Archiv für Juni 2007

Warum ist Äquidistanz bescheuert?

Juni 30, 2007


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Weil nach ihr der nächste Börne-Preisträger Alfred Grosser heißen müsste.

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Ein antisemitischer Straßenfeger

Juni 28, 2007

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Die Berliner Obdachlosenzeitschrift “Der Strassenfeger“ befasste sich aktuell mit dem Sechstagekrieg von 1967. Erfrischend ungezwungen wusste der Autor von jüdischen Kriegstreibern, jüdischen Landräubern, jüdischen Terrorbanden und jüdischen Schädlingen zu berichten. (Mehr dazu hier.) Ich schrieb heute eine E-Mail an die Redaktion, auf die auch direkt eine Antwort folgte. Verfasst wurde diese vom Autoren des Artikels selbst. Ebenso unbeschwert, wie er in der Zeitschrift antisemitische Klischees aufgreift, und für Fakten hält, ist er auch im privaten Umgang. Zwar geht er nicht direkt auf meine Mail ein, dafür nutz er aber die Chance, all die judenfeindlichen Vorurteile in seiner Antwort unterzubringen, die wohl aus Platzmangel von der Endredaktion aus seinem Schmutzigen Krieg der Zionisten rausgekürzt wurde. Hier die beiden E-Mails:

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Gideon Böss
an redaktion@strassenfeger-berlin.de
cc info@strassenfeger-berlin.de
datum 28.06.2007 09:47
betreff Frage an die Redaktion und an scharmann

Guten Tag liebe Macher vom Straßenfeger, ich hätte eine Nachfrage bezüglich ihres Artikels „Der schmutzige Krieg der Zionisten.” Zuerst einmal würde es mich interessieren, weshalb von “Zionisten” die Rede ist, wo doch “Israelis” das richtige Wort wäre. Außerdem verstehe ich nicht ganz, weshalb jemand diesen Artikel schreiben darf, der so offensichtlich keine Faktensicherheit hat, und dieses Fehlen durch ein Übermaß an plumpen antiisraelischen Vorurteilen auszugleichen versucht? Hier nur ein paar Beispiele.

“Was Theodor Herzl im Jahre 1896 beschrieben hatte, nämlich eine religiös motivierte Bewegung in Richtung Jerusalem, brachte den Menschen, die seit zwei Jahrtausenden dort lebten, zuerst nur eine sehr unbedeutende, eher touristische Schar ein.”
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Es handelte sich um eine Nationalbewegung, die tiefe Wurzeln in der Arbeiterbewegung hat. Die führenden Zionisten waren säkulare, oft assimilierte Juden, die irgendwann die Illusion verloren, dass Juden in den europäischen Staaten als akzeptierte Mitbürger werden leben können. Bitte klären sie mich über die religiöse Motivierung auf, die ihr Autor in den Werken “Der Judenstaat” und “Altneuland” (ich gehe davon aus, dass er diese Bücher gelesen hat) entdeckt haben will.

.“Es ist eine Tatsache, dass am Tag der Gründung des Staates Israel nur drei Prozent des Landes den neuen Eigentümern gehörten. Wie heute sämtliche Historiker bestätigen. Ebenso ist unbestritten, dass sich gegen die Landnahme der jüdischen Siedler anfangs nur wenig Widerstand regte.”
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Bitte klären sie mich über das Zustandekommen ihrer drei Prozent-These auf. Der zweite Satz ist im Übrigen so ausgesprochen dumm, dass ich dazu nichts weiter sagen werde. Selbst in einer Schülerzeitung würde er die journalistischen Mindeststandards nicht erfüllen.
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“Daher lehnten viele Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga diesen Beschluss ab – damit war ein permanenter Konfliktherd entstanden, da es nicht zur Bildung eines palästinensischen Staates gekommen ist.”
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Wer wollte 1948 einen Palästinenserstaat? Bitte reichen sie mir die Unterlagen weiter, in denen davon die Rede ist. Außerdem vergessen sie zu erwähnen, dass ein arabischer Staat gegründet wurde, der den Großteil des ehemaligen Mandatsgebiets Palästina einnimmt. Dieser Staat heißt Jordanien.
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“Es ist von entscheidender Bedeutung festzuhalten, dass die Regierung des Staates Israel immer und immer noch auf die kriegerische Lösung von Konflikten setzt. Doch immer noch ist auch die Mehrheit der Israelis der Auffassung, dass Konflikte nicht anders gelöst werden können.”
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Sie kennen sicher die Fernsehbilder von Friedensdemos in Tel Aviv oder Jerusalem? Wie oft haben sie solche Bilder aus Damaskus, oder Ramallah oder Gaza gesehen?
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Liebe Strassenfeger-Redaktion. Ich erwarte auf meine E-Mail eine angemessene Antwort, da ich es widerliche finde, in was für einem Stil sie hier über ein Land berichten, das seit Jahrzehnten Opfer von Terror ist, dessen Vernichtung das erklärte Ziel des iranischen Präsidenten ist, und das die einzige liberale Demokratie im Nahen-Osten ist. Ist ihnen bewusst, dass nur in Israel Religionsfreiheit gewährleistet ist, dass schwule Palästinenser nach Israel fliehen, weil sie in Gaza oder dem Westjordanland aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Angst um ihr Leben haben müssen, dass nur in Israel eine freie Presse existiert, die Regierung kritisiert werden kann, und dass israelische Araber mehr Freiheiten und mehr Lebensqualität haben, als syrische, jordanische und palästinensische? Schämen sie sich eigentlich nicht für diesen Artikel? Wenn nicht wegen dem Hass auf Israel, der aus jeder Zeile herauszulesen ist, so doch wegen dem Ignorieren jeder Art von journalistischer Sorgfaltspflicht?
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Ich sage es ganz ehrlich, mir ist es eigentlich egal, was ihr euch denkt. Nach diesem Hetzartikel habe ich das letzte Mal eure Zeitschrift gekauft. Wenn ich durch mein Geld solches Gedankengut fördere, verzichte ich da gerne drauf. Nach Gesprächen mit Bekannten kann ich sagen, dass ich mit dieser Entscheidung nicht alleine stehe.
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Mit freundlichen Grüßen
Gideon Böss
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anscharmann@web.de
an gideonboess@googlemail.com
datum 28.06.2007 21:36
betreff Zu “Frage an die Redaktion und an scharmann”
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Guten Tag, Herr Böss,

Ihre Post ist mir zugegangen. Zuerst habe ich Ihnen mitzuteilen, dass ich nicht im Namen der Redaktion des strassenfeger antworte. Doch da Sie sich in Ihrem Betreff auch an mich wenden, erscheint es mir nur angemessen, Sie nicht zu enttäuschen.
Ihre moralisierenden Aussagen ( Übermaß an plumpen antiisraelischen Vorurteilen , ausgesprochen dumm , widerlich , schämen Sie sich eigentlich nicht , Hetzartikel ) werde ich selbstverständlich nicht besprechen. Dass Ihr Anlaß, uns zu schreiben, offensichtlich nicht darin begründet ist, uns Ihre eigene Position nahebringen zu wollen, zeigt der abschließende Teil Ihres Briefs, in dem Sie auch gern die Form der Anrede ändern: …mir ist es eigentlich ganz egal, was Ihr Euch denkt. – Übrigens erscheint es mir unsinnig, dass Sie den strassenfeger ablehnen wollen, weil Ihnen EIN Beitrag nicht zusagt. Soviel also zur freien Meinungsäußerung. Kalmieren Sie sich! Werden Sie wesentlich! Stellen Sie Ihre Position dar! Halten Sie es mit Hegel: Das Wahre ist das Ganze.
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Ebenso ist es ein ausgesprochen schwächliches Vorbringen, wenn Sie mit den zustimmenden Auffassungen Ihrer Bekannten argumentieren. Es zeugt von Ihrer sozialen Kompetenz, dass Sie Ihren Freundeskreis nach Ihrer Fasson auswählen. Allerdings sprechen wir in der Philosophie in diesem Falle von einer unerlaubten Verallgemeinerung. Halten Sie Ihre und die Ansichten Ihrer Freunde für die herrschende Meinung im Sinne der Rechtsphilosophie?
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Dazu teile ich Ihnen mit, dass die 30. UN-Vollversammlung bereits am 10.11.1975 den Zionismus als eine Form des Rassismus und der Rassendiskriminierung verurteilt hat. Schon am 23.3.1970 waren die israelischen Terrormaßnahmen gegen die arabische Bevölkerung in den seit Juni 1967 besetzten Gebieten durch die UN-Menschenrechtskommission verurteilt worden. In anderen Resolutionen wurde der Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten gefordert. – Im Übrigen lehne ich Formulierungen wie israelische Terrormaßnahmen – auch wenn sie von der Menschenrechtskommission benutzt werden – ab. Sie sind nicht nur sprachlogisch, sondern vor allem inhaltlich einfach falsch.
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In diesen Zusammenhang stelle ich Ihr Vorbringen, dass es sich in der Überschrift um Israelis anstelle von Zionisten hätte handeln müssen. In Begriffsbestimmungen (bei Ihnen: das richtige Wort – sic!) werden inhaltliche und formale Zusammenhänge gefaßt. Nicht die Bevölkerung Israels führte im Juni 1967 einen Krieg. Übrigens einen Angriffskrieg. – Schlagen Sie den Begriff des Zionismus in Ihrem Brockhaus nach! Damit erlischt auch Ihr Vorbringen bezüglich Theodor Herzls. – Obwohl ich nicht versäumen möchte, Sie darauf hinzuweisen, dass Ihr Begriff der Nation sich in einer Schieflage befindet. Sie wissen nicht, dass als Kriterien dieser Bestimmung neben der gemeinsamen Kultur auch die Gemeinsamkeit des Territoriums, des Wirtschaftslebens (Schaffung eines inneren Marktes) und der Sprache gelten. Schon im Brockhaus finden Sie den Hinweis, dass in der zionistischen Bewegung die hebräische Sprache sich erst im Jahre 1913 als allgemeingültig durchzusetzen begann. Übrigens per Beschluss. – Als Illustration: Zur Zeit der Französischen Revolution von 1789 existierte de facto keine französische Nation. Nur ca. acht Prozent der Bewohner des Königreichs konnten sich in der Amtssprache verständigen.
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Ihr Vorbringen zu den Eigentumsverhältnissen an Grundbesitz im eben erst gegründeten Staat Israel kommt über die abstrakte Negation leider nicht hinaus. Falsifizieren Sie! – Zu den Anfängen einer widerständischen Bewegung von arabischer Seite: von Ihnen leider gar nichts.
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Dafür zitieren Sie mich gerne falsch, denn verkürzt. Bei mir hieß es: Angesichts der über Jahrtausende am jüdischen Volk verübten Verbrechen, besonders aber nach den Schrecken der Vernichtungslager, war die Frage, dass somit die Rechte der arabischen Bewohner Palästinas unterdrückt wurden, ganz offensichtlich zur Nebensache geworden. Daher lehnten viele Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga diesen (UN-)Beschluss ab… – So der dargestellte Zusammenhang. Hier wird außerdem gesagt, da es nicht zur Bildung eines palästinensischen Staates gekommen ist. Ich lese immer noch IST. Sie deuten an: WAR. Meine Aussage bezog sich auf die Missachtung der Selbstbestimmungsrechte der arabischen Bewohner, die wie Sie sehr genau wissen – bis auf den heutigen Tag fortbesteht. Ihre Einlassung bezüglich Jordaniens ändert nichts an der Tatsache, und das ist die Aussage dieses Beitrags, welche Besatzungsmachtrechte die israelische Regierung sich seit vierzig Jahren anmaßt.
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Anschließend kommen Sie nun mit Fernsehbildern von Friedensdemonstrationen in Tel Aviv und Jerusalem daher. Dann berichten Sie bitte auch, wie viele Millionen Bewohner Israels sich an diesen Demonstrationen beteiligen! Der wesentliche Zusammenhang erschließt sich bei den Wahlen zu einer repräsentativen bei Ihnen: liberalen Demokratie. Wie Ihnen bekannt ist, hat eine Initiative Frieden jetzt keine Wahlerfolge zu feiern. Dass in besetzten Gebieten eher selten Friedensdemonstrationen stattfinden, wird Ihnen aus der Geschichte bekannt sein. – Mit liberal meinen Sie sicherlich freiheitlich ? Als Beschreibung der Herrschaft, die über besetzte Gebiete ausgeübt wird? Oder wollen Sie z.B. die Wassergesetzgebung bezweifeln? Die Einbehaltung der Zoll- und Steuergelder durch die israelische Regierung? Die Vertreibungspolitik, die ich angedeutet habe? Ist Ihnen denn bewusst, welches Unrecht Sie durchgehen und gelten lassen wollen? Nicht allein die Shoa, sondern auch die Analyse der modernen Verhältnisse hat uns zu beschäftigen! Offensichtlich braucht es soviel strassenfeger eben doch.
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Ich möchte mich abschließend nicht damit aufhalten, dass ein Land natürlich nicht Terroropfer sein kann. Sie meinen die Bevölkerung Israels. Dann nehmen Sie die arabische Bevölkerung der besetzten Gebiete mal mit dazu wie oben angedeutet! Auch Ihr Vorbringen, dass ja der iranische Präsident… Relativieren Sie doch: Auf diesem Planeten wird unter jeder Menge an durchgeknallten Präsidenten gelitten. Was wäre mit Ihrem Argument geklärt? Auch muss bezweifelt werden, dass die israelische Regierung Aufenthaltsgenehmigungen für Schwule, Lesben, Transen usw. in einem Maße gewährt, von dem Sie sprechen. Wir hätten von zehn bis zwölf Prozent der palästinensischen Bevölkerung zu reden so die Schätzungen. Ihren Ansichten fehlt es an Substanz: ….dass israelische Araber mehr Freiheiten und mehr Lebensqualität haben… Damit sollten Sie mit vier Millionen Vertriebenen sprechen!
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Bedauerlicherweise kommen Sie ex cathedra daher. Daran werde ich mit meiner Antwort nichts ändern können. Allerdings bitte ich Sie falls Sie mir schreiben möchten darum, die Umgangsformen zu wahren. Gern bin ich dann auch bereit, Sie über die Entstehung einer Arbeiterbewegung übrigens immer lauter national abgegrenzte Entwicklungen aufzuklären. Denn von tiefen Wurzeln kann nicht die Rede sein. Nehmen Sie die zionistische Sammlungsbewegung Rußlands als Beispiel: Von welchem Proletariat möchten Sie sprechen? Schlagen Sie bei Lenin nach!
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Ganz zu schweigen davon, dass Sie sich hochnotpeinlich im Ton vergriffen haben.
scharmann

Wer die Hamas nicht bekämpft, muss belohnt werden.

Juni 25, 2007

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Alle Welt will Abbas nun finanziell unterstützen. Und warum: Weil er auf der ganzen Linie versagt hat. Kein Wunder, dass die Palästinenser nie etwas Konstruktives hinbekommen, wenn sie immer nur für das Gegenteil belohnt werden.

Wir lassen uns das Atmen nicht verbieten!

Juni 25, 2007

Gewidmet all meinen Freunden, die das Wochenende wegen Asthma im Krankenhaus verbrachten.

Aufrechte Demokraten

Juni 23, 2007


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Für den SPD-Abgeordneten Klaus-Uwe Benneter ist die Verkörperung Graf von Stauffenbergs durch Tom Cruise ein „Schlag ins Gesicht aller aufrechten Demokraten.“ Und ich dachte bisher immer, einen wie Staufenberg als aufrechten Demokraten zu bezeichnen, wäre ein Schlag ins Gesicht aller aufrechten Demokraten.

e pluribus unum

Juni 21, 2007

Übrigens: Dieses Blog ist verboten! Und ja, die die Macher haben mich mit dieser South-Park Version meiner selbst bestochen.

Ryan Adams

Juni 18, 2007


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Nur zu empfehlen!