Wegen einer Passverlängerung muss ich zum Bürgeramt. Da wird das ganze dann in fünf Minuten erledigt. Formulare ausfüllen, unterschreiben und stempeln, dann gibt es noch eine Kopie und fertig. Da sind die Mitarbeiter schnell, da gibt es nichts zu klagen. Aber bis man so einen Mitarbeiter zu Gesicht bekommt, vergeht viel Zeit. Wie viel Zeit genau, weiß ich nicht, weil ich die Warterei bislang nie durchgehalten habe.
Beim ersten Versuch versicherte mir die gezogene Nummer, dass 75 Kunden vor mir warten. Was so lange dauerte, dass ich nach 2 1/2 Stunden unverichteter Dinge gegangen bin. Beim zweiten Versuch wurden morgens um 10.00 Uhr keine Nummern mehr vergeben, obwohl bis 19.00 Uhr offen ist und heute stand ich wieder da, blickte optimistisch auf meine Nummer und da stand: Bitte warten Sie, bis Ihre Nummer 190 aufgerufen wird. Danke! Vor Ihnen warten 143 Besucher!
Ich bin sofort wieder gegangen, ich denke, wenn ich morgen Mittag da wieder hingehe, müsste ich so langsam mal dran kommen. Kein Wunder, dass vielen Hartz IV-Empfängern der soziale Wiederaufstieg nicht gelingt, sie haben ja keine Zeit für nichts, weil sie ihre Tage im Wartesaal des Bürgeramtes verbringen müssen.
Interessant fand ich aber ein Plakat, das vor Sekten warnen will. 20 Punkte sollen darüber aufklären, wann man sich in den Händen einer bösen Sekte befindet. Das ganze aufgelockert durch bemüht-jugendhafte Comiczeichnungen. Ein Punkt sagte, dass Sekten die Welt in gut und böse aufteilen und dass sie so tun, als würden sie die Probleme der Neumitglieder verstehen und sie lösen können. Außerdem würden die anderen Sektenmitglieder angeblich immer für einen da sein. Es werden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden und es wird eine Grenze zwischen Mitgliedern und nicht-Mitgliedern gezogen. Wichtige Aufklärung! Alle Punkte treffen auf Christentum und Islam (und wahrscheinlich jede andere religiöse Bewegung) zu.
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