Archiv für Mai 2007

Sonntagsumzug

Mai 31, 2007

(Foto von hier)

Am Sonntag besuchte ich den Karneval der Kulturen in Berlin. Die GrüneJugend machte offenbar kapitalismuskritisches Impro-Theater. Vermute ich zumindest. Warum sonst sollte ein Mädchen zwei Minunten lang monoton immer wieder in die Knie gehen und „Tic-Tac“ rufen? Und warum sonst sollten die anderen Jugendlichen mit grimmigen Gesichtsausdruck langsame improvisierte Bewegungen zeigen, die keinen Sinn machen. Die meiste Kapitalismuskritik macht ja keinen Sinn, von daher ist die Performance ziemlich gut gewesen. Auch wenn die GrüneJugend es so wahrscheinlich nicht verstanden haben will. Ne halbe Stunde später wurde ich Zeuge von dutzendfachem Kindesmissbrauch. Kleine Mädchen und Jungs wurden von Greenpeace dazu gezwungen, in Bären- und Elefantenkostümen durch die Straßen zu laufen und Parolen zu rufen, in denen es immer wieder um Gletscher ging, aber auch den Kapitalismus (das Schwein). Eine Badewanne wurde geschoben und um diese herum standen Anzugträger, die arrogant Zigarre rauchten und die Welt mit Füßen traten – in Form eines Wasserballs, genial!. Reichtum ist eine Sünde, soll das wohl heißen. Nach den Jungen, kamen die Veteranen der Bewegung. Die Sorge um die Wildnis-Knuts war ihnen ins Gesicht geschrieben. Ernst und kummervoll trommelten sie auf ihre Fäser und Eimer. Greenpeace stellte wohl eine der größten Truppen. Ansonsten gab es noch Afrikaner, Schwule, Asiaten und irgendwann Regen, weswegen wir noch eine Pizza kauften, ehe wir nachhause gingen.

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IN ist, wer drin ist

Mai 30, 2007

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Auf dem Weg zur Uni kam ich regelmäßig an einer geheimnisvollen Bar vorbei. Die war schwarz angestrichen, bis auf die Tür, die sich in rot präsentierte. Geöffnet hatte sie immer erst ab Mitternacht, dafür bis morgens um 06.00 Uhr. Jetzt hat sie zu gemacht und auch ihr Schild ist schon abgeschraubt, was schade ist, denn das Wortspiel „IN ist, wer drin ist!“ war auf seine primitive Art sowohl lustig als auch genial….Um den Spruch richtig einschätzen zu können, sollte man vielleicht noch wissen, dass die rote Tür ein Schiebefenster besaß und Besucher sich dort erst vorstellen mussten und vielleicht sollte man auch wissen, dass man diese Bar ebenso gut ein Bordell nennen könnte. Ich fand den Spruch jedenfalls immer lustig und habe aus der Ferne noch gesehen, wie der Schutt-LKW das Schild wegtransportierte.

Kommt ihr Deppen, stimmt mit ein

Mai 26, 2007


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Es ist so peinlich, so schlecht und so sinnfrei, dass es das Zeug zur offiziellen G-8-Gegner Hymne hat: http://www.myspace.com/heiligendamm . Und jetzt alle:

„Doch was ist das, ich glaub es kaum, vor Heiligendamm steht ein großer Zaun und hinter dieser kalten Wand, liegt der Strand“

Die Tragödie der Linken ist halt, dass sie den Kampf gegen den Faschismus zugunsten des Kampfes gegen Zäune aufgegeben hat. Wirkt wie Dekadenz im Endstadium, wenn „kraftvolle Aktionen“ nur noch dann so wirklich auf Resonanz stoßen, wenn es gegen liberale Demokratien geht (Russland mal rausgenommen, dass auch gerne auf der anderen Zaunseite stehen dürfte.). Als im April in Berlin eine Demo auf das Morden im Sudan aufmerksam machte, kamen 100 Personen zusammen. Und von denen dürfte kaum eine nach Heiligendamm fahren. Vielleicht, weil sie Menschenrechtsverletzungen, Rassismus und Massaker auch dann schrecklich finden, wenn die Täter keine Juden/Israelis oder Amerikaner sind. Jeder setzt halt seine Prioritäten. Ist irgendwie schade, weil es gibt ja doch noch ein paar Faschisten auf dieser Welt.

Die Linke und der Antifaschismus

Mai 24, 2007

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Aktuell sorgt das Buch “What’s Left?: How Liberals Lost Their Way ” in England für Aufsehen. Autor ist Nick Cohen. Er wirft der Linken vor, ihre Ideale verraten zu haben. Auszüge aus einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Cohen, Sie stammen aus einer bewusst linken Familie, waren selbst stets links – und rechnen in einem der aktuell erfolgreichsten politischen Bücher Großbritanniens gnadenlos mit der Linken ab. Was ist passiert?

NICK COHEN: Die linke Bewegung hat, bei allen Fehlern und Irrtümern, im 20. Jahrhundert einen Kern, auf den sie stolz sein kann: ihren Widerstand gegen den Faschismus. Dieser Kern ist verloren gegangen, die Linke ist vom Weg abgekommen, moralisch und politisch. Das ist mir jedenfalls rund um den Widerstand der Linken gegen den Irak-Krieg aufgefallen.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was war daran falsch?

COHEN: Nicht die Opposition zu den Regierungen Bush und Blair oder zum Krieg an sich ist falsch, darum geht es nicht. Es geht darum, dass die europäische und die amerikanische Linke keinerlei Interesse zeigen an fortschrittlichen Irakern. Es gab keine Solidarität, um dieses Wort mal zu benutzen, mit Sozialisten, Feministinnen oder Demokraten im Irak. Über Jahre hat sich die Linke nicht für diese Menschen interessiert. Statt dessen entschuldigte und verharmloste sie im Irak ein faschistisches Regime. Ich habe das beobachtet und mich gefragt: Was ist das bloß für eine Linke, die so handelt?

KÖLNER STADT-ANZEIGER:: Sie töten jeden Westler, den sie kriegen können, im Zweifel auch Linke.

COHEN: Stimmt, das klingt schizophren. Der Islamismus widerspricht allem, woran die Linke glauben müsste. Aber die Linke läuft Amok. Nehmen sie den Irak. Wäre es heute nicht an der Zeit, dass die europäischen Regierungen, die gegen den Krieg waren, sich für das irakische Volk engagieren? Dass gerade die Linke, die doch gegen den Krieg war, sich für die Menschen im Irak einsetzt, die von Islamisten und Terroristen bedroht werden? Aber dazu sind sie nicht in der Lage, weil sie sich aus tiefstem Herzen nur eins wünschen: dass die Amerikaner scheitern.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sie werfen der Linken nicht nur Antiamerikanismus vor, sondern auch Antisemitismus. Das ist sehr hart, oder nicht?

COHEN: Die Hamas-Charta liest sich wie ein original Nazi-Manifest. Wenn die Linke dazu nichts zu sagen hat und stattdessen Israel-Boykotte organisiert, dann überschreitet sie die Grenze zum Antisemitismus.

McDonalds – Ich liebe es!

Mai 22, 2007


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Im Tagesspiegel durfte heute ein sonderbarer Artikel erscheinen.

„Und klar ist auch: Kreuzberg wird nicht schöner oder lebenswerter durch die Eröffnung einer weiteren Filiale von McDonald’s.“ –>> Klar ist aber auch, dass nicht klar ist, wer die Deutungshoheit darüber hat, was schön und lebenswert im Einzelnen bedeutet.

„Ärgerlich an der pauschalen Diffamierung jeglicher Kritik ist auch, dass hier bürgerschaftliches Engagement – sonst allerorten vermisst – einfach abgebügelt wird.“ –>> Wir lernen, nicht jedes Engagement ist notwendig sinnvoll. Siehe dieses Beispiel.

„Demgegenüber muten die Heinersdorfer Proteste gegen den dortigen Moscheebau sehr engstirnig an. Nicht wenige erkennen darin puren Rassismus; die NPD unterstützt den Protest jedenfalls eifrig.“ —>>> Die NPD unterstützt auch die Proteste gegen G-8, die Globalisierung und den Kapitalismus, hmmm…

„Glücklicherweise gibt es in Berlin noch viele, die nicht in den immer gleichen Einkaufszentren einkaufen und den immer gleichen Schnellrestaurants essen wollen.“ —>>> Glücklicherweise wird niemand gezwungen, in Schnellrestaurantes zu essen. Wer doch, sollte einen Psychologen aufsuchen, Verfolgungswahn ist eine Krankheit!

„All jene sind im Wrangelkiez weiterhin herzlich willkommen. In Heinersdorf wohl eher
nicht.—>>> McDonalds ist im Wrangelkiez offenbar nicht willkommen, zumindest wenn es nach dem Verfasser des Artikels geht. Also mir ist ein nicht-antisemitisches, nicht-frauenverachtendes, nicht-rassistisches Fast-Food Restaurant wesentlich lieber als eine Moscheegemeinde, die all das nicht ist.

ALICE

Mai 22, 2007

Wer sich fragt, was ich mache, sei als Hinweis die Überschrift ans Herz gelegt. Schon dumm, wenn der Internetanschluss spinnt, und ein Anruf beim Anbieter für 5,99 Euro zu haben ist.

Ami, stay home?

Mai 17, 2007


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Was Diktatoren und Despoten nicht geschafft haben, ist nun Paul Wolfowitz gelungen. Heidemarie Wieczorek-Zeul will nichts mit ihm zu tun haben. Was davon zu halten ist, steht hier.