Die Linke und der Antifaschismus

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Aktuell sorgt das Buch “What’s Left?: How Liberals Lost Their Way ” in England für Aufsehen. Autor ist Nick Cohen. Er wirft der Linken vor, ihre Ideale verraten zu haben. Auszüge aus einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Cohen, Sie stammen aus einer bewusst linken Familie, waren selbst stets links – und rechnen in einem der aktuell erfolgreichsten politischen Bücher Großbritanniens gnadenlos mit der Linken ab. Was ist passiert?

NICK COHEN: Die linke Bewegung hat, bei allen Fehlern und Irrtümern, im 20. Jahrhundert einen Kern, auf den sie stolz sein kann: ihren Widerstand gegen den Faschismus. Dieser Kern ist verloren gegangen, die Linke ist vom Weg abgekommen, moralisch und politisch. Das ist mir jedenfalls rund um den Widerstand der Linken gegen den Irak-Krieg aufgefallen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was war daran falsch?

COHEN: Nicht die Opposition zu den Regierungen Bush und Blair oder zum Krieg an sich ist falsch, darum geht es nicht. Es geht darum, dass die europäische und die amerikanische Linke keinerlei Interesse zeigen an fortschrittlichen Irakern. Es gab keine Solidarität, um dieses Wort mal zu benutzen, mit Sozialisten, Feministinnen oder Demokraten im Irak. Über Jahre hat sich die Linke nicht für diese Menschen interessiert. Statt dessen entschuldigte und verharmloste sie im Irak ein faschistisches Regime. Ich habe das beobachtet und mich gefragt: Was ist das bloß für eine Linke, die so handelt?

KÖLNER STADT-ANZEIGER:: Sie töten jeden Westler, den sie kriegen können, im Zweifel auch Linke.

COHEN: Stimmt, das klingt schizophren. Der Islamismus widerspricht allem, woran die Linke glauben müsste. Aber die Linke läuft Amok. Nehmen sie den Irak. Wäre es heute nicht an der Zeit, dass die europäischen Regierungen, die gegen den Krieg waren, sich für das irakische Volk engagieren? Dass gerade die Linke, die doch gegen den Krieg war, sich für die Menschen im Irak einsetzt, die von Islamisten und Terroristen bedroht werden? Aber dazu sind sie nicht in der Lage, weil sie sich aus tiefstem Herzen nur eins wünschen: dass die Amerikaner scheitern.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sie werfen der Linken nicht nur Antiamerikanismus vor, sondern auch Antisemitismus. Das ist sehr hart, oder nicht?

COHEN: Die Hamas-Charta liest sich wie ein original Nazi-Manifest. Wenn die Linke dazu nichts zu sagen hat und stattdessen Israel-Boykotte organisiert, dann überschreitet sie die Grenze zum Antisemitismus.

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One Comment - “Die Linke und der Antifaschismus”

  1. Adrian Says:

    Es ist schon traurig was aus der Linken geworden ist. Andererseits, kommt das so überraschend? Die Linke hat die Zusammenhänge zwischen Menschenrechten, Demokratie und, ja, Marktwirtschaft nie richtig verstanden. Ihren „Antifaschismus“ haben sie zu oft verbunden mit dem Kampf gegen liberale Systeme, da diese – aufgrund des „Kapitalismus“ – angeblich zum Faschismus neigen würden – eine völlig realitätsferne Behauptung. Wenn also der Kampf gegen den Kapitalismus schlussendlich der eigentliche „Antifaschismus“ ist, muss man sich über die Feindschaft der Linken gegenüber dem Westen und ihre Unterstützung aller antiliberalen Kräfte nicht wundern.


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