Nazis gibt es doch gar nicht


Mügeln ist wieder ein Orte mehr, der auf der Suche nach deutschen Neonazis von der Liste gestrichen werden muss. Die gibt’s da nicht, beruhigt der Bürgermeister: „Ich muss das eigentlich verneinen. Die Kleinstadt Mügeln mit 5000 Einwohnern, wo sich eigentlich jeder kennt – es ist nicht bekannt, dass es hier rechtsextreme Gruppierungen gibt.“

Mehrere Inder wurden gerade durch die nazifreie Stadt getrieben und angegriffen. Und wenn das ganze unter dem Schlachtruf „Hier regiert der nationale Widerstand“ stattfindet, kann man wirklich beruhigt sein. Denn das klingt so gar nicht nach Nazis, die hätten eher aus „Deutschland – Ein Wintermärchen“ oder „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ vorgelesen.

Überhaupt kommt dieser multikulturelle Abend etwas arg negativ weg. Das heißt es bei SPON lapidar „Die Angreifer traten die Tür der Gaststätte ein. Rund 70 Polizeibeamte drängten die Angreifer dann ab. Bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen wurden acht Inder und vier Deutsche verletzt. Zahlreiche Schaulustige hatten sich den Überfall mit angesehen, ohne den Verfolgten zu helfen.“ Aber dass die Schaulustigen auch den Verfolgern nicht halfen, wird nicht erwähnt. So kann man natürlich alles schlecht schreiben.

Außerdem ist doch Fakt, was der Bürgermeister sagt: „Der Alkohol hat um diese Zeit eine Rolle gespielt – und außerdem war plötzlich mal was los.“ Und weil man weiß, dass der Alkohol noch aus jedem einen Nazi gemacht hat, und halt auch nix los war, gibt es auch keinen Grund, wegen diesem etwas wüsten Spaß so ein mediales Geschrei zu veranstalten. Heut sind doch wieder alle nüchtern.

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6 Kommentare - “Nazis gibt es doch gar nicht”

  1. Franklin D. Rosenfeld Says:

    „Aber dass die Schaulustigen auch den Verfolgern nicht halfen, wird nicht erwähnt. So kann man natürlich alles schlecht schreiben.“

    Sehr schoen gesagt. Zumal, und das sollte man auch nicht vergessen, ueberhaupt noch nicht klar ist, dass diese Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatte! Vielleicht waren die Inder Schalker, und das gefiel den Muergelern nicht?

  2. Hamster Says:

    Wenn deutscher Mob Ausländer verprügelt, dann ist es Ausländerfeindlichkeit und Hassverbrechen, wenn es andersrum geschieht, dann kommts nicht oder nur an untergeordneter Position in die Medien.

  3. Anonymous Says:

    Wie steht bei SPON:

    „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählte ein junger Mann SPIEGEL ONLINE. „Da waren am Ende alle dabei, von jung bis alt, vom Punk bis zum Skinhead.“ Von einem reinen Neonazi-Überfall könne keine Rede sein.

    Das ist wieder einer der Momente, da möchte ich mich einfach nur entschuldigen, ein „Ostdeutscher“ zu sein…

    willow

  4. Hamster Says:

    „Das ist wieder einer der Momente, da möchte ich mich einfach nur entschuldigen, ein „Ostdeutscher“ zu sein…“

    In unmittelbarer Nähe meiner Wohnung liegt ein ehemaliger Stützpunkt der Alliierten, als die weg waren zogen dort mehrere tausend(!) Ausländer [1] ein, die meisten Russen, aber auch einige Türken und Osteuropäer. Ich habe Einblick in die dortige Jugendszene, da ist Mügeln jeden Tag, betroffen manchmal Deutsche, oft beheizen sich aber Gangs gegenseitig, auch Väter mischen mit, wenns hart auf hart kommt. Ethnienspezifische Beleidigungen sind da noch harmlos.
    😉

    Aber wir Deutschen stehen ja darauf uns selbst mit Vorwürfen der Ausländerfeindlichkeit und des Hassverbrechens zu überziehen. Schade, dass auch bürgerliche und liberale Medien dieses Spiel so gerne mitspielen.

    [1] Hintergrund hier, dass die Ghettobildung finanziell gefördert wird (EU, D, Bundesländer, Kommunen) und der Bürgermeister der Verlockung der „Ghetto“-Einrichtung nicht wiederstehen konnte.

    PS:
    Am kräftigsten zugelangt hat dieses mal Henryk Broder:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/immer_auf_die_nachbarn/

    („Reichskrisallnacht“, „Synagoge“, „Nazis“, „Pogrom“, „Klappe aufreissen“ – ein peinlicher assoziativer/metaphorischer Fehlgriff)

  5. Anonymous Says:

    um die Diskussion mal wieder etwas zurück zum Thema zu bringen…. hier gibt es einen wirklichwirklich interessanten Artikel von Lutz Rathenow (interssanter Mensch!) zu Mügeln – überaus lesenswert, auch und gerade für Nicht-Ostdeutsche:

    http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/meinung_und_debatte/meinung_und_debatte/?sid=aa014e345796c7f4f011c30ef14dd172&em_cnt=404682

    willow


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