Selbstversuche: taz vs. Fuchsbau


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Im Moment reden also alle über irgendeinen taz-Journalisten, der in Begleitung zweier Helfer eine Kippa für ne Stunde durch Berlin trug und jeder Konfrontation aus dem weg ging. Wenn wir jetzt schon dabei sind, uns für mutige oder einfach nur gefährliche Aktionen zu rühmen, will ich da nicht nachstehen. Ich glaube nämlich, dass mein Selbstversuch etwas extremer war. Vor drei Jahren veranstalteten Nazis in einem Kaff irgendwo in der Pampa von Hessen ein Konzert und ich nahm mir vor, da mal einzusickern. Und weil es nicht schon schwer genug ist, überhaupt als Außenstehender Zutritt zu einem Nazikonzert zu erhalten, legte ich die Hürde noch höher und gab mich als Journalist aus, der über diese Veranstaltung berichten will.

Die erste Kontaktaufnahme war die schwerste. Reihenweise drehten sich die Anwesenden auf dem Parkplatz weg, wenn ich sie in ein Gespräch verwickeln wollte. Irgendwann aber stieß ich auf eine Truppe von drei Männern und zwei Frauen, die sich offen zeigten. Sie hätten halt so schlechte Erfahrungen mit Journalisten gemacht, darum seien sie so vorsichtig. Außerdem würden eh alle nur schlecht über sie schreiben und irgendwie mit dem System unter einer Decke stecken. Dann zogen wir zusammen Richtung Konzerthalle, wo ein großer Pulk darauf wartete eingelassen zu werden. Einer aus meiner Gruppe versprach mir, den Organisator zu holen, weil ich sonst nicht reinkämme. Und plötzlich stand da einer der Typen vor mir, die mir zuvor ein Gespräch verweigert hatten und forderte mich auf, zu verschwinden. Ich entgegnete ebenso aggressiv, dass ich ein Freund vom Organisator sei und er besser aufpassen solle, was er hier sagt. Das imponierte ihm wohl, danach ließ er mich in Ruhe. Das einzig gute an Nazis ist eben ihre Hierarchienfixiertheit.

Nun kamen doch noch Gesprächen zustande. Zwei Leute erzählten mir, warum die Bundesrepublik nicht anerkannt werden darf und welchen negativen Einfluss die Juden auf die Welt im Allgemeinen und die Lösung des Nahostkonflikts im Besonderen hätten. Überhaupt gelte den Palästinensern jede Solidarität. Zustimmend nickend warf ich die Frage in die Runde, ob man nicht aber doch Respekt haben muss, vor den Leistungen der Israelis, zumindest im militärischen Bereich. Ist doch schon beeindruckend, zum Beispiel der Sechstagekrieg. Den Plan für den Sechstagekrieg hätten die Juden – sie sprachen konsequent von Juden und ich von Israelis – aber von den Deutschen geklaut und für eine Einsatz im Nahenosten angepasst. Der Holocaust war brutal, keine Frage, aber alle Völker haben in ihrer Geschichte Verbrechen begangen und die Zahlen sind ja völlig übertrieben. Warum?, weil die Juden uns das Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Nachdem das geklärt war, kam meine Begleitung zurück und brachte mich zum Eingang, wo der Veranstalter wartete. Wir wechselten nur ein paar Worte, es sollen keine Fotos gemacht werden und fertig. Dann stand ich in der Halle. Eine Band spielte und die Atmosphäre war aggressiv. Auf den Tischen im Eck lag die Art Literatur, die man braucht, um vor der Halle über den Würgegriff des Weltjudentums diskutieren zu können. In der Tat ist es erstaunlich wie treu die Nazis ihrem alten Feindbild geblieben sind. Die Bedrohung kommt weiterhin oder mehr denn je aus der jüdischen Ecke. Auch die Wahrheit über den 11.September konnte hier für fünf Euro erstanden werden, und in der Zeit, in der ich mich beim Verkaufsstand aufhielt, wurde dieses Werk fünfmal verkauft. Also wo der Reiz liegt, ein Enthüllungsbuch zu kaufen, dessen Auflösung von vorneherein feststeht, erschließt sich mir nicht! Denn ohne einem der Käufer die Leselust nehmen zu wollen, hätte ich trotzdem einen heißen Tipp dafür, wer tatsächlich hinter dem 11.September steckt: Moishe Rubinstein, bitte übernehmen sie.

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Eine halbe Stunden später ging ich dann nachhause. Damit endete mein erfolgreicher Selbstversuch, die Naziszene zu unterwandern. Tja, taz, so mutige Journalisten hast du nicht!

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10 Kommentare - “Selbstversuche: taz vs. Fuchsbau”

  1. CptEggman Says:

    Danke für diesen mutigen Einsatz! Nicht viele hätten dazu den Mut.

  2. Hamster Says:

    Habe auch mal mit Rechten diskutiert, viele sind noch ganz vernünftig, die Vernünftigsten unter ihnen räumen bspw. ein, dass sie nicht an den Fortbestand des gegenwärtig gegebenen Systems _glauben_.
    Primitiver Ausländerhass und Antisemitismus ist unter den gebildeten Rechten nach meiner Erfahrung eher selten.
    Oder anders formuliert: Die Klischees stimmen mal wieder nicht.

  3. philipp Says:

    was ist das für eine geschichte von der taz?
    habe davon nichts gehört.
    gibts einen link?

  4. Haiko Hörnig Says:

    Pah, mit Kipa und Bodyguards durch Berlin ist doch gar nichts. So durch Frankfurt wandern http://photos1.blogger.com/blogger/7210/1510/1600/100_0493beta.0.jpg
    , dass ist nochmal ’ne andere Sache!!

  5. Herr Jost Says:

    Mutig wäre ein solcher Einsatz gewesen, wenn derjenige der den Journalist mimt, eine Kippa, Hammer und Sichel, oder irgendetwas anderes getragen hätte (wie z.B. die blauen Hemdchen, von denen der Herr Hörnig spricht), was ihn als in eindeutiger Gegnerschaft zu den „Befragungsobjekten“ befindlich ausweist. Ein Selbstversuch wie der hier beschriebene ist weder neu noch besonders mutig.

    Leute die sich mit Jugendkultur im weitesten Sinne beschäftigen machen das andauernd, ohne zur „Szene“ dazuzugehören.

  6. Gideon Böss Says:

    @ herr jost

    und der darwin-award geht dieses jahr an…

  7. Herr Jost Says:

    wg. Darwin-Award:

    Okay, auch in diesem Fall gibt es Mut (wie bei der geschehenen Aktion) und Übermut (die gleiche Aktion in eindeutiger Kleidung).

  8. XiongShui Says:

    Auch wenn Herr Joffe diesen Kippa- Test empfohlen hat, fand ich die
    Geschichte, die da vor einigen Tagen in der Zeitung stand, etwas
    absonderlich.

    Als sich Ende der siebziger Jahre meine Haare zu lichten begannen, habe ich für etwa zehn Jahre eine selbstgehäkelte Kippa getragen, drinnen wie draussen. Die öffentliche Reaktion (S- Bahn, Supermarkt, Kö- Bummel, etc.) war gleich null. Die Menschen, mit denen ich öfter zu tun hatte, hielten mich teilweise für einen Juden, andere akzeptierten das als eine meiner üblichen Verschrobenheiten und der Rest interessierte sich nicht dafür.

    Ich selbst hatte auch nur den Anspruch, entweder nicht zu frieren, oder keinen Sonnenbrand zu bekommen. M.a.W. was soll ein solcher „Test“ denn beweisen?

  9. Herr Jost Says:

    Mir fällt dazu übrigens noch folgendes ein: Vor einigen Jahren trug ich häufig eine Häkelmütze, ein Souvenir aus dem Jemen glaube ich (wahrscheinlich eine muslimische „Gebetsmütze“, aber eindeutig als „Nicht-Kippa“ zu erkennen, dafür war sie zu groß), die mir ein Bekannter überlassen hatte. Eigentlich war sie für die Kleidersammlung oder den Müll vorgesehen, aber ich fand sie todschick, bekam sie geschenkt und trug sie sehr gern. (Ich trug sie übrigens ausschließlich aus ästhetischen und praktischen Gründen, keinesfalls aus religiösen oder solcher „falscher Toleranz“ oder wie das heißt).

    Im Laufe der Zeit, in der ich diese Mütze trug (leider habe ich sie irgendwann verloren, wie so einiges…) wurde ich insgesamt dreimal auf sie angesprochen, ausschließlich von Menschen vom Typ „Jugendlicher mit Migrationshintergrund, höchstwahrscheinlich Moslems“: Zweimal fragten mich welche, ob ich zum Islam konvertiert sei (einer davon anerkennend, einer war TOTAL verwundert). Absonderlich aber nun ist dies: Einmal wurde ich, in einem Tonfall, der eindeutig abweisend und aggressiv war, tatsächlich gefragt, ob ich Jude sei, „oder was“?

    Auf die dazu passende Antwort, um seine religiöse und sonstige Bildung sei es ja wohl eher schlecht bestellt, wenn er eine Mütze der eigenen Religion nicht von einer Kippa unterscheiden kann, mußte besagter junger Mann dann leider verzichten, da Schlagfertigkeit eindeutig nicht zu meinen Stärken zählt und mir ebendiese Erwiderung erst Tage später einfiel.


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