Gibson, lass die armen Mayas in Ruhe!


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Wenn man in die Psychiatrie eingeliefert werden will und sich geniert, diesen Wunsch einfach auszusprechen, kann man sich entweder als Napoleon in die Fußgängerzone stellen oder einen Bewerbungsfilm drehen. Mel Gibson entschied sich für letztere Option. 140 Minuten lang lebte er seinen Fetisch aus, der sich im Prinzip darauf beschränken, möglichst viele, möglichst knapp bekleidete Männer solange zu quälen, bis ihr Tod nach beeindruckenden Blutfontäne, dem Verlust diverser Organe oder eines abgerissenen Schädels eintritt. Von daher ergibt sich die Filmlänge auch nicht aus der notwendigen Zeit heraus, die benötigt wird, um eine packende Story zu erzählen, sondern einzig aus der Frage, wie lange es Dauert, bis der Foltertod eines ganzen Mayastammes möglichst plastisch dargestellt ist.

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Der Hintergrund, Mittelamerika kurz vor der Ankunft der Spanier, spielt für Gibsons Folter-und-Qualen-Epos keine Rolle. Es geht ihm um Schmerzen, nicht um Geschichten! Nachdem er sich schon mit einer solch verstörenden Begeisterung daran machte, Jesus Nägel durch die Hände zu treiben, ihn auszupeitschen und zu Kreuzigen, dass man sich fragen muss, ob er die Kreuzigung tatsächlich für eine Tragödie oder doch eher einen Glücksfall hält, da sich in ihr seine beiden Hobbys – Religion und Folterfantasien – auf idealle Weise ergänzen, machte er nun einen fiktiven Maja zum Objekt seiner Psychose. Im Gegensatz zu Jesus, an dessen Schicksal sich immer so cirka ein Drittel der Menscheit interessiert zeigt, ist des Majas Verhängniss, dass er nur deswegen existiert, weil Gibson ihn in Ruhe alles Schreckliche erleiden lassen will, was sich das Gehirn eines alkoholkranken Antisemiten so auszudenken vermag. Armer Indianer.

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Apocalypto ist ein Film ohne Handlung, es sei denn, abgerissene Gliedmaße, Hinrichtungsorgien und detailverliebte „Jaguar-kratzt-Menschen-das-Gesicht-ab“-Szenen gelten schon als Handlung. Gibson öffnet dem Zuschauer Kammern seines Psyche, die es unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass man nicht in Panik flüchten würde, wenn einem dieser Kerl jemals über den Weg laufen sollte. Es bleibt abzuwarten, was er sich als nächstes vornehmen wird. Fehlt der Welt nicht noch ein schonungsloser Blick in die Kerker der Inquisition? Ach genau und einen Film über israelitische Freiheitskämpfer wurde auch schon angekündigt, na ja, in diesem Sinne: fröhliches Foltern, Morden und Erhängen weiterhin!

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One Comment - “Gibson, lass die armen Mayas in Ruhe!”

  1. bloo Says:

    Der letzte Absatz lässt mich auf einen guten Film hoffen! Bin gespannt!


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