Archiv für Mai 2006

Historisches Palästina

Mai 31, 2006

Heute Abend besuchte ich mit Kehlchen eine Filmvorführung der Palästina-AG. Gezeigt wurde die “Dokumentation“ Checkpoint von Yoav Shamir. Durch einen kleinen, geschickten Trick gewinnt dieses Werk immens an Emotionalität – Es werden einfach alle Hintergründe der Checkpoints ausgeblendet. Etwa das sie dafür Sorgen sollen, dass palästinensische Freiheitskämpfer bei ihrem Gang ins Jenseits nicht dutzende israelische Teenager mitnehmen, die eigentlich viel lieber in die Disko wollten.

Die schikanierten Palästinenser sind allesamt entweder Kranke auf dem Weg zum Arzt, ehrliche Arbeiter oder Studenten. Kein Wort des Hasses kommt ihnen über die Lippen, und natürlich durchstöbern die Soldaten umsonst das Gepäck. Noch nicht einmal das winzigste Messer finden sie. Da können sie die Schulbusse noch so oft durchsuchen, es bleibt dabei: Selbstmordanschläge gibt es gar nicht!

Ich habe den Veranstaltern eine E-Mail geschrieben, in der ich die fehlende Selbstkritik anspreche, die wohl neben dem Hass auf Israel das zweite Fundament der palästinensischen Identität ausmacht.

———————————-

Guten Abend, ich war heute anwesend, als die Palästina-AG den Film Checkpoint zeigte.
Leider wurde danach kein Wert auf eine Diskussion gelegt. Darum würde ich gerne auf diesem Wege ein paar Sätze mitteilen.

Ich war zum ersten Mal auf einer Veranstaltung der Palästina-AG und muss leider sagen, dass mir etwas sehr negativ auffiel: Ein Mangel an Selbstkritik.

Doch zuerst ein paar Bemerkungen zum Film: Er ist sehr einseitig. In ihm werden die Straßenspeeren als reine Schikane ohne Sinn dargestellt. Die Hinterbliebenen der Opfer von 120 Selbstmordattentaten und ungezählter Schusswaffenüberfällen werden da eine etwas andere Ansicht zu haben. Dass ein Staat versucht, seine Bürger zu schützen und dafür sorgen will, dass sie ohne Lebensgefahr in ein Cafe, einen Bus oder eine Diskothek gehen können ist legitim. Jeder Staat macht das und hat sogar die Pflicht dazu.
So lässt der Film keinen Raum für Hintergrundinformationen. Er wurde im Zeitraum von drei Jahren gedreht, in drei Jahren voller Terroranschlägen. Davon kein Wort.

Doch bin ich weniger über diese “Dokumentation“ enttäuscht, sondern über das Fazit, dass am Ende vom Veranstalter gezogen wurde: „Besatzung ist eine Demütigung für die Besetzten und die Besatzer. Frieden kann es erst geben, wenn die Besatzung endet.“ Punkt, fertig!
Ist es wirklich so simpel?
Vertritt die Palästina-AG wirklich diese naive Meinung?
Sind sie nicht der Ansicht, dass auch die palästinensische Seite eine Mitschuld trägt.
Etwa durch den ständigen Einsatz von Terror gegen die israelische Zivilbevölkerung?
Ganz abgesehen davon, dass die Israelis in den Neunzigern ja auch schon abgezogen waren, ehe mit der zweiten Intifada eine neue Terrorwelle begann.

Wenn ich mir so die palästinensische Situation betrachte, glaube ich zum Beispiel, dass die größten Feinde der Palästinenser nicht die Israelis sind, sondern ihre eigene Elite.
Seid sechzig Jahren leben zehntausende Palästinenser in Flüchtlingslagern und warum: weil der politischen Führung dieses moralische Faustpfand mehr bedeutet, als das Wohlergehen des eigenen Volkes. Eine solch menschenverachtende Behandlung ist beschämend.

Ebenso muss man sich doch Fragen, wo die ganze Entwicklungshilfe hingekommen ist, die die EU und die USA seid Jahrzehnten an die Palästinenser überweisen? In was ist sie investiert worden, wohl kaum in die Steigerung der Lebensqualität des Volkes (Siehe Flüchtlingslager). Die korrupte Elite hat es größtenteils behalten, soviel bedeutet ihr das eigenes Volk. Arafat stand einem armen Volk vor und starb als Milliardär!

Von all dem habe ich heute Abend nichts gehört. Vielleicht sollte man sich da ein Vorbild an Israel nehmen, einer offenen, kritischen Demokratie. Ich bezweifle, dass es sich ein Palästinenser leisten könnte, einen solch kritischen Film über die palästinensische Gesellschaft zu drehen (z.B. über die Glorifizierung von Selbstmordattentätern), wie es Yoav Shamir in Checkpoint über die israelische tat.

Wie gesagt, ich stelle enttäuscht fest, dass auf palästinensischer Seite offensichtlich kein Einsehen besteht, selber auch einen Teil zu diesem Konflikt beigetragen zu haben.
Da ist bedauerlich, denn so dürfte es schwierig werden, tatsächlich eine faire Friedenslösung finden zu können.

Ich fände es interessant, wenn ich auf diese Eindrücke von mir eine Antwort erhalten würde. Vielleicht irre ich mich ja auch mit meinem ersten Eindruck und die Auffassung über den Konflikt ist in ihrer AG doch differenzierter als es heute Abend den Anschein machte.

Schon im Voraus danke für eine Antwort,

Mit freundlichen Grüßen

Gideon Böss

Advertisements

An alle Freunde der gehobenen Vampir-Fantasy-Abenteuer Literatur!!!

Mai 31, 2006

Die Probekapitel liegen ausgedruckt vor mir! Morgen oder übermorgen werden sie an siebzehn Verlage versendet. Das wird nicht nur ein teurer Portospaß, nein, auch eine lange Wartezeit. Die Verlage melden sich frühestens nach drei, spätestens nach sechs Monaten.

Da kann man nur hoffen, dass die Warterei sich wenigstens lohnt!

UNO

Mai 31, 2006


Aus einer Zeitungsmeldung:

Israel provoziert Eklat im UN-Sicherheitsrat

Im Weltsicherheitsrat hat es Streit zwischen arabischen und israelischen Diplomaten gegeben. Israel bezeichnete Iran und Syrien als Teil einer «Achse des Terrors».

Der israelische UN-Botschafter hat bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York den Iran und Syrien scharf angegriffen.

Dan Gillerman rechnete beide Länder zu einer «Achse des Terrors». Der Iran sei «einer der größten staatlichen Sponsoren des Terrorismus und die größte Bedrohung für den internationalen Frieden», sagte er.

(http://www.netzeitung.de/ausland/402336.html)


Man fragt sich, was die UN für eine verkommene Institution ist, wenn es ein Eklat darstellt die Wahrheit zu sagen!

Islam ist Frieden

Mai 30, 2006

Interessante Ergänzung zu meinem Artikel, indem ich die Frage aufwarf, ob der Islam eigentlich eine irre Religion ist, die Irre anzieht:

[…] Demnach seien die Frauen, die enge private Kontakte zur islamistischen Szene pflegen und teils selbst zum Islam konvertiert sein sollen, im Internet aufgefallen. Dort soll mindestens eine Konvertitin Selbstmordanschläge im Irak angekündigt haben, bei denen sie auch ihr Kind mit in den Tod reißen wollte. […] Vergangenen November hatte sich in der Nähe von Bagdad bereits eine belgische Konvertitin in die Luft gesprengt.
(http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418757,00.html)

Der Papst

Mai 30, 2006


Er ist zwar alt, doch er hat Macht. Es ist also sinnvoll auch hinzuhören, wenn der Papst etwas sagt. Mich zum Beispiel überraschte es, dass er in Auschwitz in Hinblick auf die Leiden des Russischen Volkes und der im Konzentrationslager ermordeten Soldaten der Roten Armee davon sprach, dass diese Soldaten im Kampf gegen eine Diktatur starben, nur um selber eine Diktatur vorzubereiten. Und schon hat der gute Papst den Nationalsozialismus mit dem Kommunismus gleichgesetzt. Des Weiteren fand ich Formulierungen ungewöhnlich, in denen er von einer Schar von Verbrechern sprach, die das deutsche Volk missbraucht hätte… auch das ist ziemlich relativierend und geht vor allen an der Wahrheit vorbei.

Vielleicht kann sich ein christlicher Theologe den Lauf der Welt als eine ständige Bedrohung durch die Mächte des Bösen vorstellen, denen es hin und wieder gelingt, sogar die anständigsten Menschen zu verführen, aber für die richtigen Einschätzung eines gigantischen Volksverbrechens (einem Verbrechen, dass vom Volk getragen wurde) reicht das nicht aus und befreit doch nur die Täter aus ihrer Verantwortung.

Vielleicht muss man deutscher Soldat gewesen sein, um es zu schaffen kein Wort darüber zu verlieren, welche mörderische Wechselwirkung zwischen dem Holocaust und dem im Volk verbreiteten Antisemitismus bestand. Da war es dann nur folgerichtig, dass der Papst auch keine kritischen Worte über die Rolle der katholischen Kirche fand, wurde sie vielleicht auch von einer Schar Verbrechern missbraucht???

Na ja, auf jeden Fall sieht es jetzt so aus, als hätte das deutsche Volk endlich die lange wütend eingeforderte Vergebung erfahren, der Papst sprach es von allen Sünden frei und jetzt ist alles wieder gut.

Neues von der Insel

Mai 29, 2006


Die Engländer sind bekannt für ihren schwarzen Humor, doch sie haben noch mehr zu bieten. So versuchen sich alljährlich bedeutende Teile der akademischen Welt und der Gewerkschaft daran, endlich ein Boykott der israelischen Universitäten durchzusetzen.

Man muss nicht darüber grübeln, ob dieses Ansinnen nun antisemitisch oder antizionistisch ist, es ist beide und zwar in Reinform. Was geht nur in den Köpfen von Leuten vor, denen die Existenz von Staaten wie dem Iran, Saudi-Arabien, Syrien, Sudan und Nigeria bekannt ist und die trotzdem mit der Courage eines Feiglings auf Israel zeigen.

Professoren und Mitarbeiter dortiger Universitäten sollen als Reaktion auf israelische Politik nicht mehr Teil der internationalen Forschergemeinde bleiben dürfen. (Sie sollen also dafür büßen, dass der israelische Staat seine Bürger davor bewahren will, in Cafes, Diskos oder im Bus von palästinensischen Selbstmordattentätern zerrissen zu werden.) Eine einzigartige Forderung, zumal gegenüber einer Demokratie.

Überraschend ist in diesem Zusammenhang nur auf den ersten Blick mit welcher Selbstverständlichkeit die Initiatoren einfach einen Bann über ALLE Israelis aussprechen. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass dieser Aufruf an sich Antisemitisch ist und schon macht die ganze Sache wieder Sinn. Weil es keinen gerechten Antisemitismus gibt, haben die Verfasser des Aufrufs gar keine andere Wahl, als ALLE zu sanktionieren. Zeichnet sich der Antisemitismus doch dadurch aus, dass er Klassen- und Schrankenlose alle Juden gleich werden lässt.

Kaum zu Glauben mit welcher Vehemenz mittlerweile in westliche Staaten an der Demontage der wenigen andere Demokratien gearbeitet wird. Wo dieses Phänomen her kommt, dass jedes Verbrechen von islamischen Terroristen, iranischen Präsidenten oder arabischer Reiterheere (in Afrika) immer sofort unter einer Decke von Verständnis und Nachsicht erstickt und klein gemacht wird und demgegenüber offene Gesellschaften wie die USA oder Israel dafür umso aggressiver attackiert werden, ist mir rätselhaft.

Natürlich kann das als feige Befriedigung des eigenen Gewissens gedeutet werden. Man kümmert sich zwar nicht um die Bürger von Grosny, auch nicht um die Bevölkerung im Sudan und schon gar nicht um die Menschenrechte in den arabischen Staaten, dafür kämpft man aber gegen amerikanische Foltergefängnisse und Kriegsverbrechen.

Das dieser Einsatz den Schönheitsfehler hat, dass die meisten der Skandale, mit denen sich die USA herumzuschlagen haben, durch interne Untersuchungen der US-Army ans Licht kamen (und die anderen durch amerikanische Journalisten), stört dabei gar nicht.
Hier passt die Metapher des Einrennens offener Türen sehr gut.

Die europäischen Kämpfer für Gerechtigkeit sollten sich einmal überlegen, ob sie ihrer Sachen nicht mehr dienen würden, wenn sie sich gegen die Verbrechen von Staaten engagieren, in denen es keinen Seymour Hersh, keinen Bob Woodward und keinen Carl Bernstein gibt? Stattessen grübeln sie über Petitionen gegen Israel – ich bin mir nicht sicher, welche Gruppe ich für eine größere Gefahr für die Demokratie ansehen soll, solche “Demokraten“ oder den islamischen Fundamentalismus?

Paul Spiegel

Mai 28, 2006


Heute fand in Düsseldorf die Trauerfeier für Paul Spiegle statt.
Anwesenden war beinahe die gesamte politische Elite des Landes. Alle wollten sie einem großen Brückenbauer und Verdienten Kämpfer für den Ausgleich zwischen Deutschen und Juden die letzte Ehre erweißen.
Paul Spiegel hat es sicherlich nicht verdient, dass sein Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus ausgerechnet während seiner eigenen Trauerfeier so ins lächerliche gezogen wird.

Anders kann man nicht bezeichnen, was sich dort Redner wie Horst Köhler oder Angela Merkel leisteten. Der Bundespräsident mahnte an:
„Wir dürfen nicht dulden, dass hier zu Lande Orte entstehen, an denen Menschen, weil sie als Fremde wahrgenommen werden, fürchten müssen, dass ihre Würde verletzt wird, dass sie um ihre Gesundheit und sogar um ihr Leben bangen müssen.“
Von welchen ENTSTEHENDEN Orten redet er denn da? Oder klammert er die existierenden schon als verloren aus und will sich nun mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland minus die National Befreiten Zonen nicht zu einem solchen Ort werden darf?!?!?

Noch zynischer wird es, wenn die Kanzlerin die Unterstützung Israels einfordert.
Sie könne nicht dazu schweigen, wenn der Staat Israel vom iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in seiner Existenz bedroht werde. „Wir müssen alle dazu entschlossen sein, diese Gefahr einzudämmen“, sagte die Kanzlerin. Diesem Auftrag sei ihre Regierung verpflichtet. Die wunderbaren wirtschaftlichen Beziehungen zum Terrorregime im Iran stellte sie dabei aber nicht direkt in Frage und auch die Hermesbürgschaften scheinen nicht in Gefahr zu sein.
Wie will sie also in der Realität den Worten Taten folgen lassen?
Werden die Minister bei der WM vielleicht heimlich die Daumen für die Mannschaften drücken, die gegen den Iran antreten?

Genau diese Ignoranz ist es doch, die Spiegel immer und immer wieder anprangerte und an der er letztlich ebenso wie sein Vorgänger zerbrach. Kurz vor seinem Tod äußerte er sich in einem Interview tief pessimistisch, was den Kampf gegen den Antisemitismus angeht. Er verstand nun, was Ignatz Bubis meinte, als er davon sprach, nichts erreicht zu haben und sah den Antisemitismus wieder auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft.

Es ist eine Schande, dass Paul Spiegel, der sicherlich kein Hysteriker war, zu einer solchen Auffassung kommen musste und es ist eine noch größere Schande, wie die Öffentliche Reaktion darauf ausfiel. Sie blieb einfach aus! Eindrucksvoller konnte Spiegels Befürchtung nicht bestätigt werden. Bei Bubis ging noch ein Aufschrei des Entsetzens durchs Land, alle versuchten ihn davon zu überzeugen, dass er sich geirrt habe. Bei Paul Spiegle störte es schon niemanden mehr…