Berlin Alexanderplatz

Als hätten die Irren sich abgesprochen. Gleich drei total kaputte Truppen waren gestern auf dem Alex aktiv. Keine zwanzig Meter vom S-Bahn Ausgang entfernt warteten schon die Scientologen. Gut erkennbar an ihrer sonderbaren Kluft, die wie eine Mischung aus Post-, und McDonalds Uniformen aussieht. Auf ihren Tischen stehen die Werke des Sciencefiction Autoren L. Ron Hubbard, außerdem komische Instrumente, mit denen die Zufriedenheit der Menschen getestet werden kann. Die Mitglieder schwirren immer wieder in die Menschenmengen aus. Sprechen Vorbeieilenden an, die sich im vorbeieilen aber nicht aufhalten lassen. Der Büchertisch lockt hin und wieder Literaturliebhaber an, die einen Flohmarktverkauf vermuten. Kaum ist der Irrtum erkannt, fliehen sie zu Dussmann. Die Berliner sind scheinbar noch nicht reif für das Thetanzeitalter.

Als nächstes folgt direkt vor dem Eingang zum Kaufhof eine Truppe, die gegen den Verkauf israelischer Produkte protestiert. Außerdem werden Reisefreiheit für palästinensische Selbstmordattentäter und ein Ende der Besatzung gefordert. Irgendwie hasst man Israel, wills aber nicht so gesagt haben. Veranstaltet wird dieses zwölf Personen Event von einem Verein, der „Juden für eine gerechte Endlösung“, oder so ähnlich, heißt. Der Publikumserfolg ist recht bescheiden. Er geht gegen Null.

Und direkt daneben wartet die Büso. Deren Mitglieder sind viel engagierter. Da wird man noch kumpelhaft schmierig von der Seite angesprochen. „Bekommt ihr mit, was gerade in der Welt passiert?“ Und da passiert ja allerhand. Die Mächtigen „mit den dicken Bäuchen“ vermehren ihr Vermögen an der Börse, während die Armen am Hungertuch nagen. Und weil die Welt nun mal in genau zwei Gruppen zerfällt – nämlich die Dickbäuchler und die Hungernager – muss da was getan werden. Und die Büso will viel tun. Sie will Atomkraft statt Windräder. Sie will die D-Mark zurück. Sie will das Grundgesetzt beibehalten, aber dennoch einen viel, viel stärkeren Staat („Nein, nicht die DDR, aber etwas in die Richtung“). Ach ja, und außerdem steht die Börse kurz vor dem Kollaps. „Erinnert euch das an ein geschichtliches Ereignis?“, mahnt unsere Büsofrau, und zeigt bewundernswert viel Entgegenkommen, als sie die Antwort „Ja, ans Ende des Römischen Reichs„, gelten lässt.
Doch das Herzstück der neuen Büso-Welt ist die Eurasische Landbrücke. Von England bis Argentinien und von Norwegen bis Südafrika. Die ganze Welt soll durch ein gigantisches Infrastrukturprojekt miteinander verbunden werden. Wer mehr darüber erfahren will; vielleicht stehen sie ja nächste Woche wieder da…

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4 Kommentare - “Berlin Alexanderplatz”

  1. Franklin D. Rosenfeld Says:

    “ Gut erkennbar an ihrer sonderbaren Kluft, die wie eine Mischung aus Post-, und McDonalds Uniformen aussieht.“

    Keine Beleidigungen des segensreichen McDonald’s bitte 😉

  2. Gideon Böss Says:

    Niemals! Ich habe McDonalds ja auch in meiner Linkliste!
    Und wenn ich was zu kritisieren habe, dann, dass es in Deutschland noch keinen Mc-Lieferservice gibt.

  3. Franklin D. Rosenfeld Says:

    Ich fuehle mit. Und bestelle jetzt gleich noch einen Fuchsbau-Solidaritaets-Doppel-Cheeseburger.

  4. Anonymous Says:

    die antwort auf die büso-frage war wirklich gut.
    früher standen diese spinner immer an der friedrichstrasse.
    bei mir haben sie schlecht über arnold und alan greenspan geredet.
    da war das gespräch dann beendet.


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