Der Kapitalist Karl Marx und der Bildungsstreik

Posted November 19, 2009 by Gideon Böss
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Es ist wieder Bildungsstreik. Die Studenten-Demonstrationen zeichnen sich dadurch aus, dass zirka 98 Prozent der Teilnehmer nicht erklären können, welche Änderungen es konkret geben soll. Die Diskussionen, die ich an der Universität noch mitbekommen habe (vor einem halben Jahr), liefen immer so ab, dass die Protestler eine Sammlung an Phrasen in den Raum warfen, die ganz gut und griffig klangen, mehr aber auch nicht. Wer halt nur Parolen wie „Bildung ist keine Ware“ auswendig lernt, aber nicht weiß, was das genau bedeuten soll, steht einfach schlecht da, wenn genauer nachgefragt wird.

Mir waren die seltsamen Gestalten immer unsympathisch, die sich bei solchen Diskussionen zu Wortführern berufen fühlten. Zumal es diesen Studententyp vor allem in zwei Varianten gibt. Da ist zum einen der faule und immer leicht aus der Realität gelehnte Kerl mit langen Haaren, der das alles auch irgendwie nicht okay findet, wie das so abgeht mit Leistungsdruck und so. Durch besondere Lernbereitschaft zeichnet er sich nicht aus und ist schon aus Eigennutz dafür, dass jeder an der Uni in Ruhe gelassen wird. Wenn es nach ihm geht, wird er in den Hörsälen sein Leben verbringen und irgendwann vor der Mensa begraben. Hier ruht in Frieden Malte, er wurde 142 Semster alt.

Der sozialistisch zugedröhnte Student ist die andere, nervigere Variante. Er wirft mit Marx-Zitaten um sich und fragt pathologisch, ob unsere Gesellschaft wirklich besser als dies und das ist. So von wegen Ausbeutung und Kapital. Natürlich ist sie es nicht, stellt er immer wieder fest. Wenn man mehr als nur ein Seminar mit einem solchen Gesellschaftskritiker besuchen muss, stellt man fest, dass seine gesammelten Marx-Weisheiten ziemlich überschaubar sind. Drei, vier Sprüche sind es, mehr nicht. Der Leistungs- und Verwertungsdruck der Gesellschaft verhindert offenbar, dass man sich mit Marx gründlicher als auf dem Niveau von Kalendersprüchen beschäftigt.

Kein Wunder, dass man solche Studenten leicht in Verlegenheit bringen kann. Ich erklärte in Diskussionen immer, dass mir Karl Marx deswegen suspekt ist, weil er ein Globalisierungsfanatiker war, der die Zerstörung nationaler Industrien forderte (was er tat). Ein Kapitalist der heuschreckenhaftesten Art. Nie erhielt ich darauf eine konkrete Antwort, die meine Kritik entkräftet hätte. Stattdessen wurde mit anderen Beispielen aus seinem Werk gekontert, die seinen „Anhängern“ besser gefielen. Aber so ist es eben mit Religionen, jeder streicht sich die Stellen der heiligen Schriften an, die ihn besonders ansprechen.

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Depressionen sind Depressionen

Posted November 16, 2009 by Gideon Böss
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Die öffentliche Trauer ist seit Sonntag beendet – als Robert Enke das letzte Mal sein Stadion verlassen hat. Erst jetzt beginnt das, was viele in der vorigen Woche das „Vermächtnis“ von Robert Enke genannt haben: die Aufgabe, im Alltag die Toleranz für Schwächen aufzubringen, die Enke gebraucht hätte.

(zufällig ausgewählt, es gibt viele andere Artikel mit der selben „Moral.“)

Schade, die Leute, die jetzt lautstark fordern, dass über Depressionen endlich gesprochen werden muss, tun gleichzeitig alles, um eben diese Diskussion gegen die Wand zu fahren. Enke ist nicht am Leistungsdruck zerbrochen, auch nicht an unserer angeblichen Ellenbogengesellschaft, auch nicht am Spitzensport und auch an sonst keinen äußeren Umständen. Er ist an einer Krankheit gestorben, die Depression heißt. Depressionen haben ihn umgebracht und sonst nichts. Das ist ja das schreckliche an dieser lebensgefährlichen Krankheit, dass sie so enden kann.

Zwei Artikel aus einer Woche

Posted November 8, 2009 by Gideon Böss
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Hier habe ich etwas über eine Lesung geschrieben, die einfach ekelhaft war und hier etwas über Greenpeace, einen Verein, den ich nicht sonderlich toll finde…

Ein Stasicamp für Brandenburg

Posted November 3, 2009 by Gideon Böss
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Irgendwie ist es peinlich. Berlin gilt weltweit als Symbol für Freiheit und den erfolgreichen Kampf gegen die Unterdrückung. Alle kennen die Sätze „Ich bin ein Berliner“ und „Mr. Gorbatschow, open this gate! Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“ Die Bilder der fallenden Mauer gingen um die Welt, ebenso die der jubelnden Menschen. Feuerwerk und Fahnenmeer. Ein deutsches Herbstmärchen. Die verhasste SED, die so viel Terror über die Ostdeutschen brachte, lag am Boden. Die Freiheit hatte triumphiert.

Und jetzt, 20 Jahre später treffen Bush, Gorbatschow und Kohl wieder zusammen. Treten gemeinsam in Berlin auf. Was für eine Stadt ist es heute? Die SED regiert jetzt in beiden Teilen, sie bekommt bei den Bundestagswahlen in manchen Bezirken über 20 Prozent der Stimmen. Das ist es, was peinlich ist. Eine Stadt, in der die umbenannte SED immer noch ein hohes Ansehen genießt, taugt nicht zum Symbol für Freiheit, sie hat ein Problem mit der Freiheit. Die Entnazifizierung hat gut geklappt, die NSDAP hat sich nicht unter dem Namen „Die Rechte“ in die liberale Demokratie gerettet und selbst wenn sie es getan hätte, würde sie bei den Wahlen irgendwo zwischen der Partei für spirituelle Politik und der MLPD landen. Ähnliches hat sich in Bezug auf die DDR nicht wiederholt. Zum einen hätte die Trennung von einer menschenverachtenden Ideologie in diesem Fall freiwillig passieren müssen, denn niemand zwang die Mitläufer und Täter des Arbeiter-und-Bauern-Staates dazu, sich anzusehen, was sie für Verbrechen begangen haben.

Zum anderen bestand im Westen kein Interesse daran, eben diese Verbrechen zu thematisieren. Große Gerichtsprozesse blieben aus und wer heute die traurige Wahrheit ausspricht, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, begeht selbst ein Unrecht, nämlich gegenüber der mysteriösen DDR-Biografie von Millionen Deutschen.

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Immunität aufheben, sofort!

Posted Oktober 30, 2009 by Gideon Böss
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ströbee

Rote Ampel und was macht Ströbele: er fährt einfach drüber! Tatort: Potsdamer Platz. Bild-Leserreporter Gideon B. hat sofort seine Handykamera gezückt und dieses Beweisfoto geschossen.

Bild-Beobachtungen

Posted Oktober 27, 2009 by Gideon Böss
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„Der Medienjournalist Stefan Niggemeier ist einer der Gründer des Bildblog und beobachtet dort seit 2004 die Bild und ihren Chefredakteur.“

Ich frage mich, ob man das nicht etwas prägnanter auf den Punkt bringen kann? Vorschlag:

„Stefan N. liest seit 2004 die Bild.“

Ein ganz normaler Mordaufruf

Posted Oktober 27, 2009 by Gideon Böss
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Die türkischstämmige Autorin Seyran Ates wird von Neonazis mit dem Tode bedroht und muss sich deswegen aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Anlass für die Anfeindungen ist ihr neustes Buch, das sich kritisch mit der Neonazi-Szene beschäftigt…Hätte es sich so zugetragen, wäre der öffentliche Protest riesig gewesen. Politiker und Medien hätten sich lautstark hinter die bedrohte Autorin gestellt. „Wehret den Anfängen“ und „Nazis raus!“

Doch die Wahrheit ist, dass Seyran Ates diese Solidarität verwehrt bleibt. Dafür gibt es einen einfachen Grund: es sind keine Neonazis, die sie umbringen wollen, sondern Islamisten. Offenbar ist es nicht entscheidend, womit jemandem gedroht wird, sondern aus welchen Kreisen die Drohung kommt. Daran orientiert sich der Grad der öffentlichen Empörung. Seyran Ates hat sich den Hass der Islamisten durch ihre islamkritische Haltung zugezogen. Vor wenigen Wochen erschien im Ullstein-Verlag ihr neues Buch „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.“ Kurz darauf musste sie sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

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Brille: Lehmann

Posted Oktober 25, 2009 by Gideon Böss
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Sehr cool! Gefunden über den interessanten Twitter-Service von LizasWelt.

Mein erstes taz-Abo

Posted Oktober 25, 2009 by Gideon Böss
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Das Unternehmen Wolfskin wollte seine Markenrechte schützen und verschickte darum Abmahnungen an mehrere kleine Anbieter. Aufgrund von Protesten der Kunden ließ Wolfskin die Abmahnungen dann fallen.  Soweit so egal. Erstaunlich ist aber, wie sehr manche Leute ihr Wunschdenken auf andere ausbreiten, vor allem auf  Kinder. So hat ein taz-Leser folgenden  Leserbrief an die tageszeitung geschickt:

„Am Samstag wollte ich eigentlich mit meiner Nichte im örtlichen Wolfskin Laden ein Geburtstagsgeschenk kaufen, das sie sich gewünscht hat. Eine Mütze von JW. Ich habe ihr dann gestern erzählt, was die sich geleistet haben – und da hat sie gesagt, dann müsse sie sich ja schämen mit so einer Mütze. Und sie erzählt es seit heute in der Schule rum. Für so etwas haben Kinder schon eine sehr feine Nase, wenn es um Ungerechtigkeiten geht. Also gibt es zum Geburtstag etwas anderes.“

Der gute Onkel wird dem armen Kind die Mütze einfach aus Wut über Wolfskin nicht gekauft haben und wenn das Mädchen danach überhaupt was in der Schule rumerzählte, dann nur, was sie für blöde Verwandte hat. Und was gibt es stattdessen zum Geburtstag? Wahrscheinlich das erste eigene taz-Abo. Alles Gute.

Spiegel Online trotzt der Archäologie

Posted Oktober 25, 2009 by Gideon Böss
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Der Tempelberg steht nach jüdischer Glaubenslehre auf den Überresten des im Jahre 70 von den Römern zerstörten zweiten jüdischen Tempels.

SPON, der stand da nicht „nach jüdischer Glaubenslehrer“, sondern er stand da. Punkt! Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied.