Zustandsbeschreibung

Verfasst Juli 30, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Hier passiert aktuell nicht viel (einer muss es ja mal aussprechen!). Mehr ist dafür auf meinem Welt Online-Blog Böss in Berlin los.

Osama bin Fischer

Verfasst Mai 11, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Nach über einer Woche sitzt der Schock in Deutschland immer noch tief. Osama bin Laden ist tot. Die 10.000 Japaner, die bei einem Tsunami starben, beschäftigten die Volksseele hingegen nicht. Wahrscheinlich, weil die Überschwemmung die Rache der Natur für Fukushima war. So was kommt eben von so was. Selbst schuld, baut halt Windräder. Die Navy Seals aber sind keine Naturkatastrophe, die sind Auge und Zahn. Außerdem hat Osama keine Atomkraftwerke gebaut, was für ihn spricht.

Er ist uns ohnehin näher als die seltsamen Japaner. Er hat eine kritische Meinung zu Israel, zu den USA, zum Kapitalismus und der Globalisierung. Wie wir. Er stellt seine Religion selbstbewusst zur Schau, was Annete Schavan ja so am Islam schätzt und entspricht auch sonst dem Bild eines gemütlichen Ex-Radikalen. Das waren wir in Deutschland auch einmal, radikal. Ex-Nazi, Ex-Oberterrorist, wir wissen, dass man sich ändern kann. Osama hat sich geändert. Die Amis aber nicht und die Japaner auch nicht.

Von daher sollte die Frage erlaubt sein, was gewesen wäre, wenn ein Anti-Konflikt-Team der Berliner Polizei den „Terroristen“ (der für andere Freiheitskämpfer ist) in Pakistan besucht hätte? Er wäre für ihre Argumente zugänglich gewesen und mit ihnen zusammen in das Flugzeug gestiegen. Noch im internationalen Luftraum hätte er eingewilligt, an Westerwelles Aussteigerprogramm für Islamisten teilzunehmen und in Berlin gelandet, wäre ihm ein roter Teppich von der Linken und den Grünen ausgerollt worden. Die SPD hätte da auch gerne mitgemacht, aber weil Gregor Gysi vor laufenden Kameras poltert, dass eine Partei, die einen Sarrazin in ihren Reihen hat, für Migranten keine Option sein kann, trauen sich die Sozialdemokraten nicht. Die CDU bleibt dem Empfang zwar fern, lädt den Neuen aber zur Islamkonferenz ein. Die FDP wiederum ist neutral. Sie ist weder dafür noch dagegen, dass Osama dies oder jenes macht.

Vermutlich hätte der Wolkenkratzerkritiker sich dann der Linken angeschlossen (nachdem ihn die Grünen ablehnten,  weil er jahrelang seinen Müll nicht getrennt und im Garten seiner Villa verbrannt hatte, was ihm der harte Kern der Partei dann doch nicht verzeihen konnte). Er ist schließlich auch ein entschiedener Gegner des Afghanistankrieges und fordert seit Jahren den Abzug der westlichen Truppen. Er würde im Ausländerbeirat sitzen und könnte den jungen Muslimen, die perspektivlos mit ihren iPhones spielen, ein Vorbild sein. Außerdem wäre es möglich, dass er an der Volkshochschule Kurse zum Thema Videoschnitt und Rhetorik anbietet und zusätzlich etwas Geld mit Werbung für ein Bartfärbemittel verdient.

Warum hätte es nicht gelingen sollen, Osama zu integrieren? Er war früher ein Hitzkopf, klar, er hat ein paar amerikanische Städte angegriffen, okay, aber Joschka Fischer schlug auch auf Polizisten ein und später wurde er zum beliebtesten deutschen Politiker. Und genau das wäre die längerfristige Perspektive gewesen: Osama bin Laden, der erste deutsche Außenminister mit muslimischem Migrationshintergrund.

Um dieses Happy End haben uns die Amis nun gebracht. Vielleicht versteht man jetzt besser, warum in Deutschland der amerikanische Jubel mit so viel Empörung aufgenommen wird. Ihr habt uns einen guten Mann genommen, ihr kulturlosen Micky Mäuse.

Und Deutschland stimmt nicht für ein Flugverbot? Ausgerechnet Deutschland?

Verfasst März 19, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Nichts Neues, nur Links

Verfasst Februar 14, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Aktuell reicht die Zeit kaum dazu, hier mehr zu machen als die neusten Welt-Blog-Texte zu verlinken. Zum Beispiel den zur “unbekümmerten” Lena, den zur deutschen Stuhlkreispolitik, den zu den Berliner Künstlern, den zur Forderung, dass Stuxnet den Friedensnobelpreis erhält und was die Verdienste vom Wikileaks-Assange sind.

Drei neue Artikel

Verfasst Januar 21, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Über eine “Provokation”, über einen Attentäter, über Verbote.

Der Spiegel, israelische Killer und angebliche Terroristen

Verfasst Januar 6, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

Ich habe den Spiegel-Jahresrückblick für 2010 gelesen und da ist mir eine Kleinigkeit aufgefallen. Und zwar wird im Inhaltsverzeichnis der Text „Tod in Dubai“ angekündigt, zu dem es weiter heißt*:

Ein hoher Funktionär der palästinensischen Hamas wird in einem Hotelzimmer von israelischen Agenten ermordet.

Erstaunlich, was der Spiegel da als Fakt mitteilt. Bewiesen ist das nämlich nicht und da würde man doch vermuten, dass etwas vorsichtiger formuliert wird. Interessant ist das vor allem, weil der Spiegel sich umgekehrt bei israelischen Quellen sehr um Distanz bemüht. Aktuelles Beispiel ist dieser winzige Artikel. Kostproben:

Die israelische Staatsanwaltschaft hat zwei mutmaßliche Terroristen angeklagt.

Sie sollen militante Kämpfer der Hamas und der Muslimbruderschaft sein.

Dabei geht es um einen angeblich geplanten Anschlag auf das Teddy-Kollek-Fußballstadion in Jerusalem, den der israelische Inlandsgeheimdienst hat nach eigenen Angaben verhindern konnte.

Drei weitere Palästinenser wurden demnach angeklagt, weil sie den Hauptverdächtigen Schusswaffen verkauft haben sollen.

Es gibt genau einen Satz in diesem Artikel, der ohne Einschränkung auskommt. Er liest sich in dieser Umgebung geradezu radikal:

Sie wurden bereits im November festgenommen.

Bei einem nicht aufgeklärten Mordanschlag in Dubai ist der Spiegel also der Meinung, dass man sich da ruhig auf Israel als Auftraggeber festlegen kann. Immerhin geht auch der Polizeichef von Dubai zu “99 Prozent” davon aus. Wenn in Israel aber mehrere Terroristen verhaftet werden, ehe sie einen Anschlag verüben können, wird darüber mit viel “angeblich” und “mutmaßlich” berichtet. Grundsätzlich ist das ja auch in Ordnung, denn solange die Verhafteten nicht verurteilt wurden, könnten die Vorwürfe auch haltlos sein. Aber warum gilt dieses Prinzip dann nicht auch umgekehrt für angebliche (!) israelische Agenten?

Offenbar hat man beim Spiegel mehr Vertrauen in den Polizeichef eines antisemitischen Landes, das seine asiatischen Gastarbeiter wie Sklaven behandelt, Frauen die Menschenrechte verwehrt und von Pressefreiheit nichts hält,  als in die unabhängige Justiz der liberalen Demokratie Israel.

* Die Überschrift im Heft lautet dann “Mord auf Zimmer 230″ und in der Einleitung wird klar gestellt, dass der Waffenhändler der Hamas “von einem Kommando des Mossad liquidiert” wurde.

(zuerst hier erschienen)

Silvester 2010 mit Tschechoslowaken in der Südsee

Verfasst Januar 6, 2011 von Gideon Böss
Kategorien: Nicht kategorisiert

So werden wir also einmal leben, da oben auf dem Mond. In riesigen ovalen Hallen, die einen Hauch von Planet Erde versprühen. Harmlose Pflanzen sollen Urwälder simulieren und ein etwas zu groß geratenes Planschbecken die Ozeane. Tiere gibt es keine. Das ist wohl der Preis, den wir für die Besiedlung des Trabanten zu zahlen haben.

Sollte so die Zukunft aussehen, kann sie schon heute besichtigt werden. In Brandenburg im Tropical Islands. Früher wurden hier Luftschiffe gebaut, dann war es mit der Luftschifffahrt vorbei und irgendwer fand, dass hier im Niemandsland zwischen Berlin und Dresden noch ein Tropenparadies fehlt. Und in diesem wollte ich den Jahreswechsel verbringen.

Bei meiner Ankunft um 22.30 Uhr liegen mehrere Highlights des Silvesterabends schon hinter den Gästen. Das Buffet und ein Showprogramm. Kurz darauf spaziere ich dann auch schon durch die etwas dunkle Kunstwelt (mehr Kunstsonnenlicht bitte!). Von irgendwo dröhnt Mallorcaurlaubsmusik herüber. Wie sich herausstellt, leider genau vom Südseestrand, an dem nachher das Feuerwerk stattfinden soll. Weil noch etwas Zeit bleibt, setze ich mich noch in irgendeine Lagune, die eigentlich eine Gaststätte ist, so wie erstaunlich viel in dieser exotischen Welt Gaststätte, Laden oder Geschäft ist. Turbokapitalistische Insulaner.

Dann geht es auf Mitternacht zu und ich mache mich auf zum Südseestrand. In der Hand einen Sektgutschein, der mir bei der Ankunft mit sorgenvollem Gesicht überreicht wurde. „Aber schnell einlösen, der gilt nur am 31.12.“ Die Sorge der erfahrenen Empfangsdame war berechtigt gewesen, es gelingt mir nicht, noch wenige Minute vor dem „10…9…8…“ dieses Stück Papier in etwas Trinkbares einzutauschen. Also ohne Getränk runter zum Strand. Kühl, deutlich zu kühl für Südseeatmosphäre. Auf einer Inselbühne in der Südsee, die die Ausmaße eines größeren Kinderbeckens hat, stehen zwei Animateure, die völlig zu Recht ins brandenburgische Exil verbannt worden sind. Sie schreien die Gäste an, dass sie noch nie ein so tolles Publikum gehabt haben. Müder Applaus. Das tollste Publikum sitzt und liegt herum und nur wer es sich fest vorgenommen hatte, wippt etwas mit, wenn die beiden Gutelaunemacher Gutelaunelieder grölen. Es ist 23.56 Uhr und den beiden scheinen die Themen ausgegangen zu sein. Also machen sie mit einem Zählappell weiter.

„Haben wir Gäste aus Brandenburg?“, „Haben wir Gäste aus Berlin?“, „aus Niedersachsen?“, „Sachsen“, „Polen“. Sie rufen sogar die Freunde aus der Tschechoslowakei aus. Erstaunlich daran ist gar nicht mal die Frage, ob die Animateure die eine oder andere weltpolitische Veränderung verpasst haben, sondern dass von irgendwoher zur Bestätigung applaudiert wird. Ich feiere Silvester 2010 also zusammen mit Tschechoslowaken.

(hier geht es weiter)


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