Meinungsfreiheit – braucht man das?

Via AchGut lese ich von einer Umfrage des Allensbacher Institut für Demoskopie. Die Frage lautete:

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’Ich frage mich, was das für eine Freiheit sein soll, in der Millionen arbeitslos sind, immer mehr Leute von Sozialhilfe leben müssen und die Großindustrie Rekordgewinne macht. Auf so eine Freiheit kann ich verzichten’

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67% der Befragten stimmten diesem Stammtischgeschwätz, das übrigens zugleich das politische Programm von Udo Voigt und Oskar Lafontaine ist, zu. Warum so viele Deutsche damit beschäftigt sind, sich gegen die Freiheit zu wehren, indem sie ihre Stimme denen geben, die ihnen die Stimme nehmen werden, sobald sie genug Stimmen bekommen haben, ist ein irritierendes Phänomen. Wie kann es beispielsweise sein, dass nur ein paar Jahre nach dem Ende des jahrzehntelang real existierenden Massenmord im kommunistischen Osteuropa, viele Ex-DDRler ihr Gefängnis dann doch so angenehm fanden, dass sie ihre damaligen Wärter nicht fallen lassen und nun vereint mit ihnen und den Autoritätshörigen und Freiheitsfeinden des Westens eine Partei auf die Beine gestellt haben??? Eine Partei, die gleichzeitig die Rechten rechts und die Linken links überholen kann, weil diese beiden Ideologien zumeist eh auf die gleichen Ziele hinsteuern: Antikapitalismus, Antiamerikanismus Globalisierungsfeindlichkeit, Faschisten-, und Antisemitenunterstützung.

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Überhaupt verstört schon die Art der Fragestellung: „Auf so eine Freiheit kann ich verzichten.“ Es klingt, als wäre die Freiheit etwas, was dem armen Michel aufgedrängt wird. Dementsprechend kritisch geht er mit ihr um, testet sie ein bisschen, vergleicht sie mit seinen anderen Optionen – totalitärer Staat und totalitärer Staat inklusive Endlösung – und merkt dann kritisch an, dass ihn das Produkt Freiheit auf Dauer nicht überzeugen kann. Doch was für andere Freiheiten werden denn unter dem “so“ zusammengefasst? Ja offenbar nicht die Freiheit frei leben zu können.

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6 Kommentare - “Meinungsfreiheit – braucht man das?”

  1. Der Erweiterte Kunstbegriff Says:

    Der Denutziantenrotzlöffel schreibt über Meinungsfreiheit. Wie drollig is das denn?

  2. mitglied der-franz-werfel-jugend Says:

    Kunstbegriff, du bist super! Nicht nur, weil du zu deiner Dummheit stehtst, nein, auch weil du die aus deiner Dummheit erwachsenden Gedanken gar nicht erst zu Begründen brauchst. Ab einem bestimmten Niveau ist halt eh alles egal.

  3. Hamster Says:

    Nach T.Pratchett sind bisher weniger als 1% der Menschen im Sinne der europäischen Aufklärung aufgeklärt gestorben.

    Wenn man das deutsche Bildungsniveau nimmt, dann haben vermutlich 90% der Bevölkerung das o.g. Konzept nicht verstanden und die Hälfte derer, die es verstanden haben, lehnen es ab.

    Insofern sind die 38%, die dem fröhlichen „Auf so eine Freiheit kann ich verzichten.“ nicht zustimmen, schon sehr erfreulich.

    Wer sich en detail und „vor Ort“ über gesellschaftliche Systeme informieren will, dem seien die disc world-Romane von Pratchett ans Herz gelegt. 😉

  4. heplev Says:

    Nu, vielleicht hat auch der Totalitarismus seine Stockholm-Syndrom-Opfer. Was meinst du wohl, wie viele Leute die Nazis auch nach 1945 noch gewählt hätten, wären sie nicht verboten worden? Bis zum Beginn der wirklichen Aufarbeitung der 1000-jährigen Geschichte von (auch vor) 1933-1945 hat es in der Bundesrepublik auch genügend lange gedauert: Die Kinder der Nazi-Generation haben erst wirklich hinterfragt; davor waren aktive und noch lebende Widerständler nicht sonderlich beliebt. Wir sollten uns also nicht wundern, dass die Linksfaschisten Erfolg haben: Es hat keine „Ent-Honeckerisierung“ gegeben, keine Entkommunistisierung, nichts. Die Verbrecher konnten ideologisch weiter machen, ohne dass ihnen jemand in den Arm gefallen ist!

  5. Astuga Says:

    Das hat Franz Werfel nicht verdient!

  6. ex-blond Says:

    Ich stelle das jetzt einfach mal hierzu, ohne dass der Bezug zum Inhalt Deines Artikels direkt gegeben ist 😉

    Heute Morgen hatte ich folgenden Gedanken: Freiheit kann nur wirklich schätzen und haben wollen, wer auch innerlich erwachsen geworden ist: d.h. selbstverantwortlich und willentlich unabhängig vor der Gängelung anderer (die ja auch ein Stück Sicherheit bedeutet) sein will. Und dieses Prinzip gilt vermutlich auch auf der Makro-Ebene, also für Menschgruppen, für Länder, Staaten und Völker. Es gibt Gruppen, die sind eher ‚erwachsen’, viele hingegen sind noch in der Pubertät. Vielleicht sind die USA das erwachsenste Land, zumindest vom Konzept her.


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