Der US-Präsident und die Todesstrafe
Gerade wurde eine Amerikanerin, die „seit 30 Jahren in Deutschland“ lebt und sich die Obama Rede angesehen hat, gefragt, was sie sich von ihm erhofft. Klare Antwort: „Dass er die Todesstrafe abschafft!“ Das wird er nicht, definitiv nicht! Und warum? Weil das nicht in der Macht des Präsidenten liegt. Und woher weiß ich das? Weil ich dieses hochinteressante Blog gelesen habe und seitdem klüger als mancher hauptamtlicher „Anti-Todesstrafen“-Aktivist bin (in diesem speziellen Fall, dank diesem Artikel).
Juli 24, 2008 at 7:50
[...] PS: Die Todesstrafe wird übrigens auch nicht einfach abgeschafft, wenn Obama wirklich Präsident wird. [...]
Juli 25, 2008 at 8:17
Ein weiterer Grund ist, daß Obama sich bereits für die Todesstrafe ausgesprochen hat, undzwar nicht nur für Mörder, sondern auch für Kinderschänder (was der Oberste Gerichtshof der USA aber kürzlich verboten hat, solange es keine Todesfolge gibt).
Juli 25, 2008 at 4:42
Mein Leserbrief, abgedruckt im Mannheimer Morgen vom 5. Juli 2008:
„Der Artikel Ihres US-Korrespondenten Markus Günther „Bei der Todesstrafe denkt Obama wie die meisten Amerikaner“ sowie sein Kommentar „Kein Zufall“ scheinen mir in erster Linie das Ziel zu verfolgen, bestimmte Ressentiments der Leser Ihrer Zeitung zu bedienen.
Zwar wird herausgestellt, welche Bundesstaaten bisher die Todesstrafe bei Vergewaltigung erlauben, wenn das Opfer ein Kind ist. Herr Günther tut aber dennoch so, als stünde es in der Macht des US-Präsidenten, die Todesstrafe im Allgemeinen auszuweiten oder abzuschaffen. Dies ist nicht der Fall, und zwar deshalb, weil die USA als eine Art Staatenbund entgegen landläufiger Meinung die Todesstrafe gar nicht vorsehen. Einzelne US-Bundesstaaten sehen sie vor, in den meisten von ihnen wird sie auch vollzogen. Dies trifft jedoch längst nicht auf alle einzelnen US-amerikanischen Rechtssysteme zu. In Michigan ist bspw. noch nie (seit der Gründung des Staates 1837) ein Mensch hingerichtet worden. In anderen Staaten wurde die Todesstrafe durch ein Plebiszit abgeschafft, was in Deutschland wohl zu keinem Zeitpunkt vorstellbar gewesen wäre. Im Übrigen ist dies der einzige Weg, die Todesstrafe abzuschaffen: durch einen Volksentscheid in jedem einzelnen verbleibenden Bundesstaat.“
Die Info über Michigan hatte ich freilich (US-Bürger wie ich sind bekanntlich ungebildet) auch nur aus dem verlinkten blog.