Im Oktober wird zurückgeschossen

(Wäre zwar auch mit der Teilnahme an einer Butterfahrt überfordert, aber beim Versuch die Welt zu retten dreht ihr wenigstens niemand eine Heizdecke an.)

Die Zahl der Teilnehmer übertrifft nur knapp die der Infotische. Der DGB tritt für friedliche und zivile Konfliktlösung ein, ebenso verdi. Nur der Rote Oktober nicht, der will kämpfen. Gegen den Imperialismus. Aber einig sind sie sich dann doch alle wieder darin, dass die Deutschen aus Afghanistan abziehen müssen. An besten sofort.

So verging der Antikriegstag 2007 in Berlin. Ein Sammelsurium skurriler Gruppen nutzte die Gelegenheit, sich den anderen skurrilen Gruppen vorzustellen. Außenstehende hatten wenig Interesse daran, sich von wildwuchernden Revolutionsbärten erklären zu lassen, warum wir nicht nur alle belogen werden, sondern der Krieg auch zum Kapitalismus gehört, wie die Schwäche für Parallelrealität zum strammen Kommunisten. Der kampfbereite Rote Oktober verteilte Flyer, auf denen erklärt wird, wann Siemens den ersten Kontakt nach Afghanistan entwickelte. Nämlich schon 1925. Das ist so entlarvend, das spricht für sich! Und weil mit dem Imperialismus keine Kompromisse möglich sind, kann es nur eine Lösung geben: er muss gänzlich beseitigt werden. Die Endlösung der Imperialismusfrage sozusagen. Und das konsequenterweise am Jahrestag des Kriegsbeginns. Wenn die Roten Oktoberwiki nicht schon so weit aus der Realität gefallen wären, wie es Hitler in seinen schlimmsten Tagen war, man könnte es ihnen glatt übel nehmen.

Und weil keine Ansammlung von Idioten komplett wäre, wenn sich ihr nicht auch ein paar Nahostexperten anschließen würden, gab es auch einen Stand des „Nahost-Komitee der Berliner Friedenskoordination“. Der Name klingt genauso locker, wie es die Koordinatoren sind. Es geht bei ihnen viel um israelische und jüdische Lobbys. Überhaupt können sie Juden im Allgemeinen nicht leiden, stehen aber im Speziellen sehr auf „die berühmte israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer“ und den „jüdischen Gelehrten Norman G. Finkelstein“. Was aber vielleicht daran liegt, dass die Juden ja auch nicht wirklich leiden können und noch dem letzten Berliner Antisemiten, der zu feige ist, zu seiner Passion zu stehen, zubilligen, kein Antisemit zu sein, sondern im Gegenteil ein Opfer der jüdischen und israelischen Lobbys. So schliesst sich der paranoide Kreis. Und nächstes Jahr treffen sie sich dann alle wieder, unter dem Motto:

„Nie wieder Krieg gegen Faschisten.“

(Übrigens: einen Bericht über die Münchener Klone der Berliner Zombies gibt es hier. Von da ist auch das Foto, ich habe selber keine gemacht.)

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4 Kommentare - “Im Oktober wird zurückgeschossen”

  1. Adrian Says:

    Freaks…

  2. Anonymous Says:

    Hoffentlich wartest Du nicht bis Oktober. Deine Schüsse passen im Januar, Februar, März….

  3. ex-blond Says:

    Mal grundsätzlich: ich denke, es gibt keinen Menschen der voraussetzungslos „für Krieg“ ist.

    Übrigens, obwohl ich über die Bildunterschrift gelacht habe – könntest Du nicht einen anonymisierenden Balken über das Gesicht der Frau malen?

  4. Hamster Says:

    „Mal grundsätzlich: ich denke, es gibt keinen Menschen der voraussetzungslos „für Krieg“ ist.“

    Es gibt keine Menschen die voraussetzungslos für irgendetwas sind.

    „Übrigens, obwohl ich über die Bildunterschrift gelacht habe – könntest Du nicht einen anonymisierenden Balken über das Gesicht der Frau malen?“

    Die Fotos sind von Liza, Liza hat sich die Erlaubnis eingeholt.
    (So behauptet er zumindest 😉


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