Archiv für Juli 2006

Demo in Köln

Juli 31, 2006

Ein Text zur Israel-Solidaritätsdemo in Köln und, obwohl hier eigentlich schon alles zu Indymedia geschrieben wurde, will ich trotzdem noch einen einzelnen Kommentar von dieser Seite veröffentlichen. Er bezieht sich auf eine Pro-Terror Veranstaltung, auf der die Teilnehmer es sich nicht nehmen ließen, auch mit durchgestrichenen Davidsternen aufzutreten. Interessant ist er deswegen, weil er auf grandiose Weise Unbildung und Dummheit verbindet. Vorhang auf:

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Klasse Aktion!

Peter G. 30.07.2006 21:26

gegen Faschismus, Rassismus, Zionismus und Krieg!

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Klarstellung

Juli 31, 2006

Offensichtlich hat folgender Absatz aus meinem letzten Text für etwas Irritation gesorgt.

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Die Amerikaner präsentierten im Vorfeld des Irakkrieges tatsächlich manches, was nicht der Wahrheit entsprach, doch woher zieht er die Parallele zwischen diesen getürkten Fakten und den Aussagen der verzweifelten Eltern eines entführten Soldaten?

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Gebauer muss wissen, dass die Deutschen den Irakkrieg weiterhin auch damit verbinden, dass er auf Lügen aufgebaut gewesen sei.

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Es wurde die Frage gestellt, ob ich den Irakkrieg also für falsch halte. Es gibt darauf zwei Antworten. Die länger kann hier eingesehen werden, während sich die kürzere auf ein Wort reduzieren lässt: Nein.

Wie Israel sich an Journalisten vergeht

Juli 30, 2006


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Es muss eine Mischung aus Dreistigkeit und Zynismus sein, die einen dazu bringt, nicht nur zu ignorieren, dass Israel in den Medien konsequent als Aggressor beschrieben wird, sondern auch noch einen Artikel darüber zu verfassen, wie die israelische PR-Maschinerie versucht, den Journalisten den Alltag in einem angegriffenen Land zu präsentieren. Damit wird die Realität gleich auf zweierlei Weise auf den Kopf gestellt. Zum einen ist das Israel-Bild in den Medien ein Desaster und zum anderen, logisch folgend, kann es dann nicht weit her sein mit den israelischen Einflussmöglichkeiten auf die Berichterstattung.

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Matthias Gebauer hat es im Spiegel-Artikel All-inclusive-Paket für Kriegsberichterstatter geschafft, diese Realitätsverzerrung bis ins absurde zu steigern und sparte dabei auch nicht mit geschmacklosen Metaphern und Vergleichen.

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Er lässt den Leser an einem ganz normalen Tag als Israel Korrespondent teilhaben und der beginnt morgens neun Uhr damit, dass eine weibliche Stimme flötet,

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was haben Sie heute vor, brauchen sie noch eine Idee“? Danach sprudelt es: Gesprächspartner, eine Tour zu den von Raketen getroffenen Häusern Haifas – inklusive, mit Opfern zu sprechen. Ebenso kommt ein Experte mit, der die Raketen erklärt – „gern auch im O-Ton“.

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Das Angebot ist noch nicht ausgeschöpft. „Das Highlight kommt noch“, so die Dame vom Pressebüro der israelischen Regierung, kurz GPO. „Wir haben in Naharya ein Gespräch mit den Eltern eines entführten Soldaten“, sagt sie. Die Eltern von Ehud Goldwasser, seit dem 12. Juli in der Hand der Hisbollah, stünden in einem Hotel bereit. Ein Dolmetscher? Nicht nötig. „Sie sprechen gutes Englisch, keine Sorge“.

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Gebauer sagte also sein kommen zu und schon kurz darauf nahm er an der Pressekonferenz von Schlomo Goldwasser teil. Er hatte nicht viel zu sagen und das wenige was er sagte, dass waren

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die typischen Sätze, die Sicherheitsbehörden den Eltern von Gekidnappten einflüstern, wenn sie einen Aufruf durch die Medien senden wollen oder sollen. „Sie, die Entführer meines Sohns, tragen die Verantwortung für die Sicherheit von Ehud“, sagt Goldwasser, „sie tragen auch die Verantwortung dafür, dass er bald und unversehrt wieder zu uns zurückkehrt“. Mehr falle ihm nicht ein. Er sei Vater, kein Politiker.

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(die beiden entführten Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser)

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Na ja, was an diesen Aussagen nun falsch sein sollte, kann ich nicht erkennen und ob Gebauer es auch gewagt hätte, die verzweifelten Appellen der Angehörigen der deutschen Geiseln im Irak als von Sicherheitsbehörden eingeflüsterte Texte zu entlarven, wage ich zu bezweifeln. Danach beschrieb er noch, wie die Goldwassers Fotoalben präsentierten, weil “das berührt die Zuschauer“ und stellt noch mal fest:

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Und all das organisiert und inszeniert vom Pressebüro der israelischen Regierung. Organisiert für ausländische Journalisten. Damit einer der Gründe für den aktuellen Krieg, das Leid der Eltern, seine Öffentlichkeit bekommt.

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Nachdem Gebauer nun also diese unglaubliche Ausschlachtung menschlichen Leidens mitbekommen hat, die von jedem anständigen Boulevard-Magazin Bericht über Liebeskummer bei Teenagern in den Schatten gestellt wird, kann er darüber nicht länger schweigen:

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Propaganda gehört zum Krieg. Vor allem, wenn ein Staat seinen Waffengang als gerecht, als berechtigt erklären will. Der erste Irakkrieg, Afghanistan, noch etwas perfider vor dem zweiten US-Einmarsch im Irak, es war das gleiche Spiel. Ganze Abteilungen arbeiteten am emotional geprägten Bild, dass die Politik der Kriegslenker in den Medien stützen soll. Ein ganz normales Geschäft – PR für den Krieg eben.

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So ist das. Und schon ist der Antiterrorkampf im Libanon nichts weiter als die Fortsetzung des in Deutschland so unbeliebten Irakkrieges. Dabei unterschlägt der Spiegel-Mann aber einige wesentlichen Unterschiede. Die Amerikaner präsentierten im Vorfeld des Irakkrieges tatsächlich manches, was nicht der Wahrheit entsprach, doch woher zieht er die Parallele zwischen diesen getürkten Fakten und den Aussagen der verzweifelten Eltern eines entführten Soldaten?

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Gebauer muss wissen, dass die Deutschen den Irakkrieg weiterhin auch damit verbinden, dass er auf Lügen aufgebaut gewesen sei. Wenn er nun die israelischen Selbstverteidigungsmaßnahmen und die mit ihr einhergehenden PR-Arbeiten im selben Satz erwähnt, so nimmt er mit voller Absicht in kauf, dass die Leser auch Zweifel an der Legitimation dieses Kampfes hegen.

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Wie kommt er aber dazu? Gibt es etwa Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit? Außerdem sollte Gebauer mit dem Begriff Propaganda in dieser Weltgegend vorsichtig umgehen. Wenn er schon diese Pressekonferenz als Propaganda bezeichnet, so wäre es interessant zu erfahren, welche Worte er für das findet, was zum Beispiel die Führer der Palästinenser an Propaganda betreiben: Das filmen eines kleinen Mädchens, das sich weinend neben ihren getöteten Vater setzt, Aufnahmen blutüberströmter Opfer von (israelischen?) Angriffen, die Benennung von Straßen nach Selbstmordattentätern – vergleichbar mit der Angst zweier Eltern um ihren Sohn?

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Was Gebauer jetzt noch zu sagen hat, kommt weitestgehend ohne Begründungen aus.

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Dass bei der gesteuerten Info-Vergabe viel Falsches lanciert wird, gehört zum Allgemeinwissen.

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Sagt es und bleibt Beispiele schuldig.

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Ebenso aber ist es nicht verwerflich, dass ein Staat wie Israel dieser Tage seine Opfer durch Hisbollah-Raketen auch in den Medien abgebildet sehen will. Diese Opfer (seit dem Krieg 17 unter der Zivilbevölkerung) geben dem Waffengang gegen die Hisbollah und den ganzen Libanon einen Sinn.

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Diese Opfer geben dem Krieg einen Sinn? Das kling so, als seien diese Opfer für die Regierung nur ein willkommener Vorwand, um endlich im Nachbarland einfallen zu können. Dieser Kampf ist deswegen notwendig, weil Israel vom Libanon aus Überfallen wurde und sich dagegen verteidigen muss.

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Man kann außerdem erleichtert feststellen, dass der Gebauer immun gegen die Gehirnwäsche der israelischen PR-Strategen ist. Trotz aller anders lautenden Beteuerungen ist ihm nämlich sehr wohl klar, dass Israel nicht nur gegen Hisbollah, sondern gegen den ganzen Libanon vorgeht. Vielleicht wundert es ihn, dass die Israelis das Umwerben eines solch unbeugsamen Journalisten nicht längst aufgeben haben, denn es klingt beinahe etwas überrascht, wenn er danach schreibt.

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Die israelische Journalisten-Betreuung kommt trotzdem geradezu exzessiv daher. Kaum hat man sich bei der GPO akkreditiert, wird man mit e-mails und Telefonanfragen bombardiert. Muss man sich bei anderen Krisen gerade als Deutscher eher einschmeicheln, nach persönlichen Kontakten suchen, herrscht hier eine Art all-inclusive-Stimmung. Es wird nicht gelogen oder vertuscht – es wird gut betreut.

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Witzig, das ist der Sarkasmus, den man als Frontberichterstatter braucht. Es wird nicht gelogen oder vertuscht – es wird gut betreut! Da muss sich die Wahrheit auch mal der Pointe anpassen. Im weiteren Verlauf des Artikels entlarvt er die Israelis dann endgültig. Er weist ihnen nach, dass sie tatsächlich ein vielfältiges Programm für Journalisten anbieten würden. Für alle wäre etwas dabei.

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Gleich elf Geschichten sind im Angebot: Entweder die israelischen Flüchtlinge. Oder die Probleme der arabischen Israelis? Ein Feature, wie ein Dorf über ganz Israel verstreut wurde? Eine Reportage über Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten? Ehemalige Geiseln? Oder doch lieber über ein Dorf, das seit Jahrzehnten beschossen wird? Alles ist möglich.

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Es ist nicht klar, was er daran zu bemängeln hat und vielleicht sollte man ihm den Rat geben, dass er es auf Seiten der Palästinenser nicht mit einer solch verunsichernden Vielfalt zu tun hätte. Da könnte er morgens ein kleines Kind interviewen, das die Israelis hasst, mittags stünde dann ein Besuch bei einem kleine Jungen an, der die Israelis hasst und abends würde ein Hamas-Sprecher erklären, warum die Palästinenser die Israelis hassen und immer wären einige Bewaffnete dabei, die dafür sorgen, dass es zu keinen Überraschungen kommt: Ach, die Welt könnte so einfach sein.

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Der krönende Abschluss dieses Artikels folgt dann aber im vorletzten Absatz.

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Auch die Sprachbarrieren werden gern überbrückt. Auf jeder der Listen sind Augenzeugen, die verschiedene Sprachprofile haben. Im Einwanderungsland Israel kommt da einiges zusammen: Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und natürlich auch aus jeder Stadt mehrere Menschen, die Deutsch sprechen. Aufwendige Synchronisation fällt bei diesem Service aus. Spätestens jetzt erinnert dies alles sehr an die „Man spricht Deutsch“-Schilder auf Mallorca.

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So unterschiedlich kann man das sehen. Wenn Gebauer sich darüber auslässt, dass eine Synchronisation dank der deutsch sprechenden Israelis unnötig ist und dabei als Assoziation „Man spricht Deutsch“- Schilder im Kopf hat und nicht etwa „Deutsche, kauft nicht bei Juden“ oder „Für Juden und Hunde Zutritt verboten“, ist es ihm gelungen, sich von der deutschen Geschichte frei zu machen. Kein Wort darüber, dass es sich bei den Deutschsprachlern zumeist um Holocaustüberlebende handelt, die nun wieder von Antisemiten mit dem Tode bedroht werden. Nein, stattdessen ein Verweiß auf die Hochburg des deutschen Idiotentums auf Mallorca.

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Beeindruckender kann die Verachtung für das Leid der israelischen Bevölkerung nicht auf den Punkt gebracht werden: „Man spricht Deutsch.“

Verhältnissmäßigkeit der Mittel (aus einer anderen Perspektive)

Juli 29, 2006

Es sollte im Libanon nicht darum gehen, irgendwelchen Terror-Freunden zu beweisen, dass Israel sich moralisch korrekt verhält und darum sollte die IDF auch nicht den Fehler machen, aus dem falschen Glauben heraus, an der Meinung von Israel-Hassern durch besondere Rücksichtnahme etwas ändern zu können, eigene Soldaten zu opfern. Warum sollen Soldaten in Häuserkämpfen sterben, die nur deswegen nötig sind, weil aus Rücksicht auf Opfer unter der Zivilbevölkerung keine Luftangriffe durchgeführt werden?
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Diese Rücksichtnahme wird von den Medien nicht honoriert und Israel verliert dabei in vielerlei Hinsicht. Nicht nur müssen aus diesem Grund eigenen Soldaten beerdigt werden, nein, die Hisbollah kann sich auch noch als heldenhafte Miliz profilieren und die Feinde Israels freuen sich über diese Verluste.
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Das Ergebnis dieser Taktik ist also nicht eine Anerkennung der Mühen, Zivilisten zu schonen, sondern Schadenfreude. Darum sollten nicht weiterhin Soldaten in verlustreichen Kämpfen Hisbollah Stellungen erobern müssen, nur weil Luftangriffe aus Angst vor drohenden zivilen Opfer unterbleiben.
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Nein, diese Toten müssen nicht sein. Die Wahrheit ist doch, dass jeder ehrliche Beobachter dieses Konflikts sehen kann, dass Israel sich so weit es möglich ist, um die Sicherheit von Unbeteiligten kümmert.
– Ehe Terrorziele bombardiert werden, informieren Flugblätter die Bewohner darüber, dass sie diese Gebiete verlassen sollen.
– Seit Tagen fordert die Armee die Bevölkerung des Südlibanons dazu auf, sich in andere Landesteile zu bewegen.
– Es werden Korridore für Hilfslieferungen bereitgehalten.
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Welcher andere Staat bemüht oder bemühte sich denn in einem Krieg je ebenso darum, die Bevölkerung des Gegners zu schonen? Die Feinde Israels ganz sicher nicht, sie folgen genau dem umgekehrten Ziel und greifen primär Unbeteiligte an.
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Diese Rücksichtnahme ist etwas positives, doch sollte sie nicht soweit gehen, dass wegen ihr im Zweifelsfall eigenen Soldaten ihr Leben verlieren. Das ist es nicht wert, denn wer Israel seine Selbstverteidigung vorwirft und seine Einsätze unverhältnismäßig nennt, interessiert sich gar nicht dafür, was die IDF alles unternimmt, um Unschuldige zu schützen.
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Solche Leute bilden den harten Kern derer, die zu Beginn dieses Artikels als Terror-Freunde und Israel-Hasser bezeichnet wurden und mal als libanesischer Hisbollah-Sympathisant daher kommen, mal als „westlicher“ Friedensdemonstrant, mal als deutsche Entwicklungsministerin. Warum sollte für diese Leute auch nur ein Israeli sterben müssen? Vor allen, weil der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit aus diesen Kreisen immer nur gegen Israel gerichtet und darum heuchlerisch ist. Amnon Dankner und Dan Marglit stellten diesbezüglich in Haaretz einige Frage und es wäre interessant zu hören, was Frau Zeul ihnen für Antworten geben würde.
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Man spricht viel, vor allem in der Welt, über die unpassenden Proportionen der israelischen Aktion. Von welchen Proportionen spricht man mit einer Familie, deren Haus von einer Rakete getroffen und ihre Angehörigen getötet wurden? Von welchen Proportionen spricht man mit denen, die in den stickigen und engen Bunkern sitzen? Von welchen Proportionen spricht man, wenn über einem großen Teil des Landes Tag für Tag die Wolke der Bedrohung hängt, und auf das jeden Tag mehrmals ein Regenguss von Zerstörung herunterprasselt?

[…]

Wir leben hier völlig unproportional in einem riesigen Meer von Feinden. Wir wollen nur eine Proportion: Ruhe an unseren zwei Grenzen, im Norden und im Süden. Wenn wir geschlagen werden, müssen wir noch stärker zurückschlagen, und ein Krieg ist keine Schule für gute Manieren. In Europa nennt man uns Mörder, in Amerika ist man mit unserer Leistung unzufrieden. Wenn wir ein schönes Gesicht im Spiegel bewahren wollen, dann ist dieses Gesicht schmerzverzerrt. Wenn wir davor zurückschrecken, ein Dorf zu vernichten, in dem es von Hisbollah nur so wimmelt, tragen wir unsere Gefallenen nach Hause.

Für die libaneischen Opfer ist die Hisbollah verantwortlich

Juli 29, 2006

Ein sehr guter Artikel von Alan Dershowitz. Er geht darin auch auf die Problematik ein, dass das traditionelle Kriegsrecht seine Sinn verliert, wenn eine Armee gegen eine Terrororganisation vorgehe muss. Seine daraus folgende Forderung ist absolut berechtigt:

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Kriegsrecht und moralische Bewertung militärischer Einsätze müssen sich diesen neuen Realitäten anpassen. Schuld und Verantwortung für zivile Opfer sollte direkt den Terroristen zugewiesen werden, die alles in ihrer Macht Stehende tun, diese Opferzahl zu maximieren. Hier mag ein Vergleich mit dem US-Strafrecht aufschlussreich sein: Nimmt ein Bankräuber einen Kassierer als Geisel und bedient er sich seiner als Schutzschild, während er auf die Polizei schießt, so ist er des Mordes schuldig, falls die Polizei daraufhin versehentlich die unschuldige Geisel tötet.

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Ansonsten ist es schön zu sehen, dass es auch Bundestagsabgeordnete gibt, deren Solidarität mit Israel sich nicht darauf beschränkt, Israel für seine Selbstverteidigung zu kritisieren. Aus diesem Grund reiste Jerzy Montag nach Haifa und was er nach seiner Rückkehr zu sagen hatte, ist frei von der sonst üblichen „Alle sind gleichermaßen verantwortlich-Rhetorik“. Ein aktuelles Interview von ihm erschien in der Sueddeutschen Zeitung. Hier ein Auszug:

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SZ: Halten Sie die Luftangriffe auf die Hisbollah für gerechtfertigt?

Montag: Auf die Hisbollah ja, das ist Notwehr, Israel ist in der Pflicht, seine Bürger gegen den Terror zu schützen.

SZ: Auch wenn im Südlibanon unbeteiligte Kinder, Frauen und Männer
sterben und ein Land buchstäblich ruiniert wird? Viele Ihrer Parteifreunde, viele Menschen aus der Friedensbewegung und den Kirchen kritisieren Israel heftig.

Montag: Soll der liebe Gott die Raketen abfangen? Die Hisbollah greift
in Nordisrael bewusst Zivilisten an. Die Bevölkerung im Südlibanon ist
den Terroristen egal, sie versteckt ihre Raketenwerfer und ihre Kommandeure hinter Frauen und Kindern, nicht zuletzt, um die Opfer dann zu Propagandazwecken zu missbrauchen.

Ich hab nichts gegen Hisbollah, nur gegen ihren Antisemitismus

Juli 28, 2006


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Wenn man sich so die Nachrichten über den Nahostkonflikt ansieht, so fällt schnell auf, dass dieser sich in zwei verschiedenen Dimensionen abspielt. In der einen gibt es das winzige Land Israel, dessen Hauptproblem darin besteht, dass es viele, viele Fanatiker gibt, die es vernichten wollen. Diese Fanatiker können sich dabei auf die mehr oder weniger offene Unterstützung durch unzählige Staaten und Institutionen verlassen. Angefangen bei den antisemitischen Terrorristen in Teheran, über viele einstmals so genannten blockfreie Staaten, bis hin zur UNO.

Israel weigerte sich bisher aber beharrlich seinem Untergang zuzustimmen, weswegen es von der potentiell pro- Terroristischen Weltgemeinschaft immer und immer wieder gerügt wird. Dieses Verhalten ist nämlich nicht im Sinne der Mehrheit der in der UNO Vertretenen Diktaturen.

Nach Kräften versuchen die Israelhasser also, diesem Land das Überleben so schwer wie möglich zu machen. Darum werden ihm gegenüber auch moralische Standards verlangt, die von niemandem sonst eingefordert werden. Vor allen nicht denen gegenüber, die Israel oftmals als Menschrechtsverletzer anprangern und dabei auf ihren UNO Tischen Namensschilder wie Sudan oder Iran stehen haben.

Israel darf sich also keine Verletzung irgendeines Rechts erlauben, muss sich sowohl im Krieg als auch im Frieden perfekt verhalten und auch während eines aufgenötigten Kampfes gegen Terroristen selbstverständlich Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen. Ebenso selbstverständlich behaupten die Gegner trotzdem, dass Israel sich gegen alle Gebote der Menschlichkeit vergangen und darum sein Existenzrecht verwirkt hat. Interessanterweise beteiligt sich auch die Mehrzahl der internationalen Presse daran, Israel Verbrechen vorzuwerfen, die es in den allermeisten Fällen nicht begangen hat. Sogar dann, wenn es sich um Verbrechen handelt, die niemals eine Zeitungsschlagzeile wert wären, wenn sie nicht das Qualitätssiegel Made in Israel tragen würde.

In der anderen der beiden Dimensionen spielt sich der Nahostkonflikt aus der Perspektive der Feinde Israels ab. Sie haben absolute Narrenfreiheit in der Wahl ihrer Mittel. Wenn Israel beim Ausschalten irgendwelcher Raketenabschussbasen auch Zivilisten tötet, weil diese Basen aus taktische Gründen im Garten einer Großfamilie platziert wurde, wird nicht die Terrororganisation, die sich auf das benutzen von Menschen als lebende Schutzschilder spezialisiert hat, kritisiert, sondern Israel. Wobei die Kritiker dabei nicht nur konsequent die Antwort schuldig bleiben, wie der Beschuss Israels durch diese Raketenstellung anders zu verhindern wäre, sondern es auch nicht für nötig erachten, nochmals zu betonen, wie menschenverachtend die Terroristen den Tod von Unschuldigen als Propagandasieg einkalkulieren. Die einen Journalisten schweigen dazu, weil sie ganz gewöhnliche Antisemiten sind, die anderen, die Mehrheit, weil es sich bei ihnen um ganz gewöhnliche ignorante Idioten handelt. Sie haben sich ganz einfach das Etikett Nahostexperte angeheftet und würden sicherlich nicht solch kluge und mahnenden Belehrungen über die Unverhältnismäßigkeit der israelischen Reaktionen schreiben, wenn ihr Büro sich zufällig in Safed befinden würde und nicht in Stuttgart oder Hamburg.

Es muss auch festgehalten werden, dass die Feinde Israels niemals unverhältnismäßig handeln. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, da sie doch genau dies offensichtlich tun. Sie warten nicht erst ab, bis sich die Zivilbevölkerung aus dem Kampfgebiet entfernen konnte, weil für sie die Zivilisten das Kampfgebiet sind. Sie zögern nicht, alles zu attackieren, was in ihrer Reichweite liegt, weil sie eben nicht für eine verhandelbares Ziel oder ein besseres Leben kämpfen, sondern für die Vernichtung der Juden. Sie achten selbstverständlich nicht die Neutralität von Organisationen wie dem Roten Halbmond und verstecken sich darum gerne Mal in einem Krankenwagen. Warum dürfen sie das? Ganz einfach: Weil der Antisemitismus keine roten Linien kennt und beim Judenmord das Motto gilt: Der Zweck heiligt die Mittel.

Da wir es also offensichtlich mit zwei verschiedenen Beurteilungen des Nahostkonflikts zu tun haben und der Grund dafür im Antisemitismus (oder wie auch immer man seine Judenhass nun nennen möchte) zu finden ist, kann die Lösung für das Ende dieses Konflikts auch nicht nur im Nahen Osten liegen. Natürlich stimmt es, dass ein Waffenstillstand solange keinen Sinn macht, bis die Hisbollah zerschlagen ist, doch der entscheidende Kampf, der findet doch woanders statt. Wenn nämlich offensichtlich die wichtigste Waffe gegen Israel nicht Raketen und Selbstmordattentate sind, sondern das einende Band des Antisemitismus, so gilt es, gegen diesen vorzugehen. Weltweit und kompromisslos. Es wäre wohl nicht allzu dreist, wenn man von Deutschland verlangen würde, dass es in diesem Kampf an vorderster Front zu stehen hat!
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Das Foto habe ich übrigens von diesem Blog, dort gibt es einen kleinen Beitrag zur Pro-Israel Demo, die heute in Berlin stattfand.

Antifa heißt Angriff!!!

Juli 28, 2006


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Aus Zeitmangel an dieser Stelle nur noch einige Hinweise:
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Höchst informative Artikel zum Nahostkonflikt gibt es wie immer auf Lizas Welt im Allgemeinen und hier, hier und hier im Besonderen.
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Außerdem sei noch einmal auf diesen Artikel hingewiesen. Man sollte sich beim lesen bitte an die Israelis erinnern, die in den letzten Jahren für Aufsehen sorgten, weil sie aus Gewissensgründen die Einsätze in den besetzten Gebieten verweigerten. Das ging immer mit viel Getöse durch die Medien. Nun ja, auch der Verfasser dieses Artikels ringt mit seinem Gewissen, meldete sich dann aber doch Freiwillig für den Libanoneinsatz und das, obwohl er sich vor Jahren schwor, nie mehr eine Uniform anzuziehen. Diese Geschichte sorgte in den Medien aber nicht für ganz soviel Aufsehen. Vielleicht, weil man es hier nicht mag, wenn Israelis sich wehren?

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PS: Ich gebe es ja zu! Auf die Überschrift für diesen Eintrag bin ich nicht selber gekommen, aber weil sie so treffend das leere gequatsche der Antifa entlarvt, musste ich diese Idee einfach klauen.