Deutsche wehrt Euch – Nein zur ent-Arisierung deutscher Museen!


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Als die Deutschen in den dreißiger Jahren entschieden, nicht nur Nazis zu werden, sondern auch alle Juden zu ermorden, stellte sich begreiflicherweise die Frage: was machen mit dem zurückbleibenden Besitz? Unter anderen nahm man in jener Zeit jüdischen Kunstsammlern zuerst ihre Werke weg und dann ihr Leben. Bis heute hängen in vielen Museen Deutschlands und Österreichs Bilder, die auf diese Weise beschafft wurden. Dies ärgert in Deutschland eigentlich niemanden. Nun verlangen aber vermehrt die Hinterbliebene oder Nachfahren derer, die getötet wurden, die Herausgabe ihres Besitzes. Darüber wiederum ärgert man sich in Deutschland sehr wohl. Was für ein perverses Gerechtigkeitsempfinden hier vorherrscht, wenn es um geraubtes bzw. arisiertes jüdisches Eigentum geht, kann gerade sehr anschaulich in einem SPIEGEL Artikel beobachtet werden.

In New York werden momentan einige der Bilder, die nach langen Gerichtsprozessen endlich an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurden, versteigert. Nun steht es ja eigentlich jedem Menschen frei, seine Kunstwerke auf diese Weise zu veräußern. Doch offensichtlich sieht die Sache bei Bildern, die von den Nazis geraubt und niemals freiwillig an die Bestohlenen zurückgegeben wurden, anders aus. Empört berichtet der SPIEGEL darüber, dass Ron Lauder nicht nur die Erben einstiger Kunstsammler bei ihrem Prozess unterstütze, sondern nun auch eifrig bei den Auktionen mitmischt und Kunstwerke aufkauft. Man weiß nicht, was das schlimmere Vergehen ist. Im Artikel heißt es:

Lauders Coup hat einen schalen Beigeschmack: Wie der SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe berichtet, hatte Lauder wesentlichen Anteil am Zustandekommen der so genannten “Washingtoner Konferenz”. In dem Abkommen hatte unter anderem die Bundesregierung 1998 zugesichert, geraubte Kunstgüter an die Nachfahren von NS-Opfern zurückzugeben. Der Verdacht, dass Lauder mit seinem Eintreten für das Wohl von NS-Opfern nicht ganz uneigennützig gehandelt hat, erhärtet sich. Sein Vorgehen hat lange niemand durchblickt: Erst sorgt er dafür, dass wertvolle Gemälde an die Erben der früheren Besitzer zurückgegeben werden, dann kauft der als obsessive Sammler bekannte Lauder die Werke selbst auf, die anders niemals auf dem Kunstmarkt zu haben gewesen wären. Zwei Beispiele: Im Juni erwarb er für 135 Millionen Dollar Klimts “Adele Bloch-Bauer I”, das durch seinen Einsatz kurz zuvor restituiert worden war, jetzt Kirchners “Berliner Straßenszene”.

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Man muss wirklich staune über Lauders Gerissenheit! Was genau er nun kritisierbares getan hat, wird zwar nicht ganz klar und die von ihm gezahlten Summen dürften durchaus angemessen gewesen sein, aber trotzdem kann und darf es schlich nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sich da einer gleich auf zweierlei Weise gegen die deutsche Museumslandschaft vergeht. Schön auch der subtile Hinweis im Artikel darauf, wie wunderbar die Staffelübergabe zwischen Nazideutschland und der BRD in diesem Zusammenhang funktionierte: dann kauft der als obsessive Sammler bekannte Lauder die Werke selbst auf, die anders niemals auf dem Kunstmarkt zu haben gewesen wären.

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Es kann auch durchaus als Geschmacklosigkeit angesehen werden, wenn sich ein deutsches Magazin darüber beklagt, dass viele der nun wieder ent-arisierten Werke in Zukunft der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich wären, da sie nun in den Tresoren anonymer Anleger verschwinden würden. Lieber sieht man das Portrait der „Adele Bloch Bauer“ in einer Ausstellungen hängen und nimmt das damit verbundenen schreiende Unrecht in Kauf, als dass dieses schöne Bild durch die Rückgabe an die Besitzer den Blicken des Volkes entzogen würde. Die Deutschen lieben eben die Kultur und die Künste.

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Ebenfalls empört ist der SPIEGEL über die Dreistigkeit von Frau Altmann, einer eleganten älteren jüdischen New Yorkerin, die noch immer nahtlos in einen astreinen Wiener Dialekt verfallen kann, der Grund: in Hinblick auf die Versuche der österreichischen Regierung, die Bilder behalten zu können oder zumindest weiterhin zeigen zu dürfen, entgegnete sie nur: Ich verteile keine Spenden! Trotzdem kann der SPIEGEL zumindest einen Teilerfolg verbuchen:

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Wenigstens konnte das Picasso-Portrait “Angel Fernandez de Soto”, mit einem geschätzten Verkehrswert von 60 Millionen Dollar noch mit knapper Not dem Strudel des Kunst-Spekulationswahns entgehen.

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So ist es nämlich: Schlimm sind nicht die Arisierungen sondern der Kunst-Spekulationswahn und schlimm ist auch nicht, dass die Deutschen auf brutalste Weise den Besitz jüdischer Kunstsammler stahlen, sondern dass nun auf rechtlichen Wege den Opfern ihr Eigentum wieder zuerkannt wird und schließlich: Schlimm waren nicht die einstigen Kunstverliebten deutschen Nazis, sondern die lebenden profitorientierten New Yorker Jüdinnen, die noch immer nahtlos in einen astreinen Wiener Dialekt verfallen können.

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10 Kommentare - “Deutsche wehrt Euch – Nein zur ent-Arisierung deutscher Museen!”

  1. Astuga Says:

    Schön, dass sich der Spiegel Sorgen um Österreich macht.
    Wenn sie auch geschrieben hätten, dass Österreich die Bilder vor der Auktion von der neuen alten Besitzerin kaufen hätte können, ware es noch schöner gewesen.

  2. Rowlf the Dog Says:

    Großartig! (Ich meine Deinen Text, versteht sich.)

  3. Anonymous Says:

    Ist doch ganz einfach: Auf der einen Seite Göthe,Kultur… auf der anderen Seite KAPITAL, capital, Plastik!

  4. Anonymous Says:

    Im Prinzip alles richtig – aber dieses Bild wurde zwar in den schlimmen 30er Jahrenan einen Deutschen verkauft – aber von Schweizern, d.h. soweit erkennbar ohne Zwang, einfach nur aus Geldsorgen. Also nicht Zwangsenteignung, nicht „Arisierung“. Bitte genauer hinsehen.

  5. Fuchsbau Says:

    @anonym

    ich weiß nicht, welche bilder sie meinen, aber sollten sie sich auf adele bloch-bauer I und II beziehen, so ist ihre behauptung schlicht falsch. beide waren im besitz von adele bloch-bauers ehemann, ehe sie ihm von den nazis geraubt wurden.

    im übrigen darf man getrost davon ausgehen, dass es nie zu einer solchen auktion gekommen wäre, wenn die sachlage nicht so eindeutig gewesen wäre. die deutschen haben ja an die juden nix zu verschenken, selbst wenn es sich bei den geschenken nur um das zuvor geklaute handeln würde.

  6. Anonymous Says:

    Nein, ich bezohg mich auf Ernst Ludwig Kirchners «Berliner Strassenszene.

    Das Bild gehörte zu der Sammlung des (jüdischen) Schuhfabrikanten Alfred Hess aus Erfurt und ging nach dessen Tod 1931 an dessen Sohn Hans Hess über, der 1933 aus Deutschland emigrierte – und dieses und andere Bilder 1937 verkaufen ließ.

    So kenne ich jedenfalls die Geschichte… für Aufklärung immer dankbar –

    willow

  7. Fuchsbau Says:

    @willow

    ich kenne die hintergründe zu diesem bild nicht genau, aber schon die tatsache, dass der besitzer vor den nazis in die schweiz fliehen musste und dann dort aus geldsorgen das bild verkaufte, lässt doch vermuten, dass das wort „freiwillig“ in diese zusammenhang eher etwas zynisch klingt.

    es dürfte doch so sein, dass weder der verkauf, noch die flucht nötig gewesen wären, wenn die nazis ihm nicht seine existenzgrundlage entzogen hätten.

  8. Anonymous Says:

    Sicher, „freiwillig“ ist in diesem Zusammenhang eher etwas zynisch…

    Aber mit „Raubkunst“ ist eben eigentlich auch anderes gemeint, mit „Arisierung“ ebenfalls – wir sollten da genau sein.

  9. Anonymous Says:

    Herr Böss, soweit ich weiß, ist das Bild Strassenszene von E.L.Kirchner an einen befreundeten Sammler verkauft wurden. Das ist ein etwas anderer Fall.

    Dieses Bild verkaufte Tekla Hess 1937 über den Kölner Kunstverein an den Sammler Carl Hagemann – möglicherweise weil sie Geld brauchte, um die sogenannte «Judenvermögensabgabe» zu bezahlen. Die Hagemann-Erben schenkten das Bild nach 1945 dem damaligen Direktor des Frankfurter Städel-Museums, und dessen Witwe verkaufte es 1980 für 1,9 Millionen Mark an das Berliner Brücke-Museum.
    http://www.nzz.ch/2006/09/30/fe/articleEIZE3.html

    Carl Hagemann – Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Hagemann

    Das Brückemuseum hat das Bild von der Witwe von Ernst Holzinger, dem ehemaligen Direktor des Städels gekauft, hat also nicht von Diebesgut profitiert. Warum die Familie Hagemann dem Direktor das Bild schenkte, läßt sich unschwer aus dem wikipedia-Artikel erkennen.

    Sie können über sich über den Mäzen Carl Hagemann informieren. Glauben Sie, das ist ein Mann, der einen anderen Kunstmäzen übervorteilt.

    Das sollten Sie auch noch wissen:

    Das Erbe meines Großvaters — Tagesspiegel Online – Nachrichten
    „Die Firma des Erfurter Schuhfabrikanten Alfred Hess hatte schon 1929 Insolvenz beantragt, und nach dem Tod ihres Mannes 1931 sah sich die Witwe Thekla Hess genötigt, Werke ihrer Sammlung sukzessive zu veräußern, um von dem Erlös zu leben. So kam es auch zum Verkauf des Kirchner-Gemäldes an den Sammler Carl Hagemann, der in engem Kontakt mit dem Künstler stand und sehr genau wusste, dass er ein Meisterwerk erwarb. Er zahlte dafür auch einen angemessenen Preis, und zwar einen höheren, als Thekla Hess ihn in der Schweiz hätte erzielen können: War das Gemälde 1934 im Katalog einer Zürcher Verkaufsausstellung mit 2500 RM angesetzt, so erwarb es Hagemann entweder 1936 oder ein Jahr später für 3000 RM. Auch gibt es keinen Grund, die Ausbezahlung des Geldes an Thekla Hess zu bezweifeln. Aus den Unterlagen, die mir von Peter Romilly, einem Vertrauten der Familie, im Rahmen der Vorbereitungen zu einem Artikel über die Sammlung zugänglich gemacht wurden, geht an keiner Stelle hervor, dass dieser Kaufpreis nicht gezahlt wurde“
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/archiv/23.09.2006/2774165.asp

    Warum 1929 die Schuhfabrik Hess Insolvenz beantragte, sollte Ihnen aus der Wirtschaftsgeschichte bekannt sein.

    Auch wenn Sie Liberaler sind, haben Sie die Pflicht, Sachverhalte sorgfältig und gewissenhat zu recherchieren.

    In diesem Fall waren Sie weder sorgfältig noch gewissenhaft.

  10. Steeevyo Says:

    Ich denke auch dass hier versucht wurde völlig verschiedene Sachverhalte die sich zudem auch noch in zwei verschiedenen Ländern mit unterschiedlicher Rechtssprechung abspielten zu einer angeblich braunen Soße verrührt werden. Differenzierung? Fehlanzeige.

    In der Realität die in dieser Polemik natürlich keinen Platz hat sieht die Sache folgendermaßen aus.
    Österreich hat die Bilder Klimts an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben. Nach einem langen Rechtsstreit, wie sich das für einen modernen Rechtsstaat gehört. Oder kennen sie ein Land auf der Welt wo man sofort von der ersten in die letzte Instanz springt?
    Sowohl Österreich als auch Deutschland haben sich bei der „Washingtoner Konferenz“ zur Rückgabe von Raubware der Nazis verpflichtet. Etwas verachtenswertes das Deutschland in einem schlechten Licht erscheinen lassen könnte kann ich auch hier nicht erkennen.
    Die Regierung Berlins hat das Kirchner Gemälde zurückgegeben obwohl die Rechtslage hier wie bereits sehr schön beschrieben wurde, alles andere als eindeutig ist.
    Hier wurde also präventiv klein bei gegeben um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen ehemalige Opfer auszubeuten. Politisch überkorrekt. Rechtlich überfragwürdig. So sin se die Linken in Berlin wa?

    Also worüber regt sich der Autor hier nochmal auf? Über einen Spiegelartikel? Gibt es dafür nicht die Leserbriefredaktion des Spiegel?

    Umfassende Berichte zur Causa Kirchner hier:

    http://www.artnet.de/magazine/sonder/kirchner09-08-06/kirchner09-08-06.asp

    Hat mit der Causa Klimt gar nichts zu tun.

    Im Positionspapier der Jewish VClaims Conference (auch unter dem Link) wird zurecht darauf hingewiesen daß viele Besitzverhältnisse noch ungeklärt sind aus verschiedensten Gründen die mit Niedertracht allerdings recht wenig zu tun haben wie in der Polemik suggeriert wird.
    Die Causa Kirchner wird aber wohl aus gutem Grund nicht angesprochen eben weil sie sich nicht dafür eignet sondern eher als Beispiel wie überhastetes Handeln zu krassen Fehlentscheidungen führt.

    Bei Kirchner stelle ich mir die Frage wenn sich nun klipp und klar herausstellt das die Herausgabe illegal war müsste dann der jetzige Besitzer das Gemälde zurückgeben? Und wer könnte ihn dazu verpflichten? Na?


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