaufklärerische Lobby, die Mächtiger ist und mehr Unheil bringt, als die Religionen. Und Repression ist neben der Feindschaft gegenüber den Wissenschaften und dem rationalen Denken die andere Säule, auf der Religionen ruhen. Repressionen gegen die eigenen Mitglieder, und dabei zumeist an härtesten gegen Frauen und Kinder. Von der Gewalt gegen die, die sich dem eigenen tollen Glauben nicht anschließen wollen, mal gar nicht zu reden.

  6. Ruth Würsch Says:

    @Hamster
    Solipsismus ist wenn man seine Vorstellung zur absoluten Wahrheit erklärt. Solche absoluten Vorstellungen vernehmen wir tatsächlich in regelmässigen Abständen von rotbeschuhten oder turbantragenden geistlichen Herren und ihrer Entourage. Da hat Herr Hitchens absolut recht. Nicht aber von Rabbinern vernehmen wir das!! Im Judentum haben die Aussagen der Bibel „ siebzigGesichter“ und niemand erklärt das schöner als Frau Bruckstein in „die Maske des Mose“. Meine Herren, was meinen Sie dazu?:

    Die hermeneutische Grundüberzeugung, dass der Sinn einer (biblischen) Aussage sich erst aus dem Späterkommenden erschliesst (…) findet in der Praxis der jüdischen „mündlichen Überlieferung“ reichhaltigen Ausdruck. Innerhalb dieser offenen Überlieferungskette, die die (jüdische) Tradition als einen immerwährenden Kuss beschreibt, erschafft sich der (biblische) Text, das Buch, die Schrift immer neue Gesichter – die (jüdische) Überlieferung spricht von den „siebzig Gesichtern der Torah“. Die „siebzig Gesichter“ werden allerdings dann ausgelöscht, wenn die Offenheit des Prozesses der Auslegung nicht mehr gewährleistet ist, wenn eine Interpretation sich als allein verbindliche ausgibt und sich verabsolutiert…(Almut Sh. Bruckstein, die Maske des Mose, Philo Verlag)
    Es grüsst Sie!
    Ruth Würsch

  7. Hamster Says:

    zu: @Hamster: In wie fern ist Atheismus eine Ersatzreligion?

    Eine Ideenlehre, die besagt, dass es keinen Gott gibt, ist naturgemäss unwissenschaftlich (nicht „antiwissenschaftlich“ 😉 ). Atheisten sind wie fast alle „Isten“ auf dem falschen Dampfer, empfohlen sei hier statt Atheistentum (oder gar Itheistentum, LOL) das gute alte Agnostikertum, das zudem auch wissenschaftlich ist. 😉
    (BTW – kennt jemand den El Hamsterschen Gottesbeweis (erstmals publiziert auf Telegehirn)?)

    Wozu Atheismus führen kann weist auch der ansonsten m.E. brilliante Pat Condell fortlaufend nach. (Unbedingt mal das vid mit dem Jerusalem-Klops reinziehen! 🙂 – Suchen bitte mit einer Suchmaschine Eurer Wahl, fast alles kann bekanntlich mittlerweile im Web gefunden werden, Webverweise sind out. 😉 )

  8. Hamster Says:

    Sorry, nicht Itheisten, sondern Ignostiker, LOL.

  9. Astuga Says:

    Ach was Hamster, den meisten Atheisten ist es doch völlig wurscht, ob es Gott gibt oder nicht!
    Abgesehen von einigen Proponenten (etwa aus der Wissenschaft) haben Atheisten auch keinerlei Diskussionsbedarf oder Missionierungswunsch, natürlich meldet man sich hie und da zu Wort, wenn die Christen mal wieder mit ID daherkommen, Gott in der EU-Verfassung erwähnt haben wollen, oder Muslime wie so oft sich und andere ihrem Gott opfern.

    Außerdem, wie sollte ein derartiger -Ismus aussehen, dessen Glaubenskanon oder Ideologie ja bloß aus diesem gemeinsamen Punkt besteht?
    Aber natürlich liegt der „religiösen Seite“ viel daran, eine Lebensform ohne Gottesglauben als eine Art -Ismus zu definieren.
    Die meisten religiösen Menschen können scheinbar nur in Kategorien von Pro und Contra denken.

  10. Hamster Says:

    Der Atheist weiss, dass es keinen Gott gibt, LOL, das hat doch was. Also ist denen – ganz im Gegenteil zum Ignostiker oder Agnostiker – keinesfalls „Wurscht“ ob es den grossen Systembetreiber gibt oder nicht. (Das sollte eigentlich Standardwissen, nein Schulwissen sein.)

  11. Astuga Says:

    Dann tut es mir leid, wenn ich der lebende Beweise bin, der dein Schulwissen ad absurdum führt. ^^
    Wie heißt es so schön, „Es gibt mir Dinge zwischen Himmel und Erden, als eure Schulweisheit … „

  12. Hamster Says:

    „Mir“ oder „mehr“? :=)

  13. heidi_h Says:

    Ich finde schon allein den Buchtitel widerlich. Er parodiert oder negiert einen der schönsten und poetischsten Texte, die es m.E. überhaupt gibt, den 23. Psalm. Liebe Atheisten, Agnostiker usw.! Mit der Abschaffung des Glaubens würde auch diese Poesie verschwinden! Selbst wenn man überhaupt nicht gläubig ist, sollte man, denke ich, die Bibel als poetisches Werk (nehmt z.B. auch die Weihnachtsgeschichte, Lukas 2 oder die Bergpredigt oder Jesaja oder oder …) kennen. Und wenn man sie kennen würde, würde man möglicherweise auch das eine oder andere von der darin enthaltenen Ethik verstehen, einsehen. Auch die Schöpfungsgeschichte, 1. Mose 1/2 kann man doch als Poesie lesen! Ich (gläubige Christin) lese die Schöpfungsgeschichte durchaus nicht als Tatsachenbericht, sondern als wunderbare Poesie.
    Ich lehne auch die Idee ab, Religion würde zu Repression führen. Ich sehe in der Bibel unerhört viel Befreiendes. Beispiele: Die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Die Befreiung vom Hass durch das Gebot der Nächstenliebe. Die Befreiung von Angst durch Gottvertrauen. Die Befreiung vom Tod durch Jesus.

  14. Gideon Böss Says:

    Ich lehne auch die Idee ab, Religion würde zu Repression führen.

    Dann definieren sie bitte mal, was für sie Repression bedeutet.

    Die Befreiung vom Hass durch das Gebot der Nächstenliebe.
    Die Befreiung von Angst durch Gottvertrauen.
    Die Befreiung vom Tod durch Jesus.

    Heißt das, sie sind frei von Hass, Angst und können auch nicht sterben? Ist ja richtig unheimlich.

    PS: Interessant übrigens, dass schon alleine der Buchtitel ausreicht, um ihre Toleranz zu übersteigen, trotz Nächstenliebe, Gottvertrauen und Jesus.

  15. heidi_h Says:

    Das heißt nicht, dass ich frei von den genannten Dingen bin, sondern:
    a) Nächstenliebe ist ein Ideal, etwas, das man anstreben sollte. Kein Mensch kann dieses Ideal ganz erreichen. Aber man sollte es versuchen.
    b) Ich bin auch nicht frei von Angst. Aber Gottvertrauen hilft gegen Angst. Vgl. Johannes 16/33.
    c) Ich bin sterblich wie jeder andere auch. Ich glaube aber, was im Apostolischen Glaubensbekenntnis folgendermaßen formuliert wird: „Ich glaube … an Jesus Christus … Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Ob Sie’s glauben oder nicht: Das glauben ziemlich viele Leute. (Vielleicht in Deutschland nicht unbedingt… aber das will nicht so viel heißen 😉

    Repression? Ich habe ein Beispiel genannt: Das Volk Israel war in Ägypten in der Sklaverei, litt also ziemlich unter Repression. Es wurde daraus befreit. Das ist ein Beispiel. Ich lese die Geschichte dieser Befreiung als Beispiel. Gott befreite dieses Volk und sprach sich damit für Freiheit überhaupt aus. Was die Menschen draus machen? Darin besteht ihre Freiheit.

    Grüße,

    Heidi

  16. Haiko Says:

    „Liebe Atheisten, Agnostiker usw.! Mit der Abschaffung des Glaubens würde auch diese Poesie verschwinden!“

    Werden bei Atheisten und Agnostikern die Bibeln eingesammelt und verbrannt oder in wie fern würde diese Poesie verschwinden? Wie sie selbst sagen, kann man die Bibel ja sehr wohl aus verschiedenen Gründen lesen. Und selbst wenn man dem Herrn keine Ochsen opfert, verschwindet ein Buch wie die Bibel nicht so schnell.

    „Selbst wenn man überhaupt nicht gläubig ist, sollte man, denke ich, die Bibel als poetisches Werk (nehmt z.B. auch die Weihnachtsgeschichte, Lukas 2 oder die Bergpredigt oder Jesaja oder oder …) kennen.“

    Ich glaube, es gibt inhaltlich und sprachlich beindruckendere Werke als die Bibel, die deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen und dafür weniger Mord und Aberglauben verursacht und verbreitet haben . Wenn man die Bibel kennen sollte, dann wegen ihrer historischen Bedeutung. Und vielleicht noch weil Charlton Heston so ein cooler Moses war.

    „Ich lehne auch die Idee ab, Religion würde zu Repression führen.“

    Ich lehne ihre Idee ab und ersetze sie mit ‚Religion führt zu Repression‘

    „Ich bin auch nicht frei von Angst. Aber Gottvertrauen hilft gegen Angst. Vgl. Johannes 16/33.“

    Überzeugter Selbstbetrug hilft immer gegen Angst. Diverse Drogen sicherlich auch, gut, die sind dann bestimmt Gesundheitsschädlicher als Gottvertrauen, aber ansonsten schenken sie sich nicht viel.

    „Ich glaube … an Jesus Christus … Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.” Ob Sie’s glauben oder nicht: Das glauben ziemlich viele Leute.“

    Wenn das beste Argument für ein Leben nach dem Tod „Das glauben viele Menschen“ heisst, stehen die Chancen dafür ziemlich schlecht.
    Schade.

  17. Gideon Böss Says:

    @ heidi-h

    Sie beweisen ja durch ihre Argumente, wie richtig Hitchens mit der oben zitierten Aussage über den religiösen Glauben liegt:

    Er stellt die Ursprünge der Menschheit und des Universums völlig falsch dar, er verbindet infolge dieses Irrtums ein Höchstmaß an Unterwürfigkeit mit einem Höchstmaß an Solipsismus, er ist Folge und Ursache einer gefährlichen sexuellen Repression, und er fußt letzen Endes auf Wunschdenken.

    Und auf Wunschdenken fußt auch bei ihnen alles.

  18. Gideon Böss Says:

    @heidi_h

    Dann würde es mich aber doch interessieren, was sie von dieser Stelle (stellvertretend für viele ander) halten. Aufklärerisch, moralisch oder einfach nur verabscheuenswürdig?

    „In dieser Nacht gehe ich durch Ägypten und erschlage jeden Erstgeborenen bei Mensch und Vieh“, (Exodus 12,12)

  19. heidi_h Says:

    Es lebe die Freiheit!

  20. vonhaeften Says:

    Wie man sieht, endet die Diskussion an dieser Stelle, weil heidi_h die Argumente ausgehen…

  21. Hamster Says:

    Wenn Atheisten und Theisten miteinander streiten grunzt der Agnostiker.


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