Mein Führer – Die wirklich langweiligste Komödie über Adolf Hitler

Was war das? Okay, es sollte eine Komödie über Hitler werden, aber was war das? Levys Komödie über das Dritte Reich ist in etwa so lustig wie das Dritte Reich. Mit dem Unterschied, dass sie glücklicherweise keine zwölf Jahre, sondern nur eineinhalb Stunden dauert. In jeder Hinsicht ist dieser Film katastrophal. Die Story ist mau, die Darsteller blass, das Drehbuch zum gähnen, die Moral triefend und manche Aussage suspekt.

Es geht gleich mit dem vorangestellten Zitat los. „Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft!“ Dieser Satz stammt von Kurt Tucholsky und zwar nicht aus dem Jahr 2007, sondern aus dem Berlin der Vor-Nazizeit. Es ist immer gefährlich, Zitate aus ihrem historischen Kontext zu reißen und in diesem Fall mindestens naiv. Es darf bezweifelt werden, ob Tucholsky sich auch nach Auschwitz noch so geäußert hätte. Von daher eine heikle Wahl. Zwei Minuten später erklärt die Off-Stimme, während schwarz-weiß Aufnahmen Hitlers zu sehen sind, dass die Deutschen vom Führer verführt wurden. Ein arglistiger Täuscher also, der die Herrenrasse zu ihrem (Un)Glück zwang. Sehr schön, bloß niemanden wehtun Herr Levy. Schließlich soll dieser Film ja Unterhaltung für die ganze Familie sein.

Es ist tragisch, da wagt man es in Deutschland endlich mal, über Hitler eine Komödie zu drehen und vergibt das Projekt ausgerechnet an den einzigen Menschen, der einen noch harmloseren Humor als Thomas Gottschalk hat. Levy könnte vielleicht nette Kinderfilme drehen, aber für Komödien über Nazis ist er in etwa so gut geeignet, wie Hitler zum Menschenrechtler. Was auch immer den Regisseur von Alles auf Zucker dazu trieb, den großartigen Helge Schneider zu Verpflichten, er muss den Grund dafür wieder vergessen haben. Helge Schneider kommt im Film nicht vor. Jeder andere hätte den Hitler ebenfalls spielen können.

Der Jude Adolf (hihihi!) Grünbaum soll den demotivierten Hitler aufmuntern und wird dafür aus Sachsenhausen nach Berlin gebracht. Als er Goebbels vorgestellt wird, gibt es eine der wenigen Szenen, die erahnen lassen, was aus dem Stoff hätte werden können. Der Propagandaminister tritt fröhlich auf Grünbaum zu und fragt: Na, und wo haben wir sie hergeholt? Der Antwortet mit vollen Mund, da er ein Brot isst: Sachsenhausen. Eine tragischkomische Szene, eine der wenigen.

Die Konstellation Grünbaum – Hitler ist nicht lustig. Die Witze, die Levy sich ausgedacht hat, sind dermaßen mit pädagogisch korrektem Tiefgang aufgeladen, dass ihnen jede Leichtigkeit abgeht. Der Jude haut den Führer ausversehen mit der Faust K.O., wow, das ist der Humor, mit dem man ein Kindertheater zum lachen bringt, aber kein einigermaßen anspruchsvolles Publikum. Mitten im Film stößt dann noch die Familie Grünbaum hinzu, was völlig überflüssig ist und der Handlung endgültig jede Lockerheit nimmt. Von nun an stellt die jüdische Familie das absolut Gute da und soll dadurch die Schlechtigkeit der Nazis noch mehr betonen. Es ist die Banalität des Überflüssigen, die dieser Komödie jede Entfallungsmöglichkeit genommen hat. Es muss nicht immer wieder betont werden, dass die Nazis böse waren, so etwas kann auch einfach mal als bekannt vorausgesetzt werden. Der Film ist deswegen eine Enttäuschung, weil er das, wofür er eintreten wollte, nicht nur nicht einhielt, sondern sich zum genauen Gegenteil verkehrt.

Gedacht als Antwort auf den kontrovers aufgefassten Film Der Untergang, wollte Levy den Anti-Untergang drehen. Keine Glorifizierung Hitlers, keine Verklärung und kein Verständnis für diesen Verbrecher. Was er nun ablieferte, ist aber nur die Fortsetzung des Untergangs mit anderen Mitteln. Sein Film ist nicht weniger zu kritisieren, als der von Eichinger und Hirschbiegel. Hitler erzählt von seinem jüdischen Großvater und Levy lässt dies unwidersprochen stehen (!), schnell stellt sich außerdem heraus, dass der Führer nur das Opfer eines jähzornigen Vaters ist, der ihn immer verprügelte. Deswegen verprügelt er jetzt die Juden, so einfach ist das. Der Nationalsozialismus und Auschwitz, nur die Folgen einer unglücklichen Vater-Sohn Beziehung. Und dabei dachte man immer, es wäre irgendwie komplizierter.

Die Story ist im Übrigen völlig daneben. Der Plot macht keinen Sinn. Beispielsweise hört Albert Speer zu, wie Goebbels Himmler einen Attentatsplan erzählt, der Hitler beseitigen soll, damit die beiden die Macht an sich reißen können. Warum Speer danach meint, dass Grünbaum das Attentat durchführen will, ist nur zu erklären, wenn man die Begründung fehlerhaftes Drehbuch gelten lässt.

Und zwischen all den verpatzten Gags und der Langweile, die die Zeit zwischen zwei verpatzten Gags füllt, kommt es immer wieder zu peinlichen Versuchen, in Hitlers Seelenleben einzutauchen. Der Hobby-Psychologe Levy, lässt den sensiblen Hitler in einem schwachen Moment erkennen, dass er ja eigentlich den Juden das gleiche antut, was sein Vater ihm antat. Dani Levy dürfte einer der Ersten sein, der eine so enge Wechselbeziehung zwischen dem Holocaust und dem Elternhaus Hitler zu sehen vermag!

Hitler erscheint in diesem Film als einsamer Mensch, der ein Problem mit seinen Gefühlen hat und nur etwas Zuspruch bräuchte, damit aus einem grausamen Massenmörder, ein freundlicher, schrulliger Kerl wird. Sozusagen die Metamorphose von Adolf Hitler zu Helge Schneider. Kurz vor dem Ende klärt er Grünbaum in einem weinerlichen Ton darüber auf, dass er ja nicht der Einzige gewesen wäre, der die Endlösung vorangetrieben hätte. Der nette Onkel Hitler ist also auch nur bedingt für die Deportationen Verantwortlich, denn er ist ja Opfer seines gewalttätigen Vaters und seiner eigenen Impotenz – was in einer grandios unlustigen Szene dargestellt wird. Was will Levy uns eigentlich mit diesem merkwürdigen Film sagen? Und dass er etwas sagen will, merkt man jeder Szene dieses Films an. Es wird nicht klar und als kurz vor dem erlösenden Abspann der Jude die Rede ans Volk hält, wird Levy noch mal ganz mutig. Hitler hatte doch keine blauern Augen, wie kann er da die Arier anführen und überhaupt war er doch ein kleiner Versager, lässt er da Grünbaum die versammelte Menschenmenge wissen. Man, ziemlich mutig und wichtig, so etwas sechzig Jahre danach aufzudecken….und zwar als x-tausendster.

Der Film ist schlecht und die Frage in den Medien falsch gestellt. Es geht nicht darum, ob man über Hitler lachen darf (seitdem die Nazis nicht mehr an der Macht sind, ist es erlaubt!, mehr gibt es dazu nicht zu sagen), sondern darum, ob man mit Hitler lachen darf. Levy lacht mit Hitler, denn für ihn ist er ein Mann, der Hilfe braucht. Chaplin und Lubitsch lachten über Hitler, und offenbarten in ihren Komödien mehr über dessen Größenwahn, als so manche schwere Aufklärungsliteratur. Es ist eine Frage des Talents und keine der Moral, ob man über Hitler eine Komödie drehen sollte oder nicht. Levy hat zu wenig Talent und zuviel Moral, er hätte die Finger davon lassen sollen.

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4 Kommentare - “Mein Führer – Die wirklich langweiligste Komödie über Adolf Hitler”

  1. Hamster Says:

    Nur mal ganz nebenbei: ‚Der rote Monarch‘ ist eine Komödie über Stalin, den ich vor ca. 20 gesehe habe und damals (seitdem nicht mehr gesehen) saukomisch fand:
    http://www.mediaculture-online.de/Filmlexikon.606+M515d1feecad.0.html

    Filme deutscher Produktion sind ohnhin ziemlich schlecht, ‚Das Boot‘ mag eine Ausnahme gewesen sein, aber schon bei ‚Lola rennt‘ kann einem schlecht werden.

    Die Chancen in Deutschland eine gute Komödie über Adolf zu drehen waren ohnehin sehr, sehr gering.

    Der Deutsche ist nun mal nicht lustig. 😉

  2. nichtidentisches Says:

    Hi fuchsbau

    Etwas daneben, deine Kritik. ICh kenne den Film zwar nicht, werde ihn heute gucken, habe aber jede Menge Rezensionen gelesen, und muss sagen, dass dein Anspruch an den Film ziemlich offensichtlich auf einem Missverständnis aufbaut.
    1. Der Film läuft unter dem Titel „Die wirklich wahrhaftigste Wahrheit über Adolf Hitler“.
    2. Warum soll der Film über Hitler lustig sein? Vielleicht will er das gar nicht?
    Vielleicht will er lieber die Lächerlichkeit von Psychologisierungsversuchen zeigen?
    Aus deiner Kritik kann man vor allem Enttäuschung darüber herauslesen, dass der Film nicht lustig ist. Das reicht nicht für eine Kritik.
    Aus dem Buch zum Film könnte man da shcon eher Kritik ziehen, da wird dann explizit der Untergang gelobt.

  3. Fuchsbau Says:

    @nichtidentisches

    na ja, wenn man aber eine komödie dreht, dann soll es eben auch ein unterhaltsamer film sein. und wenn er es nicht ist, ist das doch auf jeden fall zu kritisieren.

    aber in meinem text werden ja auch noch einige weitere gründe aufgezählt, weswegen dieser film ne katastrophe ist. etwa das herunterbrechen der nazi-ideologie und des holocaust auf eine missglückte vater-sohn beziehung.

    der film verharmlost, und dies entweder aus unbildung levys heraus, oder um dem film jede provokants zu nehmen, damit das deutsche publikum sich nicht am ende sogar angegriffen fühlt.

    es ist ein harmloser film für die ganze familie, jeder kann mitlachen und dies ist das ärgerlichste daran.

    dass diese komödie zusätzlich auch völlig humorfrei daherkommt, ist dann das i-tüpfelchen. wobei ich aber nicht verstehe, warum du meinst, dass es als kritkpunkt nicht ausreicht, zu sagen, dass eine komödie nicht lustig ist.
    obwohl dies, wie erwähnt, nicht mein einziger lritikpunkt war, finde ich, dass er alleine schon ausreichen würde. dieses genre hat nun mal den anspruch zu unterhalten, und muss daran gemessen werden.

    es wäre interessant zu erfahren, was du vom film hältst!?!?

    grüße

  4. nichtidenti Says:

    http://myblog.de/nichtidentisches/art/76653680/_Mein_Fuhrer_

    Bitteschön, puha, flott runtergeschrieben, hoffentlich nicht allzu viele Fehler. Fand ihn gut. Und nicht verharmlosend, im Gegenteil.
    Grüßchen!


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