Archiv für August 2006

Die Juden machen wieder Ärger

August 31, 2006


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Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, beklagte vor einigen Tagen die „absolute Anti-Stimmung“ gegenüber Juden. Diese Antistimmung sei „in alle Kreise und Schichten eingedrungen.“, und die jüdischen Bürger würden „in den aktuellen Nahostkonflikt hundertprozentig hineingezogen.“
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Was sie sagte, war besorgniserregend. Juden werden für die Ereignisse in Nahost in Geiselhaft genommen und auf den Straßen tobt sich ein antisemitischer Mob aus, der „Tod Israel“, „Israel Kindermörder“ und ähnliches skandiert. Man sollte meinen, dass ein solcher Hilfeschrei von der Gesellschaft und der Politik ernst genommen wird.

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Dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil schlägt nun über dem Zentralrat eine Gegenempörung zusammen, der sich all jene anschließen, die eigentlich überlegen sollten, warum Knobloch im Jahr 2006 ein solch pessimistisches Bild der Zustände in Deutschland zeichnen muss.

Von der SPD und der Linkspartei wird aggressiv darauf hingewiesen, dass in ihren Reihen für Antisemitismus kein Platz sei. Der Grund: Knobloch nannte unter anderem Oskar Lafontaine und Heidemarie Wieczorek-Zeul als zwei Personen, die diese Antistimmung noch zusätzlich schüren. Mehr Probleme scheint man offenbar mit dem Gesagten nicht zu haben.

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Es lohnt sich darauf zu achten, um was sich die Diskussion dreht, die nun geführt wird. Mitnichten geht es dabei um den brisanten Inhalt des Interviews – dieser wird höchstens als Randnotiz vermerkt – stattdessen wehrt man sich gegen die Dreistigkeit des Zentralrats, der doch tatsächlich Kritik anbringt und Namen nennt. Das geht zu weit!

Man hat in Deutschland ja immer viel Verständnis für die Empfindlichkeiten der Juden, solange sie diese nur für sich behalten. Darum heißt es jetzt auch nicht: „Zentralrat beklagt Anwachsen des Antisemitismus.“, sondern, wie etwa im Wiesbadener Kurier: „Die Antisemitismus-Vorwürfe des Zentralrats der Juden gegen deutsche Politiker haben deutlichen Widerspruch ausgelöst.“

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Wir gegen die, oder umgekehrt. Auf jeden Fall handelt es sich um eine gemeine Attacke der Juden auf die deutschen Politiker. Es fehlt nur noch, dass man Knobloch den unverhältnismäßigen Einsatz des Antisemitismusvorwurfs vorhält.

Die skandalösen Zustände, von denen im Interview gesprochen wird, interessieren dabei nicht. Es geht darum, sich vom Vorwurf des Antisemitismus rein zu waschen, ohne sich mit dem Antisemitismus selber zu beschäftigen.

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Wenn die Juden als Vertreter Israels in Deutschland betrachtet werden und dementsprechend unter der antiisraelischen Stimmung zu leiden haben, ist dies ein Skandal. Brechen sich doch dabei alte antisemitische Verschwörungstheorien bahn, die von einem jüdischen Kollektiv sprechen und keinerlei Differenzierung kennen. Wieso in diesem Fall kein Aufschrei durchs Land geht ist ebenso bedauerlich wie bedenklich.

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Es scheint, als ob der Kampf gegen den Antisemitismus für viele nicht mehr als eine leere Floskel ist. Sich gegen den Antisemitismus einzusetzen, gehört eben zu den Ritualen, die man als geschichtsbewusster Deutscher zu bewältigen hat. Wobei dann der verpasste und nie stattgefundene Widerstand gegen die Nazis nachträglich ausgefochten wird, indem hier noch ein Mahnmal hingestellt wird und dort eine Straße nach einem ermordeten Juden benannt wird.

Wenn es aber darum geht, sich einmal nicht nur mit dem Kampf gegen den Antisemitismus einer vor Jahrzehnten besiegten Ideologie zu beschäftigen, sondern dem aktuellen entgegenzutreten, verflüchtigt sich das Engagement. Der lebendige Antisemitismus könnte sich ja wehren.

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Die Weigerung, sich mit Knoblochs Warnungen ernsthaft zu beschäftigen (und zuvor schon mit denen von Spiegel und Bubis), muss in einer Linie mit anderen Ereignissen gesehen werden, bei denen ein aktives Eintreten für die Juden notwendig gewesen wäre, beziehungsweiße immer noch ist. An erster Stelle muss hierbei das Verhalten gegenüber dem Iran bemängelt werden.

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Aber da formiert sich kein ernstzunehmender Protest, stattdessen wird geschwiegen. Vielleicht weil auch die (Enkel-) Kinder einstmals die Gelegenheit haben sollen, Gedenkstellen einzuweihen? Wobei dann die Toten aber keine europäischen Juden mehr wären, sondern israelische.

Norman Paech bald Atommacht?

August 31, 2006


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Norman Paech von der Linkspartei äußerte sich zum Konflikt mit dem Iran. Für ihn wäre es kein Problem, sollte Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Und er begründet das so: „Was man Israel oder Pakistan gewährt hat, kann man dem Iran nicht verweigern.“

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Klingt gut, kling fair, das Problem ist nur, dass dieses Eintreten für die Gerechtigkeit unredlich ist. Wenn Paech nämlich schon findet, dass dem Iran zusteht, was Israel schon hat, sollte er sich mit der gleichen Vehemenz auch dafür einsetzen, dass die Bevölkerung des Iran einmal genießen darf, was die Israelis schon genießen.

Darum müsste sein Interview um folgende Passage ergänzt werden:

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„Und was man den israelischen Bürgern gewährt, darf man den Iranern nicht verweigern. Also Demokratie, Glaubens- Religions- und Meinungsfreiheit. Eine unabhängige Presse, Reisefreiheit, das Gründen von Parteien und Vereinen. Satiren über die Regierenden und Mächtigen, Witze über Gott. Menschenrechte auch für Frauen, keine Steinigungen, keine Heiraten mit zwölf, keine Exekution wegen Homosexualität.“

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Und wenn im Iran hoffentlich einmal solche Verhältnisse herrschen werden, könnte man ja noch mal darüber sprechen, wie es denn jetzt aussieht mit Atomwaffen und so. Aber Moment, dann würde sich ja in Teheran niemand mehr dafür interessieren.

Säßen die antisemitischen Mullahs dann doch längst im Exil – im Wohnzimmer vom Paech in Berlin. Dort würden sie traurig ihre Pläne zur atomaren Vernichtung Israels betrachten und dabei die eine oder andere Tränen nicht unterdrücken können.

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Paech würde ihnen dann mitfühlend die Taschentücher reichen und sich als Trostspender versuchen: „Freunde, an uns hat es nicht gelegen. Die Christine Buchholz hat doch noch im Jahr 2006 der Junge Welt gesagt, dass sie die Hisbollah, Israels Friedensbewegung und die internationale Antikriegsbewegung als Verbündete betrachtet und auf deren Seite stehe.“

"Und abfaulen soll dir deine rechte"

August 30, 2006


Im Zusammenhang mit dem Artikel Linke Wut bekam ich Schützenhilfe von unerwarteter Seite. Mir wurde ganz diskret mitgeteilt, dass Gott, dieser schreibfaule Weltenerschaffer und Zerstörer, der in all den Jahren doch tatsächlich nur zehn mehr oder weniger originelle Ideen zu Stein brachte, auf meiner Seite steht. Dazu folgende Liste von Ereignissen, in denen Linkshändigkeit in Talmud und dem Neue Testament thematisiert wird:

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Die Rabbinen lehrten: stets stosse man mit der Linken (Hand) fort und ziehe man mit der Rechten heran (Talmud).

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Die Rabbinen lehrten des weiteren: Wenn man einen Schwur leistet und sagt „bei meiner linken Hand“, dann ist der Schwur bindend (Talmud). Dazu passend eine Stelle aus dem Buch Daniel: Der Prophet Daniel sieht in seiner Vision im letzten Kapitel einen Mann in einem leinenen Kleid, der über den Wassern des Stroms steht und der einen Schwur tut, indem er seine rechte und linke Hand gen Himmel hebt.

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Buch Richter, Kapitel 3 Vers 15, „… Ehud der Sohn Geras… der war linkshändig.“

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Außerdem ist im Buch der Richter 20,16 auch von 700 auserlesenen Männern die Rede, die… allesamt linkshändig waren. .

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Und sogar die Christen schließen sich dieser pro-linken Weltsicht an. Im neuen Testament heißt es: es wisse die Linke (Hand) nicht, was die Rechte tut, auf dass die Wohltätigkeit im verborgenen sei (Matth. 6,3)

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Tja, es scheint fast so, als ob man sein Seelenheil nicht in der Taufe suchen sollte, sondern im Umschulungskurs von rechts auf links. Denn, wie heißt es so schön und abschließend im Talmud: „Und der Himmel wird bewacht von einem Engel und dieser benutzt seine Linke um Rechtshänder abzuweißen und Linkshänder hereinzuwinken.“

Frage: Was ist eigentlich die Hölle?

August 29, 2006

Antwort: Die Hölle muss eine Mehrzweckhalle sein, in der Michael Moore eine Lesung hält, alle Ausgänge versperrt sind und Günter Grass und Noam Chomsky ständig „Zugabe!“ rufen.

Antisemiten und Philosemiten

August 29, 2006

Ich glaube nicht, dass es Antisemiten und Philosemiten gibt. Es gibt nur Antisemiten, die dazu stehen, und Antisemiten, die es nicht wahrhaben wollen.

Bekennende und verdrängende Antisemiten sozusagen.

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Letztlich ähneln sich die Denkstrukturen doch frappierend. Ob Juden als besonders raffgierig und böse dargestellt werden, oder gegenteilig als großzügig und gut, ist doch das gleiche. In beiden Fällen findet eine Entmenschlichung statt. In beiden Fällen können die Erwartungen nicht erfüllt werden. Antisemiten haben damit aber weniger Probleme als Philosemiten, denn sie ignorieren einfach alles, was ihrem Weltbild widerspricht. Für die Philosemiten sieht die Situation etwas anders aus, sie projizieren positive Erwartungen auf die Juden, die nicht erfüllt werden können. Sie haben sozusagen noch etwas zu verlieren. Es ist dabei nur eine Frage der Zeit, bis die Erwartungen enttäuscht werden und wenn es soweit ist, kann die Reaktion ebenso irrational sein, wie die vorherige Begeisterung. Wenn man Juden nämlich als Vertreter des absolut Guten sieht, ist der Weg nicht weit, in ihnen plötzlich das absolut Böse zu erkennen.

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Von daher stehen Philosemiten eigentlich immer mit mindestens einem Bein in der Tür zum Antisemitismus und sind auch nicht besser als jene. Sie Teilen grundlegende Elemente des Antisemitismus. Sie sehen in Juden keine normalen Menschen, denken in Kollektiven, projizieren auf sie bestimmte Erwartungen bzw. Ängste und verweigern den Juden somit das Recht darauf, als Menschen unter Menschen zu leben. Das Grundmotiv des Antisemitismus also.

Wie man den Deutschen Kabarettpreis gewinnt

August 27, 2006



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„Ich weiß, auch mein Kanzler hat gesagt, wir sollen nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus abgleiten, aber meiner ist gar nicht oberflächlich.“

„Ich hab auch nichts gegen Amerika, verstehen sie mich nicht falsch. Es ist ein wunderschönes Land, wenn sie die Gelegenheit haben, fliegen sie mal dorthin, es ist ein traumhaft schönes Land, ein Riesenland, das Problem sind die Menschen die da leben.“

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„Als in Ruanda 1,5 Millionen Menschen starben, weil die UNO-Blauhelmtruppen sich auf Befehl der Amerikaner zurückgezogen haben, weil da ging’s nicht um Öl oder irgendwas anderes was die Amis interessiert, es ging nur um Menschenleben und das interessiert die Amerikaner nun wirklich nicht […].“

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Diese drei Textstellen stammen aus dem Programm „Bis neulich…“ von Volker Pispers. Ebenso wie Gerhard Schröder hat auch er erkannt, wie karriereförderlich beziehungsweise arbeitsplatzsichernd es sein kann, sich betont “Amerikakritisch“ zu präsentieren. Dem einen brachte dieser Schachzug drei weitere Kanzlerjahre ein, dem anderen alle relevanten Preise, die man in Deutschland als Kabarettist gewinnen kann. Pispers ist sehr gefragt, seine Tourneen sind ausverkauft und er tritt regelmäßig im Fernsehen auf.

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Um zu begreifen, wie verkommen das Kabarett-Milieu ist und wie unfähig, sich von jahrzehntelang gepflegten Feindbildern zu lösen, ist ein genauerer Blick in das bisher erfolgreichste Pispers Programm „Bis neulich…“ lohnenswert.

Es versteht sich fast von selbst, dass Pispers erst durch den Irakkrieg größere Bekanntheit erlangte. Wenn nämlich dem Friedensfreund die Michael Moore Bücher ausgegangen sind (es gab mal Zeiten, in denen man sich in „linken“ Kreisen an Marx versuchte), muss er sich nach anderen Informationsquellen umsehen. Und da bietet sich Pispers natürlich an, setzt er doch gewissenhaft fort, was die Personifizierung des white trash so über den Atlantik schickt. Und das tollste dabei: Pispers ist längst nicht mehr auf den Import angewiesen, er produziert selber und zwar in Lizenz und massenhaft. Vielleicht sogar besser als das Vorbild, Made in Germany eben.

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Wie sieht also der Lauf der Weltgeschichte für einen aus, der um den antiamerikanischen Publikumsgeschmack weiß und weder gegen diesen ankämpfen will noch muss? In erster Linie sehr simpel. Nicht grundlos teilt Pispers mit den Islamisten nicht nur die Verachtung für die USA, sonder konkurriert mit ihnen auch darum, wer komplexe Zusammenhänge an radikalsten auf ein einziges Vorurteil herunter brechen kann.

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Gut möglich, dass er dabei die Nase vorn haben wird. Ihm gelingt es tatsächlich, für alle Krisen der Welt die USA mehr oder weniger direkt verantwortlich zu machen. Kleinigkeiten wie der Kalte Krieg oder der Zusammenbruch der Sowjetunion können ihn dabei nicht irritieren. Wer schon immer fand, dass die islamische Revolution im Iran und der Irakkrieg doch eigentlich mithilfe weniger Worte erklärbar sein müssten, wird nun erhört. Vorhang auf für Herr Pispers antiamerikanischen Geschichtsunterricht:

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Man hat zum Beispiel in Persien, heute ist das der Iran, hat man einen sympathischen talentierten jungen Diktator, den Schah von Persien, hat man solange aufgerüstet, bis der Schah von Persien über die viertgrößter Armee der Welt verfügte. Als Dank dafür und um die Armee finanzieren zu können, hat der Schah von Persien in guter alter amerikanischer Menschenrechtstradition seine eigene Bevölkerung dermaßen unterdrückt, geknechtet und ausgebeutet, dass die verzweifelten Perser sich eines Tages hinter einen religiösen Führer gescharrt haben um diesen Verbrecher loszuwerden.

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Wer kann das für uns [Anm.die Amerikaner] machen, die machen das eigentlich ungern selber. Da haben die wieder einen sympathischen jungen Mann gefunden, der wohnte da um die Ecke, Saddam Hussein hieß der. Ein talentierter junger Diktator zu der Zeit. Die Amerikaner haben gesagt, pass mal auf Hussein, wir rüsten dich auf, dann marschierst du im Iran ein, klaust dem Chomenie ein paar Ölquellen […] Der Vorteil ist, wir stoppen die islamistische Revolution und du hast die Ölquellen. Der Hussein ist ein ganz normaler Schweinediktator, dem geht’s um Geld und Macht, also das, womit die Amerikaner eigentlich gerne Geschäfte mit machen.

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Bei soviel Relativierung, Verkürzung und aggressiver Unbildung, ist es wirklich schwer, nicht der Versuchung zu erliegen, diesen Kabarettisten nicht einfach einen dummen Stammtischschwätzer zu nennen. Ich zumindest bin ihr erlegen.

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Pispers zeichnet sich aber nicht nur als unbestechlicher Analyst historischer Ereignisse aus, sonder hat auch den Durchblick für das aktuelle Weltgeschehen. Islamitischer Terror, die Anschläge des 11.Septembers und der Afghanistankrieg, ebenfalls alles erklärbar, ohne in die Verlegenheit des Differenzierens kommen zu müssen. Antiamerikanismus hat eben auch unbestreitbare Vorteile, gerade wenn man von Natur aus Denkfaul ist. Wo liegen denn die Gründe für den Hass der Islamisten auf den Westen? Wo andere zu stundelangen Monologen ansetzen müssten, nur um am Ende zugeben zu müssen, dass die Gründe für diesen Terror wohl nicht gänzlich rational erklärbar sind, genügt einem wie dem Pispers folgendes:

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Der Russe wurde auch in Afghanistan bekämpft […] da haben die Amerikaner gesagt, der muss da raus, wer kann das für uns machen? Haben die wieder einen sympathischen jungen Mann gefunden, der hieß Osama bin Laden. Jedenfalls, die Amerikaner haben gesagt, Osama du bist unser Mann, du gläubiger Moslem, wir gläubige Christen, wir bekämpfen die gottlosen Russen. Man hat Osama bin Laden finanziert, die Mudschahedin sind in den USA ausgebildet worden,[…] und dann hat der Osama bin Laden gekämpft. Zehn Jahre lang, zehn Jahre lang gegen die gottlosen Russen. Das Land war am Ende komplett zerstört, eine Millionen tote afghanische Zivilisten in diesem Krieg, 50.000 tote russische Soldaten. Das Land am Ende komplett zerstört, aber die Russen haben sich zurückgezogen und die Amerikaner haben gesagt: Osama, super Job, okay, euer Land sieht scheiße aus, aber is ja euer Land, also viel Spaß damit.

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Der Terrorismus, der heute den Westen bedroht, ist also das Produkt amerikanischer Außenpolitik und von daher selbstverschuldet. Ganz klar, so macht Geschichtsunterricht auch Antiimperialisten und Antiamerikanern Spaß.

Fast schon unnötig zu erwähnen, dass der islamistische Terrorismus mit dem Afghanistankrieg in etwa soviel zu tun hat, wie Volker Pispers mit geistreichem Kabarett.

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Neben diesen ebenso abenteuerlichen wie in sich logischen Welterklärungs-Theorien (ein Privileg der antiamerikanischen und antisemitischen Verschwörungsfantasien), zeichnet sich Pispers aber auch durch eine Menschenverachtung aus, die mit dem Begriff Zynismus längst nicht mehr angemessen bezeichnet wäre und in ihrer Geschmacklosigkeit nur noch von ihrer Dummheit übertroffen wird. Vor allen beim Aufrechnen von Opferzahlen wird dies deutlich. Dazu heißt es in einer Pispers Kurzbiografie anerkennend:

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Seine knallharten und oft makabren Schlüsse garniert er so liebevoll mit seiner brillianten Mimik und Gestik, daß dem Zuschauer höchst amüsiert und lachend die Absurdität des herrschenden Wahnsinns klar wird.

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Wobei mit höchst amüsanten Aussagen solche gemeint sein dürften:

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Jeden Tag sterben in Afghanistan zehn Menschen, weil sie auf eine Landmine treten. Jeden Tag zehn und das seit zehn Jahren. Das sind auch 3650 im Jahr, wo ist da eigentlich die jährliche Gedenkfeier? Das ist ein World-Trade Center jedes Jahr in Afghanistan, seit zehn Jahren. Aber sie können es eben medial nicht so aufbereiten, das ist eben der Unterschied.

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Eigentlich ist es unfassbar, wie jemand für solche Statements mit Preisen überschüttet werden kann. Er hat aber noch mehr dieses Kaliber auf Lager. Auch der Genozid in Ruanda geht nämlich auf die Kappe der Amis, weil die UNO-Blauhelmtruppen sich auf Befehl der Amerikaner zurückgezogen haben, weil da ging’s nicht um Öl oder irgendwas anderes was die Amis interessiert, es ging nur um Menschenleben und das interessiert die Amerikaner nun wirklich nicht.

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Da fallen dann so kleine Randbemerkungen wie Wir können ja gerne mal diskutieren, welche Politik bisher mehr Menschenleben gekostet hat, die von Saddam Hussein oder die von Georg W. Bush. auch kaum mehr ins Gewicht. An ärgerlichsten ist es aber, dass man beim hören dieser Hasstiraden in erster Linie bemerkt, wie ungebildet dieser Mensch ist. Oder ist es vielleicht schon mehr als nur Unbildung, wenn einem nicht auffallen will, dass das bloße Gegenüberstellen von Opferzahlen keine Aussagekraft besitzt? Konsequent weiter gedacht, könnte dann nämlich Volker Pispers brauner Doppelgänger auf NPD-Veranstaltungen selbstgefällig und dumm die deutschen Opferzahlen des Zweiten Weltkrieges mit denen anderer Länder vergleichen und eine Opferrolle beanspruchen.

Die wohl dämlichste Aufrechnung in dem vor dämlichen Aufrechnungen strotzenden Programm „Bis neulich…“ dürfte aber diese sein:

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50.000 Deutsche sterben jedes Jahr an Lungenkrebs vom Rauchen, noch mal 50.000, ich hab es eben schon mal gesagt, sterben an Leberzyrose durchs Saufen, aber die eigentliche Bedrohung für uns, die geht doch vom islamistischen Terror aus.

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Wie niveaulos diese Art des Kabaretts ist, machen auch die permanenten persönlichen Beleidigungen deutlich. Da werden Enzensberger und Biermann als Alkoholiker beschimpft, weil sie Saddam Hussein vor dem 1.Golfkrieg für einen großen Verbrecher hielten, Bush ist sowieso dumm, ebenso wie Merkel und Beckstein. Das politische Kabarett in Deutschland hat offenbar das Ende des Kalten Kriegs nicht verkraftet, ist immer noch in primitiven Gut-Böse Schemata verhaftet und hat in der momentanen Form längst keine Daseinsberechtigung mehr. Wo eine persönliche Beleidigung die Auseinandersetzung mit den Ideen eines Gegners ablöst, befindet man sich nicht mehr auf der Bühne, sondern am Stammtisch.

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Heute kann man also mit einem durch und durch antiamerikanische Grundeinstellung zu einem der beliebtesten Kabarettisten aufsteigen. Das sagt viel über den Charakter eines Volker Pispers aus, aber noch viel mehr über das Milieu, dass für sich das Etikett „politisches Kabarett“ reklamiert.

Was ist Islamophobie?

August 25, 2006


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Das der Begriff Islamophobie nicht längst zum Unwort des Jahres gewählt wurde, ist eigentlich unerklärlich. Dabei ist er doch zynischer als Kollateralschaden, hinterlistiger als Tätervolk und erschreckender als Diätenanpassung. Was steht dieser Würdigung eigentlich noch im Wege? Vor allen die Islamophobie selber, beziehungsweise ihre Effektivität. Soll dieser Kampfbegriff doch vor allen diejenigen zum Schweigen bringen, die etwas an den Zielen der Islamisten auszusetzen haben. Also ziemlich viele, darunter auch alle Moslems, die nicht mit dem Terrorismus sympathisieren.

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Natürlich ist die Islamophobie eine Erfindung, sie ist eine Kopie des Antisemitismus, erdacht von fanatischen Antisemiten(*). Mit ihrem Gespür für geschichtlich begründete Sensibilitäten, ist es den Islamisten gelungen, die Kritik an ihrer Ideologie mit Kritik am Islam gleichzusetzen. Der 11.09., Madrid, und London verblassen neben diesem Triumph. Wer sie kritisiert, kritisiert den Islam. Wer den Islam kritisiert, steht im Verdacht, mindestens ein Rassist zu sein. In Europa ist man mittlerweile aber höchst empfindlich, was die Behandlung von Minderheiten angeht. Offener Rassismus und Antisemitismus werden von den Staaten bekämpft und sind keinesfalls Mehrheitstauglich. Diese Sensibilität machen sich nun jene zu nutze, die mit dem Kampfbegriff Islamophobie ihre Kritiker bedrängen.

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Es muss deutlich gesagt werden: Es gibt keine Islamophobie. Wenn Moslems in Europa diskriminiert werden, dann handelt es sich dabei um Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Das macht die Sache nicht weniger schlimm. Aber der Hintergrund ist doch ein anderer.

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Wie widersinnig es ist, von Islamophobie zu sprechen, wird spätestens dann deutlich, wenn sie mit dem Antisemitismus verglichen wird. Der Antisemitismus verfügt über ein in sich geschlossenes Weltbild, in dem die Juden für alles schlechte verantwortlich sind. Der Antisemit sieht sich durch die Juden bedroht und betrachtet sie als ein Kollektiv. Nichts davon kann auf den Begriff Islamophobie übertragen werden.

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Umso gefährlicher ist es, dass die Islamophobie immer mehr als der Zwillingsbruder des Antisemitismus betrachtet wird. In Deutschland tun sich ausgerechnet der Zentralrat der Juden und die israelische Botschaft dabei hervor, diesen Begriff endgültig zu etablieren. Es werden Diskussionsabende veranstaltet, auf denen über die Probleme gesprochen werden, die Juden und Moslems durch den Antisemitismus beziehungsweise die Islamophobie entstehen.

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Es besitzt seine eigene bittere Ironie, dass es jüdische und israelische Organisationen sind, die sich um dieses Wort verdient machen. Die Islamisten, die diesen Begriff nutzen, werden es ihnen nicht danken. Wenden sie sich doch zuerst gegen die Juden und dann gegen die ganze westliche Lebensweise. Je länger ein hartes Vorgehen gegen sie aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf den Islam aufgeschoben wird, desto schrecklicher werden die Folgen sein.

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Es ist höchste Zeit zu erkennen, wie blind die Angst vor dem Vorwurf der Islamophobie den Westen gegenüber den Gefahren des Islamismus gemacht hat. Vielleicht hätten es die Kofferbomber nicht so leicht gehabt, wenn schon vor Jahren härter gegen islamistische Strömungen vorgegangen worden wäre. Jetzt zahlt man den Preis für seine Feigheit und korrigiert hoffentlich diesen Irrtum.

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Man sollte also diesen Begriff schleunigst zum Unwort des Jahres küren und danach entsorgen. Wir haben hier Gesetze, die die Ausübung einer Religion gewährleisten, mehr ist nicht nötig. Vor allen nicht, dass sich, geschützt durch die Waffe Islamophobie, islamistische Strömungen breit machen, die eher früher als später alles attackieren werden, was ihrem Weltbild nicht passt: moderate Moslems, Juden und Christen.

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(*) Der Vorwurf „Islamophobie“ wurde erstmals 1979 von iranischen Mullahs gegen Frauen verwendet, die sich der Zwangsverschleierung nach der islamischen Revolution widersetzten. Heute gibt es islamistische Organisationen wie die Islamic Human Rights Commission, deren Ziel es ist, „Informationen über den Missbrauch der Rechte Gottes zu sammeln.“ Worunter alles fällt, was der fundamentalistischen Moral widerspricht, etwa Homosexualität, Ehebruch und Blasphemie.